Hans Jörg Schelling: "Haben in unseren ersten Wein viel Leidenschaft gesteckt."

Hans Jörg Schelling, Vorstand des Hauptverbandes der Sozialversicherungen, erntet die Früchte seiner Arbeit als Weinbauer. Seinen ersten Jungwein taufte er „Novize“.

„Du bist verdammt gut beieinander“, attestierte ihm sein Haus- und Leibarzt kürzlich. Und das trotz eines Arbeits­pensums weit jenseits der 40-Stunden-Woche; Abendtermine gar nicht berücksichtigt. „Man muss sich disziplinieren und alle Möglichkeiten in den gegebenen Rahmenbedingungen nutzen“, erklärt Hans Jörg Schelling, 56, Vorstandsvorsitzender im Hauptverband der Sozialversicherungen. Dort hat der Manager tatsächlich alle Hände voll zu tun. Im nächsten Jahr soll die seit Jahren angedachte Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) umgesetzt werden. Durch die Vernetzung der Patientendaten sollen die ­Kassen große Einsparungen realisieren können. Ärzte und Apotheker können dann alle relevanten Gesundheitsdaten über die Zugangsberechtigung der E-Card abrufen, und gleichzeitig würden Doppel- und Fehlmedikationen vermieden werden.

Bittere Pillen
Vor allem für Ärzte, die den Spargedanken nicht verinnerlichen und weiter nach Gutdünken Rezepte verschreiben, wird es „erstmals Sanktionsmöglichkeiten bis hin zu Vertragskündigung geben“, so Schelling. „In einem weiteren Schritt sollen dann auch die Spitäler an das elektronisch System der Medikamentenprüfung angeschlossen werden.“ Immerhin ist bis 2013 ein Einsparungspotenzial bei den Krankenkassen – Schelling spricht lieber von „Kostendämpfung“ – von 1,7 Milliarden Euro vorgesehen. Der Manager, erst seit Jänner im Amt, verweist stolz auf erste Erfolge: „Wir werden heuer im Verband erstmals mit einem Gewinn, nach einem Verlust von 80 Millionen im Vorjahr, bilanzieren.“ Widerstand fürchtet Schelling ob seines „Kostendämpfungs-Programms“ nicht. „Im Gegenteil, der letzte Ärztestreik brachte nur Einsparungen, da blieben viele Ordinatio­nen geschlossen, es wurden weniger Medikamente verschrieben“, bietet Schelling möglichen Gegnern die Stirn.

Einer muss es ja schaffen
Woher nimmt der gebürtige Vorarlberger seine Motiva­tion? Geld kann es nicht sein. Für sein ­En­gagement im Verband erhält er zwölfmal jährlich eine Aufwandsentschädigung von 3.808 Euro, und er hat weder Pensions- noch Abfertigungsansprüche. „In den letzten Jahren sind alle gescheitert, einer muss es ja schaffen. Wenn ich mich hineinbeiße, muss ja was G’scheites rauskommen“, so Schelling, der sich in erster Linie als „Anwalt der Versicherten sieht, damit sie das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bekommen“. Ein Mann, der weiß, was er will. Und das setzt er auch durch oder um. Ein ­gesundes Zeitmanagement ist allerdings Vor­aussetzung. Neben der Tätigkeit als Verbands-Chef ist Schelling noch als Vize­präsident der Wirtschaftskammer Öster­reich tätig. In seinen beiden Firmen, der Schelling GmbH und der Beag Deal, ruhen seine Tätigkeiten allerdings bis auf Weiteres. Dafür hat der umtriebige Unternehmer und Manager im Jänner das Stiftsweingut Herzogenburg für 25 Jahre gepachtet.

Sechs Hektar im Traisental
Am ältesten Weingut des Traisentales bewirtschaftet Schelling derzeit sechs Hektar Weingärten. Im Endausbau sind elf Hektar (rund 40.000 Flaschen Wein) ge­plant. „Heuer war das Jahr der Investi­tionen: Ein komplett sanierter Keller, modernste Kellereitechnik, drei Hektar Neuauspflanzung und eine Generalüberholung der bestehenden Weingärten standen auf dem Programm“, erzählt Schelling. Die Investitionen tätigte er allesamt aus dem Eigenkapital, darauf legt Schelling großen Wert. Ebenso darauf, dass er keinerlei Bankverbindlichkeiten hat. Schön, wenn man so unabhängig ist. Zum Wein hatte der Manager der kranken Kassen immer schon eine Affinität, doch dieses Weingut ist ein wenig größer ausgefallen, als er es geplant hatte.

Schelling legt selbst Hand an
„Durch eine zufällige Plauderei mit Prälat Maximilian Fürnsinn, dem Propst des niederös­terreichischen Augustiner-Chorherren-Stifts Herzogenburg, erfuhr ich, dass der einen Pächter für das Weingut sucht.“ Freilich legt Schelling gern selbst Hand an, ob beim Weinanbau, beim Ernten oder beim Vergären. Trotzdem: „Die große Stütze des Weinguts ist Kellermeister Thomas Steiner“, gesteht der Hobby-Weinbauer. Schelling selbst arbeitet an der Perfek­tionierung seines Wissens. „Ich lese jedes Wochenende ein Buch über Wein und Kellereitechnik“, so Schelling. Er baut hauptsächlich Grünen Veltliner, Sauvignon blanc, Muskateller und Riesling an. Verkauft wird der Rebensaft künftig ab Hof sowie in der gehobenen Gastronomie.

Novize zum Genießen
Neu dazukommen wird im Laufe der nächsten Jahre eine Riede mit Neuburger, die das Motto von Schelling, „Tradition neu erlebt“, verstärkt. Heuer wurden auch noch einige Flächen Rotwein geerntet, die zu hochwertigem Rosé verarbeitet wurden. Stolz ist Schelling vor allem auf seinen Veltliner, der mit 21 Grad Klosterneuburger auf der 170 Jahre alten Baumpresse gepresst wurde. „Er ist auf Hefe vergoren und als einziger Wein im Holzfass abgefüllt.“ Im Endausbau wird der Rebensaft 13 bis 14 Prozent haben. Und dieser Tage wird der erste Jungwein mit dem Namen „Novize“ abgefüllt werden. „In diesen Wein haben wir viel Leidenschaft gesteckt, eben weil es der ­erste ist“, freut sich Schelling. Die Kellersegnung findet am Dienstag im Weinschlössl Wielandsthal statt. Na dann, wohl bekomm’s!

Von Gabriela Schnabel

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