Für 4 Wochen begab sich der Manager auf den Jakobsweg – nicht zu Fuß, per Cabrio

Unternehmensberater Joachim Zyla sucht sein Glück. Als Pilger am Jakobsweg, den er im Jaguar-Cabrio bewältigt. Und als spiritueller Bestsellerautor: „Am 8. Tag erschuf der Teufel das Business.“

Joachim Zyla, 55, schreitet bedächtig durch sein Büro im ersten Wiener Bezirk. Hektik ist für den Partner der Unternehmensberater Heidrick & Struggles ein Zustand, der ihm fremd geworden ist. Managern, die verbissen ihrem Erfolg nachjagen und dabei unglücklich sind, kann der Mann mit grau meliertem Haar heute nichts mehr abgewinnen. Er wandelt lieber auf spirituellen Wegen. Das seelische Glück hat für Zyla weit mehr Wert als pekuniärer Erfolg: „Für viele Führungskräfte zählt immer nur Geld, weswegen sie sich nicht weiterentwickeln. Aber das wirtschaftliche System zwingt uns förmlich dazu, uns selbst zu verletzen.“

Deswegen gehört Meditieren ebenso zu seinem Lebensplan wie die Auseinandersetzung mit der philosophischen Frage, wie seelisches Glück und Erfolg vereinbart werden können. Damit auch andere an seinen Erkenntnissen teilhaben können, hat Zyla kürzlich zwei Bücher verfasst. In „Und am 8. Tag erschuf der Teufel das Business“ zeigt Zyla, wie das wirtschaftliche System menschenverachtenden Prinzipien folgt. Im zweiten Werk, „Einladung auf den Jakobsweg“, liefert er einen Reisebericht, der Menschen dabei helfen soll, ihr Glück zu finden und ihr Schicksal zu verstehen. Beide Bücher sind ab diesem Freitag in Österreich erhältlich.

Den Jakobsweg im Jaguar befahren

Das Bedürfnis nach der etwas anderen Lebensweise entwickelte der Autor auf einer vierwöchigen Reise auf dem Jakobsweg. „Die Entscheidung für die Pilgerfahrt war ein Akt der Liebe zu meinem eigenen Leben.“ 3.500 Kilometer hat der Manager so in Begleitung seines Sohnes Nickolas bewältigt. Doch auch hier hat er ausgetretene Pfade verlassen. „Wäre ich dem Dogma gefolgt, dass man den Pilgerweg nur zu Fuß erleben kann, wäre ich wohl nie nach Spanien gekommen.“ Statt per pedes zu pilgern, setzte er sich einfach in sein Jaguar-Cabrio und legte den heiligen Pfad im Auto zurück. Zusätzlicher Grund: Eine schmerzende Schulter erlaubte Zyla nicht, die Last eines Rucksacks zu tragen. „Die Schmerzen hatte ich, weil im Beruf viel zu viel Arbeit auf meinen Schultern lastete.“

Auf dem Weg nach Santiago de Compostela, dem Ziel der Pilgerroute, begegnete der Unternehmensberater wandernden, joggenden und reitenden Pilgern. Für seinen heiligen Weg wählte der Vater zweier Kinder „einen einfachen, aber schönen Lebensstil“. Dabei zog der Spirituelle kleine Pensionen den schummrigen Pilgerherbergen vor. „Ich habe zuletzt im Bundesheer neben nach Schweiß riechenden Menschen geschlafen. Ich liebe mich selbst einfach zu sehr, als dass ich mir das heute noch einmal antun würde“, gesteht er.

Mit der Kirche auf Kriegsfuß

Wer glaubt, dass der Manager geläutert von der Pilgerreise zurückkam, irrt, denn Zyla steht mit der katholischen Kirche auf Kriegsfuß. „Es ist immer die Frage, woran man glaubt. Ich denke nicht, dass Jesus uns verzeihen kann, geschweige denn wahrhaftig ist. Seine Seele muss schon jeder Mensch selbst ins Reine bringen“, ist Zyla überzeugt. Es ist wichtig, die Entscheidung zu treffen, sich selbst Zeit zu widmen, und zwar bedingungslos. Der frühere Investmentbanker ist auch davon überzeugt, dass sich jeder Ort der Welt für eine Auszeit eignet. „Es ist nicht wesentlich, dass man den Jakobsweg geht, sondern dass man seinen individuellen Weg findet.“

Den scheint Zyla, der 2009 sein Unternehmen Odgers Berndtson an Heidrick & Struggles verkaufte, auch gefunden zu haben. Neben seiner Tätigkeit bei Heidrick & Struggles, für die der Betriebswirt zweimal pro Woche im Einsatz ist, konzentriert er sich auf seinen soeben gegründeten Verlag Management Lounge.

Künftig will der Harvard-Absolvent seine Tipps für geschäftlichen Erfolg und privates Glück in Seminaren und Büchern in die Welt tragen. „Ich war zwölf Jahre lang als Investmentbanker tätig und wollte immer die Nummer eins sein. Der Kampf darum ist ein blutiger.“ 1991 wurde dem nach Erfolg strebenden Manager bewusst, welche Opfer er für seinen Rundum-die-Uhr-Job brachte. „Der größte Einschnitt war das Aus meiner Ehe, aus der meine zwei Kinder stammen.“ Zyla stellte auch fest, dass von 47 Direktoren, die neben ihm bei Credit Suisse in London beschäftigt waren, nur zwei noch nicht von ihrer Frau getrennt waren. „Ich habe mir die Frage gestellt, warum ich danach strebe, immer der Beste zu sein.“

Die Wurzel des Übels fand der Unternehmer im Wirtschaftssystem, das viele Führungskräfte zu skrupellosen und erfolgssüchtigen Wesen macht. Damals begann seine Abkehr von geschäftlichen Zwängen. Zyla dachte über den Kampf und die Kriege nach, die zu führen sind, um an die Spitze zu kommen. Er kam zu dem Schluss, das es neben materiellem Erfolg drei weitere Dinge gibt, für die man sich stark machen sollte: Wissen und Erkenntnis, die Gefühlsebene und Weisheit. Der Familienvater schrieb seine neu gewonnenen Erkenntnisse nieder. Mit Erfolg: Im englischsprachigen Raum ist das Werk „When God Wasn’t Watching, the Devil Created Business“ bereits ein Bestseller. Demnächst soll der Ratgeber auch in Hongkong und Singapur erhältlich sein.

– Carolina Burger

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