Formen als Inspirationsquelle: Tschabitzer-Handler und ihr Faible für Architektur

Ulrike Tschabitzer-Handler, die Kreativdirektorin des Förderbüros Unit F, hat ein Faible für Architektur. Gestaltung und Formgebung sind deshalb ihre täglichen Inspirationsquellen.

Bei Unit F, dem staatlichen Förderbüro für heimisches Modedesign, laufen die Vorbereitungen für das Anfang Juni beginnende Festival for Fashion & Photography auf vollen Touren: Eine Woche lang (6.–11. 6.) werden mit Shows, Ausstellungen, Performances und Partys die neuesten und besten Talente der österreichischen Modeszene präsentiert. Ulrike Tschabitzer-Handler, 45, die als Kreativdirektorin bei Unit F verantwortlich zeichnet, hat offenbar die Flexibilität und Gelassenheit, alle Projekte parallel abzuarbeiten. Um Töchterchen Milla kümmert sich tagsüber ein Kindermädel, manchmal auch die Omi, die zehnjährige Lola ist im Hort und schon gut organisiert. „Ansonsten muss ich nur noch meinen Mann unterbringen“, erzählt Uli lachend.

City statt Kinderspielplatz

Die Mehrfachbelastung merkt man der Kreativen kaum an. Trotzdem drängt sich die Frage auf: Wie und wann entspannt so eine Turbo-Frau, wo tankt sie Energie? „Täglich“, lautet die Antwort von Tschabitzer-Handler. Von 9 bis 14 Uhr ist sie im Büro anzutreffen, danach holt sie Klein Milla von der Krabbel stube ab und geht mit ihr auf Lepschi, wie der Wiener zu sagen pflegt. „Ich bin nicht die typische Mama, die auf den Kinderspielplatz geht; eigentlich hasse ich diesen Ort“, gesteht die gebürtige Judenburgerin. „Wir besuchen lieber diverse Ausstellungen, besuchen neue Shops und treffen Freunde. So ein Sampling ist für mich Ausgleich, aber gleichzeitig auch meine Inspirationsquelle“, beschreibt die Kreativdirektorin die Wirkung ihrer nachmittäglichen Touren. „Die Eindrücke sind dann abgespeichert und inspirieren mich am Ende des Tages.“

Tschabitzer-Handler hat in diesem Sinn kein Hobby, sondern Interessen, die ihr Leben immer bestimmt haben. Ein großes Faible hat sie deshalb für zeitgenössische Architektur, natürlich auch in Verbindung mit Mode. Crossover-Ideen haben die gelernte Designerin immer schon interessiert, nicht zuletzt, weil die Aufgaben eines Architekten und eines Modedesigners ihrer Meinung nach in mehrfacher Hinsicht ähnlich sind: „Zum einen geht es um die Erfüllung einer praktischen Funktion wie der Entwicklung von Schutz des Körpers vor Kälte, Wind und Regen mittels einer zweiten oder dritten ‚Haut‘.“ Und zum anderen geht es der Expertin bei Mode wie bei Architektur natürlich auch um „das Aussenden von Signalen, Reizen und von indirekten Botschaften eines charakteristischen Erscheinungsbildes“. Für Tschabitzer-Handler haben demgemäß beide Bereiche gestalterische Aufgaben zu lösen, die von kultureller Bedeutung und sozialer Tragweite sein können.

Einer der Großen ist für sie deshalb der österreichische Künstler und Architekt Heidulf Gerngross, der Mitte der 90er-Jahre die Loftsiedlung in Wien-Floridsdorf errichtet hat. Die Containersiedlung mit festem Installationskern ist bis dato auch der billigste Wohnbau Wiens. „Gerngross ist für mich ein wilder, unkonventioneller Architekt, und er beweist, dass Gestalten nicht nur für die Reichen leistbar ist.“

Leben hinter dem Vorhang

Formgebung und Funktionalität spielt bei der Unit-F-Managerin freilich auch in den eigenen vier Wänden eine große Rolle. Als sie vor Jahren ihr Loft im 15. Wiener Gemeindebezirk erwarb, stand sie vor der großen Herausforderung, in einem Großraum die Themen Schlafen, Essen und Freizeit gut unterzubringen. Die Lösung dafür hatten „the next ENTERprise – architects“: Marie-Therese Harnoncourt und Ernst J. Fuchs brachten an der Decke der Wohnung eine kreisförmige Vorhangschiene an und stellten somit Wohn-, Ess- und Spielbereich ins Zentrum. An den vier Ecken des Lofts verbergen sich geschickt Bad, Schlafräume und die Küche. „Im Grunde genommen ist alles innerhalb des Vorhangs unser sozialer Raum, der für die Kinder funktioniert, aber auch für uns und unsere Freunde“, erklärt Tschabitzer-Handler die Funktionalität. Gemäß ihrem Motto: Auf den Lebensraum bezogen, muss Architektur funktionell sein und in weiterer Folge eine spannende Form haben – also Funktion vor Form.

– Gabriela Schnabel

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