Elisabeth Gürtler lebt für ihre Pferde und den Jack-Russell-Terrier Augustin

Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler ist die Perfektion in Person. Zeit ihres Lebens stellte sie alles für ihren Job zurück. Ihre große Passion, die Pferde, lebt sie in der Spanischen Hofreitschule aus. Ihr bester Freund ist ihr Jack-Russell-Terrier Augustin.

Elisabeth Gürtler, die in zwei Wochen ihren 60. Geburtstag begeht, ist eine Perfektionistin, in jeder Hinsicht. Ihre oberste Prämisse ist Disziplin, von Kindesbeinen an. Als Schülerin im Gymnasium hat die geborene Elisabeth Mauthner eine Lebensmaxime gelernt: Alles geht, wenn man nur will und vor allem wenn das Allerliebste auf dem Spiel steht. Das Allerliebste war damals ihr Pferd. Und dieses setzte der gestrenge Vater, der Getreidegroßhändler Fritz Mauthner, als Druckmittel ein, damit seine Tochter gute Schulnoten nachhause brachte. Bei der Lateinschularbeit übersetzte die Tochter die Hexameter von Ovid mehr recht als schlecht und bekam einen Dreier. Eine solche Note war undenkbar für ihren Vater. Die Vorzugsschülerin musste den Patzer ausmerzen, ansonsten sollte ihr geliebtes Pferd „Pipsi“ wegkommen. Also übte Elisabeth täglich und schrieb auf ihre nächste Arbeit eine Eins.

Nichts ist unmöglich
Noch heute ist das ihr Credo: Alles geht, wenn man nur will. Und dieser Charakterzug prägte ihr ganzes Leben. Alles ist minutiös durchgeplant: Um 5.30 Uhr will der Jack-Russell-Terrier Au­gustin nach draußen in den großzügig angelegten 6.000 Quadratmeter großen Garten, um sein Geschäft zu erledigen. Um 6.15 Uhr absolviert die Grande Dame ihre täglichen Schwimmübungen. Danach überfliegt sie die wichtigsten Gazetten und trinkt dazu eine Tasse Kaffee. „Um acht Uhr starte ich und arbeite dann mindestens 14 Stunden“, erzählt die Sacher-Chefin.
Freizeit bleibt da kaum. „Ich schöpfe Kraft, wenn ich Dinge gerne mache und das, was ich mache, gut geworden ist“, erklärt Gürtler. Gut im Werden ist ihr Zweitjob als Leiterin der Spanischen Hofreitschule. „Mein Ziel ist es, dass ich in fünf Jahren eine Hofreitschule leite, die keine finanziellen Probleme hat, und ein Hotel, das gut läuft.“ Doch da steht der Unternehmerin noch viel Arbeit ins Haus. Im Sacher muss die Lady stets die Konkurrenz im Auge behalten. Vor allem die, die in nächster Zeit neu eröffnet – wie das 5-Sterne-Hotel Shangri La, das 6-Sterne-Hotel ­Palais Schwarzenberg oder das architektonische Juwel am Donaukanal von Jean Nouvel. „Ich weiß aber nicht, ob mehr Gäste nach Wien kommen“, gibt Gürtler zu.

Pferde-Charity
Wie sensibel das Hotel-Business ist, zeigte jüngst die Aschewolke aus Island. „Bei uns blieben viele internationale Gäste aus“, erzählt Gürtler. Bei den Pferden ist die Grande Dame zwar konkurrenzlos, das Business ist trotzdem hart. Um hier bald in die schwarzen Zahlen zu kommen, veranstaltet Gürtler jetzt erstmals am 10. Juli die Fête Imperial in der barocken Winterreitschule. Der Reinerlös der Pferde-Charity kommt dann den Lipizzanern zugute. Und Pferde sind ja auch die große Passion der Hotelmanagerin. Das erste Mal saß sie mit fünf Jahren auf einem Pferd – einem Pony namens Mery. „Wenn man in einen Pferdestall schaut, stehen doch meist Mädchen drinnen“, schildert Gürtler. „Und wenn man in die Augen eines Pferdes sieht, entsteht eine gewisse Romantik.“ Die Pferdeliebhaberin war den Tieren verfallen. „Mein erstes Pferd Pipsi war wie ein Hund für mich. Das war dieselbe Beziehung“, erinnert sich Gürtler. Von da an galt ihre ganze Leidenschaft den Pferden. Sie war Dressurreiterin und errang bei den österreichischen Staatsmeisterschaften sogar einen zweiten und dritten Platz. Nach der Matura bekam sie ihr Pferd „Arpi“, und der bereits verstorbene Exmann Peter Gürtler brachte auch zwei Pferde in die Ehe mit.

Das Glück der Erde...
„Alle meine Ambitionen habe ich in die Reiterei gelegt“, erzählt die Hoteliere. Ein Leben ohne Reiten wäre undenkbar gewesen. „Wenn man reitet, muss man täglich reiten.“ Denn das Wichtigste ist der richtige Sitz beim Dressurreiten. „Das Pferd reagiert nämlich auf minimale Signale. Wenn plötzlich jemand anders auf deinem Pferd sitzt, kommt ein anderer Druck rauf, und die Sensibilität wird gleich verringert.“ Als Gürtler mit 40 Jahren nach dem Tod ihres Mannes plötzlich von einem auf den anderen Tag ins Hotelmanagement einsteigen musste, traf sie eine harte Entscheidung: Sie trennte sich von ihren Pferden. „Da habe ich gesagt, das ist jetzt ­beendet, abgeschlossen. Man sagt immer, die schönsten Jahre einer Frau sind zwischen dem 40. und dem 50. Lebensjahr. Meine waren sehr belastend. Ich lebte immer mit schlechtem Gewissen, musste den Spagat zwischen den Kindern und dem Hotel machen. Man macht alles nur mehr zeitökonomisch.“ Gürtler gab aber für das Hotel alles auf, ihre Freunde und auch das Tennis. „Ich hatte plötzlich nichts anderes mehr als meinen Beruf.“ Doch der ist offenbar auch ihr Hobby. „Wenn ich eine Fabrik für schöne Möbel besuche: Ist das Urlaub oder Hobby?“, stellt sie sich selbst die Frage. Offenbar beides. Eine kleine Leidenschaft ist der Grande Dame doch geblieben: ihr Hund Augustin. „Der ist ein böser Terrier, böser als der ‚Herr Brodmann‘, und er schläft bei mir im Bett“, gesteht sie. Um den 16-jährigen Liebling kümmert sich Gürtler rührend. Er bekommt täglich herzstärkende Mittel und Vitaminspritzen, damit er seinem Frauerl noch lange erhalten bleibt.

Gabriela Schnabel

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