Georg Wolf-Schönach, Krentschker-Vorstandschef hat eine Affinität zu Porzellan

Georg Wolf-Schönach, Vorstandschef des Bankhauses Krentschker, hat eine Affinität zu Porzellan und pflegt diese Leidenschaft mit großer Hingabe. Jüngst versuchte er sich auch als Geschichtsschreiber und verfasste ein Werk über Dogengräber.

Die Leute würden nie draufkommen, dass ich ein Banker bin“, beschreibt Georg Wolf-Schönach, 55, Vorstandsvorsitzender des Bankhauses Krentschker, die Eindrücke anderer. Vielleicht gar nicht so falsch. Weder kann der Mann wie manche Branchenkollegen auf eine Bankerdynastie verweisen (Eigenaussage), noch war dieser Beruf seine erste Wahl.

Ganz im Gegenteil: Wolf-Schönach, dessen Familie sich komplett der Kunst verschrieben hat – die Eltern sind bildende Künstler, Ehefrau Brigitte ist Pianistin, die Schwester Bildhauerin –, wollte eigentlich Goldschmied werden. Doch da war der Vater strikt dagegen. „Einer muss ja einen Brotberuf erlernen, um notfalls die anderen zu erhalten“, klingt es noch heute in Wolf-Schönachs Ohren. „Ich bin bis heute diesbezüglich ein Außenseiter in der Familie“, setzt er nach. Seine Tochter Katharina studierte Kunstgeschichte, der Sohn Saxofon.

„Brav und folgsam“, wie Wolf-Schönach war, studierte er schlussendlich Jus. Bei der rechtshistorischen Prüfung beeindruckte er offenbar so durch sein Wissen, dass er als Studienassistent bei seinem Professor eingestellt wurde. 1.600 Schilling war sein erstes Gehalt, daran kann sich der in Wien Geborene und in Hartberg Aufgewachsene noch gut erinnern. Den Großteil davon, nämlich 1.200 Schilling, investierte der Student dann in eine Porzellantasse.

Das edle Stück stammt aus der weltberühmten französischen Porzellanmanufaktur Sèvres und ist noch heute in seinem Besitz (Bild rechts). Die Eltern erklärten ihn ob dieser Investition für verrückt. Die Schwester meinte: „Der spinnt.“ Das war jedenfalls der Einstieg in die Leidenschaft des Sammelns von weißem Gold. Und wenn Wolf-Schönach etwas tut, dann mit relativ großer Hingabe: „Ich beschaffte mir erst eine ordentliche Bibliothek, um mich einzulesen, besuchte Museen, um mein Auge zu schulen, und erst dann begann ich Porzellan zu kaufen.“

Ein großer Vorteil für den Banker war dabei auch, dass sein Schwiegervater in Belgien ein großer Kunstsammler und -mäzen war. Wolf-Schönachs Ehefrau Brigitte kann hingegen mit dem zerbrechlichen Gut wenig anfangen. Im Gegenteil, sie warnte ihn noch, ja nicht von seinem schrägen Hobby zu erzählen. Zur Hochzeit schenkte sie ihm allerdings das prächtige Sèvres-Service „Rosé Pompadour“, benannt nach der gleichnamigen Marquise. „Mich hat immer die hohe Kunstfertigkeit fasziniert, die mit Porzellan verbunden ist“, erzählt der Sammler. „Da sind viele Arbeitsvorgänge notwendig, das hat viel mit Präzision zu tun, und das Material ist wahnsinnig fragil.“

Später verlegte sich der Sammler mehr auf asiatisches, insbesondere chinesisches Porzellan aus dem 17. und 18. Jahrhundert, als dieses noch sehr unterbewertet war. Wolf-Schönachs Porzellansammlung hat heute einen Wert von gut einer Million Euro. „Ich habe eben geschickt eingekauft, billig ersteigert, teuer verkauft“, versucht er den Wert kleinzureden.

Das Jusstudium war beendet. Die Sammelleidenschaft blieb. Wolf-Schönach wurde Banker beim Bankhaus Krentschker. Die Eltern waren wieder einmal entsetzt: „Du hast Jus studiert, dir steht die Welt offen. Was machst du in einer Bank?“ Die Entscheidung war richtig. Heute ist der Manager bereits ein „Fossil“ bei Krentschker. Seit 30 Jahren dabei, seit 16 Jahren Vorstandschef, 12.000 feine Kunden und gute Bilanzzahlen. Dabei ist Wolf-Schönach keiner, der dicke Aktenordner mit nachhause schleppt.

„Wenn ich heimkomme, beschäftige ich mich mit anderen Dingen, ansonsten würde mir übel werden“, gibt er unverblümt zu. Auch klebt der Mann nicht ständig am Bürostuhl. „Die Frage ist nicht meine Anwesenheit unter meinen Mitarbeitern, sondern wie wirke ich mental auf diese. Da kann ich 10.000 Kilometer entfernt sein oder im Weltall“, erzählt er lachend. Die Mitarbeiter sind auf ihn wie auf einen Kompass gepeilt, und das bringt er nur zuwege durch Zuneigung, Emotion und Vertrauen in die Kollegen. Der Banker gesteht allerdings auch, dass er „gnadenlos“ sein kann, wenn er enttäuscht wird.

Noch ein spinnertes Hobby

Porzellan sammeln ist nicht das einzige „spinnerte“ Hobby des Bankers. Kürzlich schrieb Wolf-Schönach ein Büchlein über die Dogengräber in der venezianischen Kirche Santi Giovanni e Paolo. „Es hat mich immer geärgert, dass es keinen ordentlichen Führer zu diesen Gräbern gibt“, erzählt er. So begann er vor drei Jahren, hobbymäßig zu recherchieren, schrieb das Werk nieder, ließ es ins Italienische übersetzen und offerierte das „Büchlein“ der Kirche. Der Aufwand lohnte. Die Kirche möchte das Werk gern ankaufen und den geneigten Interessenten anbieten. Bravo, Direttore!

– Gabriela Schnabel

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