En Garde! Der Wiener Weinhändler
Helmuth Unger spielt Schach mit der Klinge

Weinhändler Helmuth Unger hat einen irren Bewegungsdrang. Es gibt kaum eine Sportart, die er nicht trainiert hat. Derzeit kanalisiert er seine überschüssige Energie beim Florettfechten.

Helmuth Unger, 49, ist weder Generaldirektor noch Politiker. Der Mann ist Weinhändler und betreibt eine Szenebar in der Wiener City. Trotzdem ist es nicht einfach, dieses Mannes habhaft zu werden. Im Job scheint er unabkömmlich, zwischendurch muss er die beiden Söhne koordinieren, und er selbst verordnet sich fünfmal die Woche Sport. Mit einem Wort: ein Tausend­sassa, in dessen Adern nicht Blut, sondern Quecksilber fließt.

Schillernde Sport-Biografie
Unger muss sich ständig bewegen. Diese Charakteristik schlägt sich auch in seiner Sport-Biografie nieder: „Eine Zeit lang habe ich Squash gespielt, eine Zeit lang habe ich geboxt, eine Zeit lang war ich Sportschütze, eine Zeit lang bin ich gerudert, eine Zeit lang hat mich die Triathletin Lisa Hütthaler durchs Schwimmbecken gezogen, und, ach ja, in Santa Monica habe ich drei Monate bei Bryan Kest Power Yoga studiert, eine Zeit lang …“ Die Aufzählung von Unger, den alle nur Helmuth nennen, da er mit den meisten Menschen gleich per Du ist, will kein Ende nehmen. Ein unsteter Typ, könnte man meinen. Doch Helmuth widerspricht: „Ich gehe alle Dinge beherzt an, doch irgendwann kommt der Punkt, wo ich mich entscheiden muss, ob ich noch mehr Zeit für die einzelnen Sportarten aufwenden soll. Wenn ich an diesem Punkt angelangt bin, entschließe ich mich meist für einen Wechsel“, so seine Philosophie.

Von der Kirschblüte zur Weinrebe
So war er schon immer. Wenn der Helmuth von einer Sache überzeugt war, dann ging er sie ­tatsächlich beherzt an. Nach der Matura begeisterte ihn Japan. Prompt entschied er sich, in Wien Japanologie zu studieren. Über den ersten Studienabschnitt kam der Sportsmann allerdings nie hinaus. Profitiert hat er trotzdem. Denn in dieser Zeit lernte er den Japaner Azuhiro kennen und folgte diesem kurz entschlossen für ein Jahr nach Tokio. Wieder zurück in Wien, begleitete er hierzulande japanische Reisegruppen. Doch wie beim Sport hatte auch der Ausflug in den Touristismus ein Ablaufdatum. So versuchte sich Unger alsbald in diversen Wiener Restaurants als Kellner. „Ich habe vieles durchgekostet, angefangen von harten Getränken über Portweine, bis ich schlussendlich beim Wein hängen geblieben bin“, erinnert sich Helmuth. Nicht ganz zufällig, schon sein Vater betrieb einen Weinhandel in Wien.

Ungers Bar ist Kult in Wien
Heute führt Helmuth gemeinsam mit seiner Frau Michi bereits seit 17 Jahren die Weinbar Unger und Klein am Wiener Rudolfsplatz samt dazugehörigem Weinhandel- und -lager in Stockerau. Die Bar mit kulinarischen Spezialitäten ist eine echte Kultstätte für Weinliebhaber geworden. Nicht zuletzt weil die Unger-Kleins neben internationalen großen Weinen vor allem dem österreichischen Rebensaft den Vorzug geben und sich dabei auf Raritäten wie Perwolff oder Salzberg spezialisiert haben. Das Ehepaar ist längst eingespielt, und der Laden läuft auch während ihrer Abwesenheit. Dafür sorgen der Toni aus dem Zillertal und Sudath aus Sri Lanka. „Die beiden führen die Weinbar super, und ich bin froh, wenn sie mich freispielen“, freut sich Helmuth über die gewonnene Zeit, die er in seine sportlichen Aktivitäten investiert.

Drei Mal wöchentlich zum Training
Zu seinem aktuellen Standardprogramm gehört der Besuch im Fitnesscenter, dreimal die Woche. Dort trainiert er vorwiegend seine Ausdauer. Und seit zwei Jahren übt sich der Weinkenner in der Kunst des Florettfechtens. Inspiriert wurde Helmuth nicht von Alexandre Dumas’ Musketieren, sondern von Freunden, die er regelmäßig nach ihrer Fechtstunde beim Frühstück traf. „Die beiden schilderten den Fechtsport so spannend, dass ich mir dachte, das probiere ich auch aus.“ Mittlerweile führt die gesamte Familie die feine Klinge im Wiener Union Fechtclub: Seine beiden Söhne Joe, 6, und Zoltan, 11, sowie seine Ehefrau und Geschäftspartnerin Michi Klein. Helmuth trainiert zweimal die Woche mit Benny Wendt, der 1992 Europameister im Florettfechten war.

"Graziös und genau zugleich"
Doch was ist so spannend an dieser Kampfsportart? „Jede Bewegung ist graziös und genau zugleich. Mit der Langsamkeit eines kreisenden Bussards kommt die Klinge des Gegners auf mich zu, pariert (wehrt ab), fintiert (täuscht) und lässt mir Zeit, meine Klinge dagegenzusetzen, bis sich die schwache Stelle auftut und ich treffe“, schildert der Fechtschüler. Während er erzählt, führt seine rechte Hand jene Bewegungen aus, die er beschreibt. „Spannend ist, dass Fechten einem Balletttanz nahekommt“, führt Helmuth aus. Für ihn ist es jedoch auch wichtig, „Dampf abzulassen und die überschüssige Energie zu kanalisieren“. Deshalb zieht er das Kampfgefecht dem auf den Schüler abgestimmten Einzelunterricht, in der Fachsprache Lektionieren genannt, vor.

Schach mit der Klinge
Ohne Übung freilich kein Gefecht: Fechten verlangt einen guten Beobachtungssinn, Analysefähigkeit, schnelle Entscheidungen und Reaktionen, physische Kondition und gute Koordination der Bewegungen. In Fachkreisen wird Fechten deshalb auch als Schach mit der Klinge bezeichnet. Für Helmuth Unger, in dessen Adern ja bekanntlich Quecksilber fließt, ein idealer Sport, um sich in Gelassenheit zu üben.

Gabriela Schnabel

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