"Fürs TV ist mir die Zeit zu schade": Dominic Heinzl vergräbt sich privat in Biografien

Dominic Heinzl, der Society-Jäger des Landes, hat doch ein Privatleben. Er entspannt sich nächtens als Leseratte. Tagsüber gibt er Vollgas am Bike.

Was tut ein Mann in seiner Freizeit, der sich tagaus, tagein mit dem Leben anderer Menschen beschäftigt? Er beschäftigt sich weiter damit. Aber anders: Dominic Heinzl, 45, alias Mr. Chili, liest täglich. Allerdings erst, nachdem die Klappe im Studio respektive nach dem letzten Event gefallen ist. Dann düst der Berufsjugendliche mit seinem schwarzen Porsche nachhause, wo auf ihn Hunderte Biografien warten. Man glaubt es kaum: Heinzl schwört Stein und Bein, dass er die Vitae all dieser Persönlichkeiten gelesen hat und es sich um keine Dummys handelt.

Minutiös geplanter Tagesablauf
Doch wo nimmt der Seitenblicker der Nation noch Zeit zum Lesen her? Heinzl teilt sich sein Leben minutiös ein, speziell zu Tagesbeginn. „Sieben Uhr Tagwache, zwei Stunden Fitnesscenter inklusive Anreise und Training“, erklärt der zum Retter des ORF Stilisierte. Um zehn Uhr ist er dann beim Sender. „Dann lächle ich durch bis achtzehn Uhr, eine Stunde später werde ich bei einem Event erwartet, dreiundzwanzig Uhr Heimreise, null Uhr Nachtruhe.“ Von Montag bis Freitag. Die Zeit vor Mitternacht nutzt Heinzl dann zum Lesen. „Fürs Fernsehen ist mir meine Zeit zu schade, außer wenn es gute Reportagen und Dokus gibt“, verrät der Promi-Reporter.

Lieblingspersönlichkeit: Kaiser Joseph II
Biografien „frisst“ er quasi. Das Leben von der Geburt bis zum Tod einer Persönlichkeit zu verfolgen ist für ihn interessanter als ein Roman. Sein Favorit: Kaiser Joseph II., Sohn Maria Theresias, liberaler Reformer. „Eine beeindruckende Persönlichkeit mit Humor und Visionen. Mit denen war er immer zu früh dran, scheiterte letztlich am Widerstand der alten Eliten, beziehungsweise weil er nur zehn Jahre allein regierte“, resümiert Heinzl. Nach welchen Kriterien selektiert die scharfe Leseratte die vielen Lebensschilderungen? „Ich gehe alle vierzehn Tage zum Frick am Graben, schaue die Neuerscheinungen durch und kaufe, was mich gerade anspringt“, erklärt Mr. Chili.

Arnie: ein rücksichtsloser Egomane
Das, was er „zurzeit gerade in Arbeit hat“, brachte er zum Interview mit: William Shatner, der in seiner Biografie „Durch das Universum bis hierher“ enthüllt, wie die Rolle des Captain Kirk im „Raumschiff Enterprise“ sein Leben veränderte. Oder „Hitler’s Pope“ von John Cornwell, über Papst Pius XII. Und „Arnold Schwarzenegger“, eine fesselnd geschriebene Biografie aus der Feder von „Spiegel“-Reporter Marc Hujer. Die „steirische Eiche“ hinterließ beim Leser keinen positiven Eindruck: „Der ist ein richtiges Herzerl, ellbogenmäßig unterwegs, berechnend, egozentrisch, über alle Maßen von sich selbst überzeugt, alles in allem ein rücksichtsloser Egomane“, so die Conclusio des Promi-Jägers.

Seitenblicke verboten
In seinem 350-Quadratmeter-Domizil im Gersthofer Cottage stapeln sich die Biografien geradezu. Die papierenen Zeugen sind vom Jahre null weg allesamt chronologisch sortiert. Zutritt in seine vier Wände gewährt ­Mr. Chili freilich niemandem unter Hinweis auf den Job seiner Lebensgefährtin, einer Bankerin. „Sie arbeitet in einem diskreten Beruf. Außerdem lassen mich die anderen manchmal auch nicht rein. Ich würde auch gern mal eine Homestory bei Fiona machen“, begründet der Moderator diesen Schutz seiner Privatsphäre. Ob er selbst schon daran gedacht hat, eine Autobiografie zu verfassen? Heinzl verneint: „Es haben mich kürzlich zwei Verlage angesprochen, doch ich tua ma die ­Hacke für a Buach jetzt net an.“

Bewusstere Wahrnehmung
Heinzl fasziniert, dass die Menschen früher angeblich viel bewusster gelebt haben. „Je älter ich werde, desto mehr versuche ich, etwas für mich mitzunehmen. Wenn ich in eine Galerie gehe, laufe ich nicht wie früher rasch mit der Kamera durch, sondern nehme die Ausstellung bewusst wahr. Albertina-Chef Schröder habe ich kürzlich mit meinem Wissen über van Gogh verblüfft.“ Der ORF-Star sammelt selbst aber keine Kunst. In seinen vier Wänden hat er trotz artikulierter TV-Zurückhaltung acht Flatscreens hängen, deren Inhalte er nach Lust und Laune über eine zentrale Schaltung auswechseln kann. Seine Favoriten: History Channel und Spiegel TV.

"Bei Ruhe werde ich nervös"
Wichtig ist, „dass immer was läuft. Wenn es ruhig ist, werde ich nervös“, gesteht Heinzl. Besser als die Literatur passt zu dieser Eigenschaft seine zweitliebste Leidenschaft, sie läuft auf zwei Rädern. Die Harley V-Rod, ein Geschenk seiner Freundin Sonja zum 40er, nutzt er für Genussfahrten. Das 200-PS-Monster, die reanimierte Yamaha V-Max und stärkstes Serienmotorrad der Welt, benutzt er für ­rasante Ausfahrten. Da er „kein Herdentier“ ist, fährt er meist alleine. Mal besucht Heinzl seinen Bruder auf dessen Weingut in Retz, dann gibt er mal auf der Hausstrecke Vollgas. „Wo, das verrate ich nicht. Den Artikel liest ja auch die Polizei“, schließt er, und war schon ­wieder im Studio verschwunden.

Gabriela Schnabel

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