Gewürzunternehmer Erwin Kotányi: Oberschenkeltraining für die Heli-Skitour

Der Gewürzunternehmer Erwin Kotányi baut Stress am besten beim Sport ab. Seine Oberschenkel trainiert er im eigenen Fitnesscenter, um im Winter im tiefen Pulverschnee Kanadas seine Ausdauer unter Beweis stellen zu können.

Erwin Kotányi, 51, kann seine magyarischen Wurzeln nicht verleugnen. Der Chef des gleichnamigen Gewürzherstellers meint, er sei von Natur aus eher ein ruhiger Zeitgenosse, doch wenn er Sport betreibt, lässt er all seiner Energie freien Lauf, ob beim Skifahren, beim Tennis oder auf diversen Fitnessgeräten im eigenen Haus. „Sport ist für mich eine absolute Notwendigkeit, um den beruflichen Stress zu kompensieren“, erklärt Kotányi, der in vierter Generation das Familienunternehmen leitet.

Mit Paprika Wien erobert
Gegründet hat das heute in Wolkersdorf bei Wien angesiedelte Unternehmen der aus Szeged in Ungarn zugewanderte Janos Kotányi. „Mein Urgroßvater bereiste schon als Kind im Kopf die entferntesten Winkel der Welt und malte sich lebhaft die Düfte und Gerichte der fernen Länder aus“, erzählt Erwin Kotányi. Sein Vorfahre gründete 1881 in Döbling ein Handelshaus und eine Spedition und handelte auch mit Weinessig, Cognac und Slibowitz. Mit seiner Paprikamischung und anderen Kreationen er­oberte Janos Kotányi Wien im Eiltempo.

Mit 24 Herr über die Gewürze
Heute ist der Gewürzerzeuger in 20 Ländern vertreten und setzte im Vorjahr 120 Millionen Euro um. Mehr als die Hälfte davon wird bereits in den CEE-Ländern erzielt. Firmenchef Erwin Kotányi musste aus familiären Gründen schon mit 24 Jahren, frisch von der Wirtschaftsuniversität kommend, seinen Onkel ablösen und die Leitung des Betriebs übernehmen. „Ich würde mich nicht unbedingt als Workaholic bezeichnen, trotzdem bin ich im Job voll eingesetzt und auch viel unterwegs.“ Die Einzige, die seine Reisetätigkeit in den vergangenen Monaten einschränken durfte, ist Kotányis eineinhalb Jahre alte Tochter Laura. „Sie bringt mich dazu, auch mal früher nachhause zu kommen“, schmunzelt der junge Papa. „Dank Laura bin ich auch täglich ab halb sechs Uhr wach. Der Arbeitstag beginnt später im Auto.“

Feuriges Temperament
Zweimal die Woche hat der Gewürz-Multi fixe Termine in einem Sportcenter in der Wiener Baumgasse. Dort spielt er seit Jahren mit Freunden Tennis. „Das ist mein Ventil, da explodiere ich regelmäßig“, gesteht Kotányi. Er warnt seine Gegner immer, bevor er den Schläger schmeißt. „Im Jahr gehen da schon fünf, sechs Schläger drauf. Das ist der Grund, weshalb ich immer mit mehreren ausgestattet bin, sonst müsste ich oft das Spiel abbrechen.“ Muskelkraft und Ausdauer trainiert der Unternehmer in den eigenen vier Wänden am Laufband, am Stepper und auf ein paar weiteren Geräten. „Ich muss besonders vor der Wintersaison schauen, dass ich meine Oberschenkel auftrainiere“, erklärt Kotányi. Wofür? „Damit ich genügend Kraft habe zum Heliskiing. Wenn man so achtzig bis hundert Schwünge in einem Stück abfährt, geht das ganz schön rein.“

Initiation in Britisch-Kolumbien
Das erste Mal war K­otányi vor 15 Jahren mit Freunden in dem kleinen Ort Blue River in Britisch-Kolumbien (Kanada) zum Heliskiing. „Das ist echt eine Herausforderung, allein die Anreise. Erst ist man mit dem Flieger ewig lang unterwegs, und dann fährt man noch Stunden mit dem Bus. Das Skigebiet liegt nämlich in the middle of nowhere.“ Der Rest ist Hoffen auf gutes Wetter, denn bei schlechter Sicht bleibt der Helikopter stehen. „Meist fliegen wir sieben-, achtmal pro Tag den Berg hoch und schwingen uns dann in Achterschleifen durch den Powder-Snow runter“, erzählt Kotányi. So richtig schön ist das Erlebnis aber nur für Tiefschneefreaks, die auch entsprechende Ausdauer und Kraft mitbringen. Rund 7.000 Euro für fünf Tage kostet der Spaß.

UKS-Schirennen in der Schulzeit
Wenn Kotányi wettermäßig auf Nummer sicher gehen möchte, dann fährt er ins Aostatal im Mont-Blanc-Gebiet. Dort kann er, wenn die Sicht nicht so gut ist, auch auf die präparierten Pisten ausweichen. Schon während der Schulzeit war der Spross der bekannten Gewürz-Dynastie ein begeisterter Skifahrer. Sein Turnprofessor leitete damals in Windischgarsten eine Skischule, die er gerne besuchte. „In Wien nahm ich an allen möglichen Rennen der UKS (Union Katholische Schulen, Anm.) teil. Ich habe zwar keine gro­ßen Medaillen gewonnen, lag jedoch immer im guten Mittelfeld“, erinnert sich Erwin Kotányi. Heute fährt er im Winter gerne nach Kitzbühel, wo er von einem Bauern eine Wohnung gemietet hat. „Ich geh bei der Tür raus und stehe mitten in der Bergwelt mit einem herrlichen Blick.“

Gefährliche Baumlöcher
In Kitzbühel kann Kotányi zwar kein Heliskiing betreiben, dafür läuft er auch nicht Gefahr, wie in Kanada auf einen Elch zu treffen. Ein solches Erlebnis brachte ihn einmal beinahe zu Sturz. Ganz ungefährlich ist Heliskiing generell nicht. Ohne Lawinenpiepserl darf sowieso niemand auf die Bretter. Und wer unachtsam ist, kann leicht in sogenannte Baumlöcher fallen. Das sind schneefreie Zonen rund um die Bäume, die bis zu acht Meter tief sein können.
In diesem Jahr genießt Kotányi noch die Babypause, doch für die kommende Wintersaison plant er schon jetzt mit Freunden eine neue Heliskiing-Tour: „Dar­auf freue ich mich wahnsinnig.“

Von Gabriela Schnabel

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