Fest im Sattel: Unternehmer Herbert Cordt

Unternehmer Herbert Cordt sucht täglich neue Herausforderungen. Sein jüngstes Steckenpferd ist Reiten. Im Februar galoppiert er mit seinem Sohn acht Tage über die Anden von Argentinien nach Chile.

Herbert Cordt – noch wenige Tage 63 – wägt jedes Risiko ganz genau ab, im Business wie auch im Privatleben. Dem Zufall überlässt er dabei gar nichts. Als sein Sohn den ersten Teil seines Studiums absolviert hatte, wollte ihm der Vater eine Freude bereiten.
Doch was schenkt man einem Kind, das alles hat?“, überlegt der Investor und RHI-Aufsichtsrat Cordt. „Da fiel mir ein, ich schenke eine Reise – aber welche?“ Die klassischen Destinationen kennt er allesamt. „So kamen wir auf die Idee, gemeinsam eine Reise zu machen, nicht zuletzt, um unsere Männerfreundschaft zu vertiefen“, schildert Cordt.

Der erste Vorschlag des Studenten, auf dem Motorrad den Che-Guevara-Trail in Südamerika zu befahren, war dem Vater dann doch zu gefährlich. Bislang hatte der Vater ja erfolgreich verhindert, dass sein Filius auf ein Zweirad aufsteigt, und dann so eine Reise, nein, das ging wirklich nicht! Die zweite Idee – mit einem kleinen Segelboot den Atlantik zu überqueren – schmeckte dem Businessman auch nicht wirklich, ­obwohl er selbst Binnensegler ist.

Ritt über die Anden

Schließlich kamen die beiden über Bekannte auf die Idee, über die Anden zu reiten. Den väterlichen Einwand, dass er nicht reiten könne, wischte der Junior vom Tisch: „Das wird für dich eben die Herausforderung: Du lernst reiten!“ Der Sohn kann übrigens auch nicht reiten. Seit Sommer wird nun jede Woche trainiert – auf dem Gestüt eines Freundes im Wienerwald. Trainerin Marianne ist jedenfalls mit den Fortschritten von Papa Cordt sehr zufrieden.
Bis zum Antritt der Reise Mitte Februar muss der Unternehmer jedenfalls fest im Sattel sitzen. „Ich bin erst beim Traben, aber der Pferdesport macht mir unheimlich Spaߓ, sagt Cordt. „Ich merke, wie ich mit dem Rhythmus des Pferdes plötzlich eins werde, und hab eine richtige Freud’ damit.“
Cordt ist offenbar ein Mensch, der ständig die Herausforderung sucht. Dabei könnte sich der Mann längst schon zur Ruhe setzen. Gemeinsam mit seinen Partnern Martin Schlaff und Josef Taus verkaufte Cordt 2005 die bulgarische Mobiltel um 1,6 Mrd. Euro an die Telekom Austria und nur ein Jahr später die Mobtel Serbien für 1,5 Mrd. Euro an Telenor. Cordt selbst bezeichnet die beiden Mega-Deals bescheiden als „nicht ganz unerfolgreich“. Dass der Mann freilich auch polarisiert und Neider auf den Plan ruft, ist vorprogrammiert. „Die meisten Leute glauben, da war ein Genieblitz und plötzlich ist das Geld vom Himmel gefallen. Aber dass man auch fleißig ist, wird gerne übersehen“, geht Cordt in die Offensive. „Glück alleine ist zu wenig und Intelligenz auch, man braucht eben auch Ausdauer.“ Arbeiten macht dem agilen ­Unternehmer eben Spaß.
Neben seinen Industrieinvestments ist Cordt Aufsichtsratschef beim Feuerfestkonzern RHI und bei Ebner, dem Weltmarktführer für Industrieofenbau. Und wegen seiner künstlerischen Ader ist er auch Donator bei den Bregenzer Festspielen und in der Josefstadt. „Meine schlimmste Vorstellung wäre, wenn ich in der Früh aufwachen würde und mir täglich überlegen müsste, ob ich Golf spielen soll oder wandern.“

Diese Entscheidung wurde ihm ja für die nächste Zeit erst einmal abgenommen. Denn der Mann muss reiten, und zwar bald. Am 15. Februar geht es los.

Da fliegen Vater und Sohn über Buenos Aires nach San Martín des los Andes. Bis zur Farm ist noch eine Autostunde zurückzulegen. In den ersten beiden ­Tagen werden die Reiter mit den Pferden vertraut gemacht und lernen die anderen Teilnehmer der Gruppe kennen.

Dann wird es ernst. „Wir sitzen täglich bis zu acht Stunden im Sattel und sind zehn Tage unterwegs“, erzählt Cordt. „Wir reiten an Bergen und Seen vorbei. Es ist Wild Life. Es gibt keine gepflegte Unterkunft, kein Fließwasser, nur den rauschenden Bach zum Waschen, und das Essen bereiten wir uns selbst zu. Ich nehme an, das Leben wird ganz urtümlich sein, so wie bei uns auf der Skihütte“, meint Cordt.

Doch ganz so idyllisch wird die Tour nicht werden, denn in Südamerika wird im Western-Style, Canter ­genannt, geritten. „Man muss ziemlich flott in einem leichten Galopp reiten, wo die Hubwirkung auf und nieder viel geringer und angenehmer ist“, erklärt Cordt. Im Canter-Galopp legt ein Pferd etwa 300 bis 400 Meter pro Minute zurück – das entspricht einer Geschwindigkeit von 18 bis 24 Kilometern pro Stunde.

Das einzige Handicap, das der Unternehmer noch hat, ist sein Gewicht. Die Criollo Crosses und die ­Chilean Criollos, auf denen geritten wird, sind auf ein Tragegewicht von 90 Kilogramm limitiert, und dafür muss Cordt noch vier Kilogramm abspecken. Zu blöd auch, dass die Fastenzeit hierzulande erst Anfang März beginnt. Krautsuppe isst Cordt schon jetzt.

– Gabriela Schnabel

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