Heiße Spuren: Orange-Vertriebschefin Sabine Bauer on Tour

Sabine Bauer. Als Orange-Vertriebsvorstand führt sie Mitarbeiter, als Abenteurerin folgt sie den heißen Spuren abseits touristischer Trampelpfade.

Ich bin dann mal – richtig – weg. Sabine Bauer ergänzt den Sager des pilgernden Kabarettisten Kerkeling um das Wort „richtig“. Ihre Mitarbeiter wissen, was das bedeutet. Kein Computer, kein Smartphone im Rucksack. Keine Selbstverständlichkeit in einer Branche, die ihr Geld mit dem mobilen Always-on-Lebensstil verdient.

Bauer kann abschalten. Drei Wochen am Stück gibt sie sich jedes Jahr frei von ihren Verpflichtungen als Vertriebsvorstand von Mobilfunker Orange. Sie sucht das Abenteuer, gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Manfred Rachbauer, und das von langer Hand geplant. Ein dreiviertel Jahr haben die beiden recherchiert, wenn es in wenigen Wochen auf nach Namibia geht. Ein Referat zur Kolonialgeschichte ist locker aus dem Ärmel geschüttelt, und mit den Namen dort lebender Stämme wären in der „Millionenshow“ hohe Summe zu erspielen. Die Routen sind im Geiste bereits befahren, die Felsmalereien ziemlich plastisch. Bauer verwechselt Abenteuer nicht mit Risiko. Einen Gutteil der Reise-Lust ziehen die beiden aus der Planung im Vorfeld. „Das Diskutieren über die Routen und Reiseführer entspannt mich“, sagt sie. Das Adrenalin wird schon noch kommen, wenn sie mit dem Flugdrachen über den Viktoriafällen schwebt.

Bauer kennt das Ziel – und plant den Weg dorthin. Das macht sie als Vertriebsvorstand nicht anders. Sie steht dem Kundenservice vor, führt die Orange-Shops und verhandelt mit den Handelspartnern. Ihr unterstellt ist auch der Großkundenvertrieb mit rund 50 Mitarbeitern. Geht es um Hunderte Firmenhandys oder schwierige Fälle, führt sie die finalen Verhandlungen oft selbst. Das sind die Momente, in denen die Schärdingerin zu ihren beruflichen Wurzeln zurückkehrt. 1996 hatte sie im Kundenservice von max.mobil begonnen, ab 1999 leitete sie die Firmenkundenbetreuung.

Am Anfang war die Kündigung

Bei der ersten Begegnung zwischen Bauer und Michael Krammer deutete wenig auf eine langjährige Zusammenarbeit hin. Als erste Aktion beim neuen Vorgesetzten, Krammer, legte sie ihm die Kündigung auf den Tisch. „Sie wollte gehen, weil sie das Potenzial, das in einer guten Kundenbetreuung steckt, nicht ausschöpfen konnte“, sagt er. Bauer hatte ein fertiges Konzept im Kopf, und Krammer überzeugte sie, es für ihn umzusetzen. „Sie denkt den nächsten Schritt mit. Sie gestaltet und verwaltet nicht nur.“

Zwölf Jahre danach ist er noch immer beeindruckt, „dass sie keinen Funken Energie und Engagement verloren hat“. Bauer wechselte 2002 mit ihm zu tele.ring. 2006 war ein besonderes Jahr. tele.ring war von T-Mobile gekauft worden, und Bauer übernahm die Aufgabe, die Zusammenführung zu leiten. „Das war ein wichtiges Lehrstück für mich“, sagt sie heute. „Technische Prozesse lassen sich gut planen, Emotionen nicht.“ Danach folgte sie erneut Krammers Ruf, ins Orange-Topmanagement.

Die tele.ring-Integration war ein Großprojekt wie das Rebranding von One zu Orange. In solchen Jahren hat Bauer keinen Nerv für monatelange Urlaubsvorbereitungen. Ist eine Auszeit dann überhaupt möglich, dürfen es auch einmal zehn Tage in einem spartanischen Hüttchen auf den Seychellen sein.

Bauer vereint Empathie und Schlagfertigkeit. Sie kann mit dem hemdsärmeligen Charme eines Händlers genauso gut umgehen, wie dem abgebrühten Einkäufer eines Konzerns beim Rabattfeilschen die Schneid abkaufen.

Respektvoll reisen

Routiniert in verschiedenen Welten bewegt sich Bauer auch on tour. In Namibia sind spartanische Behausungen reserviert und die feine Desert Lodge. Bauer will nicht nur den wilden Tieren so nah wie möglich kommen. Lassen es die Sprachkenntnisse zu, sucht sie so intensiven Austausch mit den Einheimischen wie möglich. „Die lokalen Sitten zu kennen ist eine Sache des Respekts“, sagt sie.

Neben einer Portion Glück wohl mit ein Grund, wieso sie ihre spektakulären Trips ohne Schaden überstand. Als Frau allein durch das Karakorum zu wandern war vor 20 Jahren schon nicht selbstverständlich. Spannungsreich auf die eine oder andere Art sind alle Destinationen, die sich Bauer ausgesucht hat. Die Tempel von Palmyra und die Suks von Aleppo bei 50 Grad Hitze sind kein Spaziergang. Als in Indien die Pest aufkam, war sie doch froh, nachhause zu kommen. Beim Malaysia-Aufenthalt tauchte sie voll in die asiatische Lebensart ein. „Wenige Touristen, dafür umso mehr zu entdecken gab es im Norden von Thailand“, sagt sie. Wer um 5 Uhr früh, allein und nur begleitet von Affengebrüll, den Jaguar-1-Tempel in Tikal besteigt, fühlt sich „den Mayas ganz nah“.

Das starke Gefühl nackter Angst spürte Bauer erst einmal. Knacken im Unterholz war ein Geräusch, das den Sonnenuntergang im Norden Thailands stimmig untermalte. Es wurde nachdrücklicher. Eine irritierte Kobra suchte den Augenkontakt, und dann wohl mehr. Bauer: „Wir wussten nicht, dass Schlangen bei Sonnenuntergang besonders aggressiv sind.“ Ein kleiner Lapsus in der Reisevorbereitung.

Glücklich und gesund heimgekehrt, weiß Bauer die Segnungen der Informationstechnologie wieder zu schätzen. Ein paar Gigabyte Fotos werden gesichtet. In der Nachbearbeitung des Abenteuers geht es nicht mehr so streng zur Sache. „Die gedrehten Filme bleiben oft ein paar Jahre liegen“, sagt sie.

Mit reiselustigen Freunden folgt das Paar bei einem Glas Wein noch einmal den eigenen Spuren. Ihre Untergebenen würde sie nie mit den Urlaubsbildern „foltern“. Das ist ihr zu privat. Die merken auch so, dass sie wieder da ist. So konsequent sie in ihrer Abwesenheit ist, so konsequent ist Frau Power-Bauer wieder da.

– Barbara Mayerl

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