Elfenbeinskulpturen und Tiffany-Charms: KHM-Chefin Sabine Haag auf Schatzsuche

Mit 1. Jänner übernimmt Sabine Haag in Nachfolge von Wilfried Seipel die General­direktion des Kunsthistorischen Museums. Die Elfenbeinexpertin hat auch privat ein Faible für preziös gearbeiteten Schmuck.

„Bitte jetzt strahlen!“ Das braucht der Fotograf zu Sabine Haag definitiv nicht zweimal sagen. Die designierte KHM-Chefin hat in den Wochen seit ihrer Bestellung zur mächtigsten Frau in der heimischen Museumslandschaft mediengerechtes Lächeln schnell gelernt. Zudem hat die 46-jährige gebürtige Vorarlbergerin beim Shooting in der Wiener Filiale des Traditionsjuweliers Tiffany mit dem 138 Diamanten umfassen­den „Victoria“-Collier wohl ein Stück in Händen, das vielen Frauen ein Funkeln in die Augen zaubern würde.

Gut geschultes Auge
Schmuck ist die große Leidenschaft von Sabine Haag. Sie schätzt die Klassiker, feine, preziöse Arbei­ten mit großer Wirkung, wie sie betont. „Die zeitlosen Stücke von Tiffany begleiten mich schon seit meinen Jungmädchentagen.“ Da bekam sie das erste Mal Tiffany-Charms, kleine Anhänger fürs Bettelarmband. Später war bei jeder New-York-Reise, wenn schon nicht das Frühstück so zumindest der Shopbesuch bei Tiffany ein Fixpunkt. Selber kauft die kunstaffine Lady allerdings keine Preziosen, sie lässt sich lieber von ihrem Mann beschenken. Nicht jedes Stück kann jedoch vor der ausgebildeten Kunsthistorikerin bestehen. „Mein Auge ist durch meine Museumsarbeit gut geschult, daher schätze ich hochwertige Qualität. Ich weiß, wie man Steine besonders schön zum Glitzern bringen kann. Für mich muss Schmuck etwas Besonderes sein, keine Massenware, sondern ein individuelles Stück, das zu mir passt. Ich trage grundsätzlich nur echten Schmuck, liebe Farben und Edelsteine, die meine Persönlichkeit akzentuieren“, wie ihr Lieblingsring aus Amaryl. Aber auch Diamantstücke und Gold in jeder Form und Verarbeitung zählen zur Privatsammlung, die, wie die Museumschefin relativiert, nicht groß ist, aber genügend schöne Dinge beinhaltet, „die mich durchs Jahr bringen. Gewisse Begehrlichkeiten gibt es freilich immer noch“, setzt sie lächelnd nach.

Schmucke Position
Zeit zum ­Sondieren neuer Stücke wird sie in Zukunft wohl weniger haben. Immerhin gilt es, ab 1. Jänner in Nachfolge von Wilfried Seipel den Museumstanker KHM zu leiten, zu dem auch Völkerkunde- und Theatermuseum zählen – und den Spagat zwischen beruflicher Verantwortung und privaten Verpflichtungen zu perfektionieren. Denn Sabine Haag ist auch Mutter dreier Söhne, eines zwölfjährigen und eines Zwillingspaares im Alter von zehn Jahren. Dass die Mama Generalin wird, war demgemäß auch zuhause ein Thema. Die Familienorganisation wurde gestrafft und läuft bestens als „partnerschaftliches ­Modell“, streut sie ihrem Gatten, einem selbständigen Wirtschaftsberater, Rosen. Abendtermine werden genau eingeteilt, Wertigkeiten gesetzt, eine Leihoma ergänzt die in Vorarlberg ansässige Verwandtschaft. Denn, so Haag pragmatisch, „ein wenig Zeit für den inneren Seelenfrieden muss man sich retten“. Etwa jene für Joggingrunden im Prater. Mit der ­Familie wird geradelt, Ski gefahren und gewandert. Haag ist gut trainiert und schätzt sportlichen Ehrgeiz, der ihr auch im Beruf nie geschadet hat. Der Leitsatz: „Wenn man sich für etwas engagiert, sollte man dabei bleiben“, wurde der disziplinierten Managerin ebenso in die Wiege gelegt wie der Sinn fürs Schöngeistige. Dass sie Kunstgeschichte studieren werde, wusste sie seit ihrem 13. Lebensjahr.

Kleinmädchentraum?
Bereits ein Jahr nach ihrem Studium der Anglistik und Kunstgeschichte begann sie 1990 als Ku­ratorin in der Kunstkammer des KHM zu arbeiten. Vor Ort wurde dann ihre Liebe fürs Elfenbein geweckt. „Ein unglaublich empfindliches Material, schön und edel, das schon seit der Antike als Symbol für Reinheit gilt“, gerät die Expertin ins Schwärmen. Nicht von ungefähr schrieb Haag auch ihre Dissertation „Studien zur Elfenbein­skulptur des 17. Jahrhunderts“. Die Sammlung des KHM ist zudem die weltweit bedeutendste. Aber auch die anderen Schätze in der Kunstkammer, fantastische Colliers, Anhänger und Ringe, können sich sehen lassen und müssten die schmuck­begeisterte Hausherrin wie ein erfüllter Kleinmädchentraum anmuten. Doch da schlägt die museale Verantwortung durch. „Ich liebe diese Kostbarkeiten, aber ich bin noch nie in Versuchung gekommen, so ein Exponat auch nur anzulegen. Man hat Respekt vor Dingen, mit denen man beruflich umgeht.“ Umso intensiver arbeitet Haag an der ­Wiedereröffnung der Kunstkammer, sucht Paten für die Restaurierung der Stücke und hat sich Parameter gesetzt: Mir geht es um eine Präsentation der Stücke auf ho­hem Niveau. Es genügt heute nicht mehr, nur schöne Objekte zu zeigen, sondern es geht auch um die Vermittlung.“

Kunst hat Mut
Nach den Feiertagen wird sie das Büro von Wilfried Seipel übernehmen, das nach über 18 Jahren weiblicher und heller gestaltet wird. Nach ihrem Vorgänger, der wusste. wie man die Medienorgel spielt, will Haag ihren eigenen Weg finden, präsent zu sein. Als geduldige, gute Zuhörerin, loyal und sensibel wird die Teamplayerin von ihrem Mitarbeiterstab charakterisiert. „Kunst hat Mut“, hat sie das KHM-Kürzel längst intern für sich definiert. Den Atem dazu hat sie.

Von Michaela Knapp

Body & Soul

Raiffeisen-Holding Generaldirektor Klaus Buchleitner - der virtuose Problemlöser

Doris Felber gab nie klein bei. Jetzt feiert sie - und gleichzeitig die Bäckerei - ein Jubiläum.
 

Body & Soul

"Ich habe mein Leben selbst in die Hand genommen"

Zum Abschied gibts noch eine große Party im Wiener Odeon Theater.
 

body and soul

Hermann Becker, Grandseigneur der
Porsche-Holding, geht in Pension