Georg Schmiedl, Jollydays: 'Das Abenteuer im Blut'

Georg Schmiedl, Erfinder von Österreichs Erlebnisportal Jollydays, hat Quecksilber im Blut. Spannung und Abenteuer ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Leben, auch durch sein privates.

Georg Schmiedl, 43, fährt mit seinem ­Rallyewagen eine langgezogene Rechtskurve. Genau am Scheitelpunkt wechselt der Belag von Asphalt auf Schotter. „Du bist eh schon am letzten Zinken unterwegs, und genau da reißt mir der gesamte Grip ab“, schildert Schmiedl. „Ich dachte noch, ich habe den ­Wagen im Griff. Doch dann bekomme ich einen Schlag auf die Hinterachse, merke, dass der Wagen nach links dreht, versuche noch zu korrigieren und lasse den ­Wagen auf die Wiese rausdriften.“ Schmiedls Pech:

Er schlitterte geradewegs auf einen Erdhaufen zu. „Der Wagen hob ab, und schon lag ich auf dem Dach“, ­erzählt der Berufs-Abenteurer.

Pferdestärken oder Schlittenhunde

Der umtriebige Mann gründete gemeinsam mit Erwin Bräuer und ­Stefan Harder vor sieben Jahren Österreichs größtes ­Erlebnisportal Jollydays.at, eine Website, auf der 900 Abenteuer an 2.700 Orten in Österreich, Deutschland und der Schweiz angeboten werden. Je nach Geschmack und Laune kann man etwa mit einem Offroad-Mobil der Marke Hummer durch den Schlamm fetzen, mit dem KTM X-Bow über die Straßen cruisen, Ferrari und Lamborghini selber pilotieren oder einfach mit einem Quad auf große Tour gehen. Wer bessere Nerven hat, kann bei einem Fallschirm-Tandemsprung mit 200 km/h der Erde entgegenrasen. Und wer es eher gemütlich mag, der bucht einfach ein Golfwochenende mit Platzreifeprüfung, besucht einen Schlittenhunde-Workshop, fährt mit einem Ballon oder nimmt an einer Zeppelin-Rundfahrt teil.
„Die Vielfältigkeit der Hobbys war immer schon mein Ding“, erzählt Schmiedl. Es gibt kaum eine Sportart oder ein Hobby, das der Tausendsassa noch nicht ausprobiert hat. „Ich beherrsche nichts spitzenmäßig, probiere aber gerne Neues aus“, so der Unternehmer.

Fotograf, Surf- und Skilehrer, Marktforscher

Schon in jungen Jahren versuchte sich der Absolvent der Wirtschaftsuniversität in allen möglichen Berufen: Er war Fotograf, Surf- und Skilehrer und jobbte sechs Jahre lang bei AC Nielsen in der Marktforschung. ­Danach wechselte er als Marketing- und Vertriebsleiter zur Möbelwerkstätte Wittmann, bis er schlussendlich bei Alcatel Handyapplikationen verkaufte. Mit Mitte Dreißig hatte er noch immer nicht seinen Traumjob gefunden. Also traf er sich mit einem Freund, um darüber nachzudenken, mit welcher Idee man sich selbständig machen könne. „Wir kaperten ein leeres Büro bei ­Alcatel, hielten konspirative Meetings ab und wälzten dabei unsere Ideen. Offiziell waren wir natürlich in Meetings“, verrät Schmiedl.
Der erste Einfall der beiden Männer war, Häuser in Norditalien zu erwerben, diese zu renovieren und später gewinnbringend zu verkaufen. Die Sache hatte allerdings einen Haken. „Wir waren keine Architekten, konnten keine Häuser bauen und sprachen auch kein Italienisch“, lacht Schmiedl heute über die ersten selbständigen Gehversuche.

Der Geistesblitz von Heathrow

Die zündende Idee kam ihm dann in einer Buchhandlung am Flughafen Heathrow in England. Dort stach Schmiedl ein Regal in die Augen, in dem ­Erlebnisse unter dem Label „Red Letter Days“ offeriert wurden. Schmiedl erging es wie dem kleinen Wicki bei den starken Männern. „Ich hab’s!“, dachte er laut und brachte den Geistesblitz mit nach ­Österreich zu seinem Freund und Partner Erwin ­Bräuer. Gemeinsam beschlossen die beiden, zwölf ­ihnen unbekannte ­Menschen aus verschiedenen Branchen einzuladen, die über das neue Geschäftsmodell urteilen sollten. „Wir forderten die Leute allerdings auf, uns mit ihrem spezifischen Wissen zu sagen, ­warum die Idee nicht funktionieren kann“, erzählt Schmiedl. „Die Köpfe des Teams rauchten bis drei Uhr morgens, doch dann haben elf von zwölf gesagt, dass die Idee funktionieren wird“, erinnert sich der Berufs-Abenteurer. Das war der Startschuss für ­Jollydays.

Am Anfang tourten die Jungunternehmer durch ­Österreich, um entsprechende Partner für ihre Abenteuer zu finden. Eine Hundert-Stunden-Woche war keine Seltenheit. Heute melden sich täglich 25 Firmen mit neuen Ideen für Jollydays. Im Portfolio hat Schmiedl Action, Sport, Kulinarik und Wellness – zum Verschenken, Selbsterleben und als Incentive für Firmen. Große Teile des Umsatzes werden online erzielt, doch auch große Ketten wie Hofer, Libro oder Bipa bieten die Jollydays-Abenteuer an.

Nacktes Vertrauen

Spannung und Abenteuer ziehen sich wie ein roter Faden durch das Leben von Schmiedl, auch durch sein privates. Seine Frau Ilka lernte er „ganz unromantisch“ über die BtoB-Plattform Xing kennen. Nach einem Bürofest fuhr Schmiedl mit seiner späteren Frau an den Mondsee, wo beide dann „pudelnackert“ ins Wasser sprangen. „Das war unser Sprung ins gemeinsame Leben“, erzählt er. Den ­Heiratsantrag hat er Ilka in einem gemieteten Waggon am Riesenrad gemacht. Und nicht minder spektakulär war die Hochzeitsfeier im Genusshotel Bliem’s im ­burgenländischen Seewinkel: Anstatt eines feudalen Menüs musste die kleine Schar von zwölf Familienmitgliedern ihr Essen selbst zubereiten. „Unsere Familien kannten sich ja noch nicht, und so haben wir unser Hochzeitsessen in Form eines Kochkurses gestaltet. Das ist nicht so eine steife Geschichte“, lacht Schmiedl noch heute.

Seit zwei Jahren gibt es im Leben des Paares Tochter Felina. Und die hat es endlich geschafft, dass der Papa seine waghalsigen Abenteuer ein wenig zurückschraubt. „Wenn Felina in der Früh kräht, wird geschmust und geplaudert. Ich komme jetzt auch zu normalen Zeiten ins Büro und auch früh genug wieder raus. Und ich habe auch gelernt, am Wochenende mein Mobiltelefon auszuschalten. Da bin ich nur für meine Familie da“, freut sich der junge Papa.

–Gabriela Schnabel

Im Bild: Schmiedl hochkonzentriert im KTM-Rallye Boliden

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