Faszination Golf: Die Birdie- Jäger

Die Personalberater Roswitha und Franz Hill sind beruflich und privat ein Power-Couple – mit allen Vor- und Nachteilen. Nur beim Golfen haben sie ein wenig Abstand: Sie spielen nie im selben Flight.

Roswitha, 42, und Franz Hill, 48, sind unzertrennlich – privat und beruflich. Dass man einen der beiden Personalberater einmal alleine antrifft, hat eigentlich Seltenheitswert. Franz sitzt in der Geschäfts­führung von „Hill Woltron“ und kümmert sich um die Projektabwicklung bei der Personalsuche und -auswahl für mittelständische und große Unternehmen. Roswitha managt den Vertrieb und ist für die Büroorganisation zuständig. Der Paarlauf beginnt schon früh am Morgen, wenn Roswitha die Beine aus dem Bett hängen lässt: „Da bekomme ich schon die erste To-do-Liste für den Tag“, erzählt sie mit leicht sarkastischem Unterton. „Ich habe mit Roswitha einen idealen Partner, und im Job ist sie für mich ein Quantensprung“, pariert der Ehemann elegant ihren Seitenhieb. Das sind die Hills – sie lieben und sie fordern sich. Und: Einer ohne den anderen, das geht gar nicht.

Auch wenn der Job einmal Pause macht, versucht das Power-Couple gemeinsam, gute Figur auf dem Golfplatz zu machen. Vom Ergeiz sind freilich beide beseelt. Franz Hill, seit neun Jahren begeisterter Golfer, hat ein Handicap von 28, seine bessere Hälfte „nur 36“. „Ich habe mich bereits vom Handicap-Wahn befreit, und seither macht das Spiel auch viel mehr Spaߓ, erzählt Franz Hill lachend. Dieser Aussage kann seine Frau nicht beipflichten: „Turniere sind für mich wie eine Schularbeit. Ich mache mir einen Riesendruck, lege mir die Latte so hoch, dass ich wahnsinnigen Stress habe“, beschreibt Roswitha Hill enthusiastisch ihr wahres Handicap beim Golfen.

Sportliches Netzwerken

Den persönlichen Stresstest hat das Ehepaar schon vor Jahren abgelegt, als sich die beiden in einer Selbsthilfegruppe kennen gelernt haben. Roswitha bewältigte gerade den Tod ihrer Eltern, die bei einer Heißluftballonfahrt verunglückt waren; Franz suchte Rat wegen seiner damaligen Hypochondrie. ­„Diese Erlebnisse haben uns ziemlich zusammen­geschweißt“, erzählt der Unternehmer. Auch wenn ab und zu rhetorisch die Fetzen fliegen, haben die beiden immer gemeinsame Ziele vor Augen. Zum Beispiel das Netzwerken und neue Menschen am Green kennen zu lernen. „Wir spielen eigentlich sehr wenig handicapwirksame Turniere, nehmen dafür mehr an sogenannten Business-Teambewerben teil“, erklärt Franz Hill.

Auf solche Geschäftsturniere hat sich etwa die S.E.A. Sport Event-management Agentur mit Sitz in Linz spezialisiert, die jährlich die Business Golf League ausschreibt. Der Wettbewerb besteht aus sieben von­einander unabhängigen Vorrundenturnieren, die über 18 Loch gehen. Teilnahmeberechtigt sind Firmenteams und deren Unternehmen. Genau das Richtige für die Hills. „Wir sind bei S.E.A. seit fünf Jahren Mitglied und können bei diesen Turnieren Privates und Geschäftliches gut verknüpfen, weil wir gerne Kunden zum Spiel oder zur Platzreife einladen“, erklärt Franz Hill. Am Green hat sich das Power-Couple allerdings eine Regel auferlegt: Sie nehmen zwar an denselben Turnieren teil, spielen jedoch nicht in ein und demselben Flight. Damit gewinnen die beiden doch ein wenig Abstand voneinander – wenn auch nur für ein paar Stunden.

Schon als Taferlklassler im Beraterjob

Im Großen und Ganzen funktioniert das Family-Business jedoch wunderbar. Franz Hill bezeichnet sich selbst als erfahrensten Personalberater Österreichs. Nicht aus Eitelkeit, sondern wegen 33 Jahren Berufserfahrung. „Ich habe Personalberaterluft schon mit meinem achten Lebensjahr geschnuppert“, schildert der Unternehmer. Damals hat sein Stiefvater Othmar Hill gerade begonnen, sich als Personalberater selbständig zu machen. Dabei hatte Franz Hill ursprünglich ganz andere Pläne: „Ich stamme aus Loosdorf. Das einzige Unternehmen, das es dort gibt, ist Ytong. Deshalb wollte ich schon als Kind Elektriker bei Ytong werden.“ Das Schicksal hatte aber anderes mit ihm vor. Schon während der Externistenmatura arbeitete Franz Hill im Beratungsunternehmen der Eltern Christine und Othmar Hill mit. „Othmar war immer der Visionär im Unternehmen, er gibt auch heute noch Ideen und Richtungen vor. Ich und meine Frau sind für die ‚Brutpflege‘ zuständig“, umreißt Franz Hill die Aufteilung im beruflichen Familienverband.
Als sich das Gründerehepaar Christine und Othmar Hill privat trennte, wurde das Business auf­geteilt. Heute werden mit Hill International unter der Führung von Othmar Hill Personalentwicklung und Netzwerkpflege in 30 Ländern angeboten. Stiefsohn Franz Hill und seine Frau Roswitha haben sich unter Hill Woltron auf Personalsuche- und -auswahl spezialisiert und sind bei Hill International Franchisenehmer für Graz, Tirol, Polen und Prag. „Wir sind eben eine gute Patchwork-Family, in der sich jeder mit jeden versteht“, sagt Franz Hill.

– Gabriela Schnabel

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