Geordnete Wildnis: In ihrem Bauerngarten entkommt Elisabeth Muth dem Agenturstress

Elisabeth Muth, Agenturchefin von courage pr, hat sich einen Kindheitstraum erfüllt. Sie erwarb ein altes Bauernhaus und legte einen Märchengarten mit alten englischen Rosen an. Sie nutzt diese Idylle mit ihrer Patchwork-Familie.

Es ist 6.30 Uhr. Der Wecker läutet. Elisabeth Muth, 43, wacht auf, geht in Gedanken den Tag durch. Dann macht sie sich rasch fertig, packt ein zweites Outfit für den Abend ein und fährt Richtung Büro in die Wiener Argentinierstraße. Hier beginnt um 8 Uhr für die Agenturchefin der courage pr der tägliche „Wahnsinn“, ein ganz normaler Arbeitstag. Muth checkt gerade ihre E-Mails, als sich am Festnetz die Opernball-Lady Desi Treichl-Stürgkh meldet. Die Mitarbeiter erinnern an das stra­tegische Meeting, das gleich ansteht. Dann eine permanente Abfolge von weiteren Gesprächen und Verhandlungen. Zu guter Letzt meldet sich noch Muths Freundin Christina, die in aller Ruhe anfallende Arbeiten im Garten besprechen möchte. Mehr als nur ein Nebenthema.

Traumhaus gesucht und gefunden
„Ich war zeitweise schon nahe am gefährlichen Burn-out“, erzählt Muth. Bis sie vor zwei Jahren ihre ganz persönliche Ruheoase in Form eines alten Bauernhauses aus dem 17. Jahrhundert in Sittendorf bei Grafenegg im Kamptal samt 1.800 Quadratmeter Garten gefunden hat. „Gesucht haben mein Mann Gerd und ich schon lange vorher, doch das, was ich mir vorstellte, gab es einfach nicht.“ Warum gerade in der Gegend von Grafenegg gezielt ein Haus gesucht wurde? Exmann Ali ist mit seiner neuen Frau Chris­tina auch in dieser Gegend ansässig geworden. „Christina ist auf die Rückführung alter Häuser und Gartengestaltung spezialisiert und half auch bei der Auswahl dieses Hauses“, freut sich Muth.

Eine richtig nette Familie
Für viele wäre es wohl ungewöhnlich, sich mit der Nachfolgerin des Ehemannes anzufreunden, für Muth ist es ebenso normal, wie sie auch für die Kinder der beiden, Kai, 4, und Lucca, 6, da ist. „Zu unserer Patchwork-Familie gehören noch Olivia, 12, ein afrikanisches Mädchen, das Christina adoptiert hat, ihr Sohn Dominik aus erster Ehe und mein Sohn David aus der Beziehung mit Ali. Und natürlich drei Hunde. Die ganze Mischpoche lebt im benachbarten Straß, und so sind wir uns immer sehr nahe“, erzählt Muth, wie wenn eine solche Familienkonstellation Marke Patchwork die normalste der Welt wäre. Der Ex- und der aktuelle Ehemann sind noch dazu beide am 8. Februar geboren, beide verstünden sich bestens.

Bauernhaus originalgetreu renoviert
Besonders mit Christina ist Muth mehr als nur befreundet: „Christina ist meine gute Fee, meine Zweitbeziehung und Alter Ego im Garten.“ Die PR-Beraterin hat das Bauernhaus vom Vorbesitzer, einem Weinbauern, nur unter der Bedingung bekommen, es getreu nach alten Vorlagen zu revitalisieren. Die Hälfte des 270 Quadratmeter großen Anwesens wurde bereits umgebaut. Die Gestaltung der grünen Oase ist für Muth nicht nur Hobby, sondern auch eine große Herausforderung. „Der Garten ist üppig angelegt, bedarf aber großer Pflege.“ Als Stadtkind hatte Muth immer den Wunsch, ins Grüne zu ziehen. „Garten bedeutet für mich, barfuß laufen, mit der Erde im wahrsten Sinne des Wortes verbunden sein“, schwärmt sie.

„Grüner Daumen“ seit der Kindheit
Den sogenannten „grünen Daumen“ ­besitzt Muth schon seit ihrer Kindheit. Ihr Großvater hatte stets einige Gärten von Nachbarn gepflegt, von ihm hat sie das Anpflanzen, Jäten und Pflegen gelernt. Ihr ganzer Stolz sind 40 alte englische Rosensorten, die den Garten zieren. Da gibt es etwa die „Cecile Brunner“: ein Climber, der bis in den Spätherbst blüht. „Wenn sich
die Blüten öffnen, sieht die Blume aus wie eine Puschelblüte“, beschreibt Muth die fast stachellose Rose. Die „Westerland“ ist eine unverwüstbare Sorte, rot-orange, eine der robustesten Rosen überhaupt. „Sie blüht und duftet wie verrückt.“ Und „die ‚Lykkefund‘ blüht nur einmal vier Wochen lang und zieht durch den starken Geruch viele Bienen an“, so die Hobbygärt­nerin. Außerdem haben alle Rosen Be­gleitpflanzen wie Küchen- oder Heilkräuter, „damit die Rose nicht so alleine ­dasteht“.

Clematis-Dusche statt Pool
Viel Arbeit also auch im Garten. Aber sie macht Spaß. Muth muss auch die alten Weinstöcke binden und wickeln, und am Wochenende übernimmt sie den Gießdienst. Sohn David mäht dafür den Rasen. Nach getaner Arbeit setzt sich die Mischpoche zusammen und genießt die wunderbare Natur. Ein Schwimmbad gibt es keines, dafür eine originelle Dusche, die aus Rundhölzern gebaut ist, um die sich duftende Clematis ranken. Der Duschkopf einer alten Zink­gießkanne dient als Brause. „Ein Geschenk meines Exmannes und Christinas.“

Künftige Firma heißt Freudenhaus
Anstatt den Computer oder den Ferseher einzuschalten, lauschen und bestaunen alle das endlose Naturschauspiel. Im Lavendelfeld summen Tausende Hummeln, die im Winter dann im Dach überwintern. „Wir beobachten aber auch stundenlang die Amseln. Die Vogel­eltern setzen sich ins Gras und locken die Jungen mit Futter aus ihrem Nest. Da müssen wir oft aufpassen, wo wir hinsteigen“, schildert Muth. Und damit der Patchwork-Familie nicht langweilig wird, gründen Elisabeth, Chris­tina und Ali nun eine Firma, die sich mit Gartengestaltung beschäftigt. Die Familie hat auch schon einen ori­ginellen Firmen­namen gefunden: „Freudenhaus“.

Von Gabriela Schnabel

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