Fuß, Sitz, Platz: Steinway-Chef Christoph Koller richtet seinen Riesenschnauzer ab

Riesenschnauzer Bambina begleitet Steinway-Chef Christoph Koller auf Schritt und Tritt. Dreimal in der Woche wird der Gehorsam am Abrichteplatz trainiert.

Genug für heute. Sobald Christoph Koller, Chef des Klavierbauers Steinway Österreich, seinen Computer abdreht und zum Schlüssel greift, springt seine Hündin auf. „Bambina weiß, dass wir mit der Arbeit fertig sind. Besonders freut sie sich, wenn wir auf den Hundeabrichteplatz fahren. Das ist zwei- bis dreimal die Woche“, berichtet der 45-jährige Manager. Dort stellt der Riesenschnauzer seine Vielseitigkeit ­unter Beweis. Fuß, Sitz, Platz kann sie aus dem Effeff. Dazu kommt ein bisschen Geräte­turnen und Schutzarbeit. „Im Moment üben wir das Apportieren, also das Bringen eines Holzes“, erzählt der Steinway-Chef. Wichtig sind viele kleine Übungseinheiten. Des­wegen gibt es bei Koller im Büro statt der Rauchpause eine Trainingseinheit für Bambina. Dass sie täglich mit in die Arbeit kommt, ist für ihn selbstverständlich.

Im Vorjahr 250 Klaviere verkauft
Genauso begeistert, wie sich Bambina beim Abrichten zeigt, ist Koller, wenn er über seinen Beruf spricht. Vor 13 Jahren hat der Klavierstimmer die Vertretung des amerikanischen Unternehmens Steinway & Sons für Österreich übernommen. 250 Klaviere hat der gebürtige Oberösterreicher 2009 trotz Finanzkrise hierzulande verkauft. Koller: „Unsere Kunden kaufen jetzt zwar günstiger, dafür aber mehr.“ Der Umsatz liegt seit einigen Jahren konstant bei vier Millionen Euro. Mit dem Sprung in die Selbständigkeit musste der Manager lernen, dass sein Perfektionismus auch zu viel des Guten sein kann. „Pingelig zu sein kann ich mir nicht leisten. In meinem Job kommt es auf den Blick für das Ganze an“, so der Hundefreund.

Auf den Winkel kommt es an
Beim Abrichten lebt Koller dann seinen Perfektionismus in Reinkultur aus. „Egal wo ich stehe, wenn ich ‚Sitz‘ sage, muss Bambina sitzen, aber im richtigen Winkel.“ Macht sie das nicht, wird das Belohnungskeks gestrichen. „Sonst könnte sie ja nie zwischen falsch und richtig unterscheiden.“ Die Übung wird so lange wiederholt, bis die Hündin schnurgerade vor ihrem Herrchen sitzt – und das tut sie beim zweiten Mal dann auch tatsächlich.
Seit acht Jahren, als Koller auf den Hund kam, steht Grundgehorsam im Mittelpunkt des einschlägigen Trainings. Bevor er sich einen Hund kaufte, wollte er die richtigen Bedingungen schaffen. „Ein Hund braucht Platz zum Toben. In einer Wohnung könnte ich das nicht verantworten“, erklärt Koller.

"Das letzte Glied in der Familie"
Vor kurzem zog er samt seinen zwei Kindern aufs Land nach Maria Anzbach in Nieder­österreich. Ein Leben ohne Vierbeiner wäre für den Wahlniederösterreicher heute gar nicht mehr vorstellbar. „Mein erster Hund war ein Riesenschnauzer-Labrador-Mix“, erinnert sich der Familienvater. Wegen einer Hüftdysplasie war er jedoch bald nicht mehr voll einsatzfähig. „Deshalb habe ich vor drei Jahren dann entschieden, Bambina aus dem Waldviertel zu holen.“ Konsequent ging er an ihre Ausbildung. Lektion eins: „Bei aller Liebe, die ich dem Hund entgegenbringe, muss er trotzdem wissen, dass er in der ­Familie das letzte Glied ist. Wenn er etwa ein Kind anknurrt, muss er bestraft werden“, berichtet Koller von seiner Erfahrung als Hundeabrichter.

Fuß, Sitz und Platz kommt vor Marsch
Seit vier Jahren trainiert er nicht nur Bambina, sondern ist auch Kursleiter beim Österreichischen Gebrauchs­hundeverein Kirchstetten. Vom Welpenkurs bis zur Begleithundeprüfung unterrichtet Koller seine Schützlinge. „Das Wichtigste ist, dass ein Hund von Beginn an richtig sozialisiert wird, dann gibt es später auch keine Probleme.“ Bei der Welpenschulung werden die Tiere langsam an den Umgang mit Treppen, Joggern und anderen Hunden gewöhnt. Danach geht es mit der Anleitung zur Unterordnung weiter. Auf dem Programm stehen Sitz, Platz und Fuß sowie das Herankommen. Wenn sich die Tiere gut entwickeln, können sie im Anschluss bei einer Begleithundeprüfung teilnehmen. Die Kommandos während der Prüfung kommen von Prüfungsleiter Koller höchstpersönlich. „Marsch“, „50 Schritte geradeaus“ oder „Links kehrt“ schallt es dann über die Abrichtewiese.

Belohnung mit Beißwurst
So streng geht es freilich nur bei der Prüfung zu. „Bei der Hundeerziehung braucht es viel öfter die Bereitschaft, auch einmal den Kasperl zu spielen, um den Hund zu motivieren“, weiß Koller. Zur Belohnung gibt es entweder Futter oder eine Runde Spielen. Bestechung, die auch bei Bambina funktioniert. Hundekekse und die Beißwurst, „auf die sie ganz narrisch ist“, dürfen in Kollers Arbeitstasche nie fehlen.

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