Frisbee-Werfer aus Passion: Mentalcoach Roman Braun findet beim Spiel innere Ruhe

Roman Braun, Chef von Trinergy International, Europas größtem Anbieter von neurolinguistischer Programmierung, hat ein eigenwilliges Hobby: Er wirft professionell mit Plastikscheiben um sich.

Roman Braun, 50, Chef von Trinergy International, Europas größtem Anbieter von Neurolinguistischer Programmierung (NLP), hat ein etwas eigenwilliges Hobby: Er wirft Plastikscheiben, die vielen unter dem Namen „Frisbee“ ein Begriff sind. Da werden Erinnerungen an die eigene Kindheit wach. Wer hat nicht eine solche Flugscheibe besessen! Eigentlich jeder. Doch was bewegt einen erwachsenen Mann, seine Freizeit mit einem solchen Kinderkram zu verbringen? „Ich habe Frisbee schon als Kind und Teenager faszinierend gefunden“, gesteht der Mentalcoach. „Ich spiele fast jeden Tag im Hietzinger Napoleon- oder im Liesinger Maurerwald . Das hat was extrem Meditatives für mich.“ Die Wetterverhältnisse sind dabei Nebensache. „Du setzt die Scheibe in die Luft, und wenn sie deine Hand verlassen hat, kannst du nur noch schauen, wo sie hinfliegt. Du wirst eins mit der Landschaft.“

Ein Mann, der polarisiert
Offenbar ein guter Ausgleich für jemanden wie Braun, der täglich mit Menschen zu tun hat, die er coacht oder zu diplomierten NLP-Trainern ausbildet. Der Schwerpunkt von NLP liegt bei Kommunikationstechniken und Mustern zur Analyse der Wahrnehmung. Ziel ist jedenfalls eine erfolgsorientierte Kommunikation. NLP ist allerdings nicht ganz unumstritten und wird in der akademisch orientierten psychologischen Fachliteratur überwiegend als unwissenschaftlich abgelehnt. Im Internet-Nachschlagewerk Wikipedia wurde sogar der von Braun definierte NLP-Begriff „Trinergy“ gelöscht. Braun ist sich seiner Sache trotzdem sicher: „Wir haben den Paradigmenwechsel geschafft und sind vom gefürchteten Manipulationswerkzeug zum seriösen Ausbildungsschwerpunkt im Bereich Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung gewachsen“, verteidigt er seine Methode. Es war einfach ein Kampf darum, wer den Coaching-Kuchen letztendlich bekommt – die klassischen Psychologen oder die NLPler. „Manager beispielsweise wollten jedenfalls keinen Psychologen als Coach“, untermauert Braun seine These.

Ehrenamtliche Mitarbeit für Mittellose
Seit kurzem arbeitet Braun sogar unentgeltlich für Non-Profit-Organisationen wie das SOS-Kinderdorf, den Österreichischen Zivil-Invalidenverband oder das Kinderhospiz Sterntalerhof. Im Kinderdorf coacht er die Familien, den Versehrten bringt er nach einem Unfall bei, im Alltag wieder zurechtzukommen, und im Palliativ-Zentrum vermittelt er den Therapeuten die Grundidee von Sterntalerhof-Gründer Peter Kai. Eigentlich ist die Unterstützung dieser Organisation laut Brauns Aussage neben dem Frisbee-Sport sein zweites Hobby. „Dass ich gratis arbeite, das kann ich mir leis­ten. Auf der anderen Seite bin ich aber unfassbar teuer“, gesteht Braun. Für einen Trainingstag verrechnet er 10.000 Euro, für eine Coaching-Stunde 1.000 Euro. Das zahlen freilich nur Klienten aus dem Spitzensport, Politiker und Wirtschaftstreibende. Nicht, dass Braun seinen Reichtum mehren möchte. „Ich war schon vor fünfzehn Jahren finanziell unabhängig. Aber jede Leistung hat ihren Wert, oder?“, meint er.

Nationaltrainer im Scheibenwerfen
Wenn Trainer Braun sich einer Sache verschrieben hat,
dann mit Haut und Haar. So auch beim Scheibenwerfen. 1980 machte Braun die Bekanntschaft eines Frisbee-Meisters, der Mitglied im ersten Österreichischen Frisbee-Club war. Kurz darauf gründete der spätere Mentalcoach selbst einen Verein und war bis 1985 Nationaltrainer der österreichischen Frisbee-Ultimate-Nationalmannschaft. Das ist ein wettkampforientierter, weitgehend berührungsloser Mannschaftssport. „Beim Frisbee waren wir Österreicher im Gegensatz zum Fußball besser als die Deutschen“, freut sich Braun noch heute. „Bei den damaligen Europameisterschaften belegten wir hinter den Engländern und Schweden den dritten Platz.“

Vom Kuchenblech zur Plastik-Wurfscheibe
Die Bezeichnung Frisbee geht übrigens auf den Firmennamen „Frisbie Pie Company“ einer ­Bäckerei in Bridge­port (Connecticut) zurück. Diese Bäckerei verkaufte Torten in runden Kuchenblechen, die in den 40er-Jahren von Kindern als Wurfscheiben zum Spielen zweckentfremdet wurden. Dies beobachtete Walter Frederick Morrison, der in seiner Kindheit selbst die Kuchen der „Frisbie Pie Company“ verkauft hatte. Er machte sich daran, die Flugeigenschaften der blechernen Scheiben zu verbessern, bis er 1947 die erste selbst gefertigte Scheibe aus Kunststoff in Händen hielt. 1957 verkaufte Morrison die Rechte an dem von ihm „Pluto Platter“ genannten Spielzeug an die Firma Wham-O. Deren Chef taufte die Scheibe in „Frisbee“ um. Was schon damals ein wichtiges Merkmal der Scheibe war: Die Rillen im äußeren Drittel auf der Oberseite der Scheibe stabilisieren die Flugbahn.

Bäume als Zielscheiben
Braun besitzt gut vier Duzend solcher Scheiben in allen Farben und Qualitäten. Viele sind schon „abgefetzt“, die werden dann durch neue ersetzt. Wenn Braun in seine Wälder geht, hat er meist fünf Scheiben mit dabei und wirft eine nach der anderen in Richtung eines von ihm anvisierten Baums. Dann werden die Dinger wieder eingesammelt und ein neuer Baum anvisiert. Das Werfen der Plastikscheibe muss jedenfalls ziemlich fit halten, denn der Erfinder Morrison ist erst im Februar dieses Jahres im Alter von neunzig Jahren gestorben. Und sein „Frisbee“ hat jeden Winkel der Erde erreicht. Bis heute wurden geschätzte 200 Millionen der einst fliegenden Kuchenbleche verkauft.

Gabriela Schnabel

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