Einen Jux will er sich machen: Alois Gölles, Schnaps- und Essigfabrikant kann mehr

Alois Gölles ist für seine edlen Bränden und den feinen Essig bekannt. Weniger bekannt ist, dass der Schnapsbrenner für das lokale Kulturleben auch Drehbücher schreibt und selbst auf der Bühne steht.

Hundert Zuseher warten gespannt darauf, dass sich der Vorhang in der Riegersburger Vulkanlandhalle hebt, um über Alois Gölles in der Rolle des Butler James im Sketch „Dinner for one“ lachen zu können. Der steirische Schnapsgroßmeister und Essigfabrikant ist gleichzeitig ein wenig nervös: „Ich bin ja kein Profi und habe immer Lampenfieber vor der Aufführung“, gesteht er.

Dabei ist er schon lange im Geschäft. Fast fünfzehn Jahre ist es her, dass der Schnapsbrenner gemeinsam mit Freunden den Kulturverein Riegersburg gegründet hat. „Unser Ziel war es nicht, uns zur Kulturhauptstadt zu erklären, sondern die Kultur am Leben zu erhalten“, schildert er die Anfänge.

Steirische Künstler im Visier

„Die meisten Menschen, die wir fördern, sind Halbprofessionelle, aber sehr gut“, schmeißt sich der Hobby-Drehbuchautor und Laiendarsteller für steirische Künstler ins Zeug. Sinn und Zweck des Vereins ist nämlich, die verschiedenen Facetten des Kulturlebens im steirischen Vulkanland aufzuzeigen. Ob Bodenständiges wie Blas- oder Tanzmusik, Kabaretts, Lesungen oder auch Jazziges. Viermal jährlich gibt es größere Veranstaltungen. „Das ist viel Arbeit, vor allem Dialoge zu schreiben“, erzählt Gölles. Der Mann ist ja kein Privatier, sondern hat das ganze Jahr über alle Hände voll zu tun mit seiner Manufaktur, die Essig vergärt und edle Schnäpse brennt.

Vor fünf Jahrzehnten stellte der Vater von Alois Gölles den kleinen, gemischten Landwirtschaftsbetrieb auf Obstanbau um. Zugleich stellte sich auch die Frage, was Filius Alois lernen soll. „Es lag nahe, dass ich die höhere Bundeslehranstalt für Wein und Obstbau in Klosterneuburg besuche“, erinnert sich der Steirer. Dort hat Gölles viel über die Verarbeitung von Früchten gelernt. Und aus diesem Interesse heraus begann er im Anschluss an die Ausbildung, die eigenen Früchte auch gleich selbst zu verarbeiten.

1979 startete er mit der Schnapsbrennerei, 1984 mit dem Essig. „Beides war anfänglich nur ein teures Hobby, das ich mir mithilfe meines Brotberufs bei der Steirerobst finanzierte.“ Dennoch fiel die Entscheidung, sich auf edle Destillate zu konzentrieren, leicht. Denn die Logistikkosten für den Vertrieb von Obstsäften wären gleich hoch gewesen, bei einem deutlich niedrigeren Ertrag. Und Anfang der 90er-Jahre begannen qualitätsvolle Schnäpse in Österreich zu boomen.

„Essig war damals noch kein großes Thema“, so Gölles. Aus Abfallprodukten hergestellter Essig kostete 3,50 Schilling, die vergorenen Gölles-Produkte das Fünffache. Aber das Bewusstsein für hochwertige kulinarische Produkte in der Gewürzküche musste erst wachsen. Gölles blieb seiner Grundlinie dennoch treu. Verarbeitet wird bis heute nur Natur pur, in höchster Qualität. Und das hat eben seinen Preis.

Treu blieb sich Gölles auch bei der Wahl seiner Kunden. Er hat sich erfolgreich gegen Preisdumping gewehrt, das die großen Handelsketten ihm abverlangt hätten. „Ich habe die Preisritter mit Taschenrechner abgelehnt und mich für jene entschieden, die Geschmack und Bauch haben“, erzählt er. Dazu zählen Wein & Co, Meinl am Graben, der Feinkostladen Tritscher in der Ramsau und viele andere kleine Fachhändler.

Heute gehen 25 Prozent der Gölles-Produkte in den Export, 20 Prozent werden ab Hof verkauft, und der Rest teilt sich in Gastronomie und private Endverbraucher auf. Obst- und Tresterbrände halten sich inzwischen mit Essig umsatzmäßig die Waage. Gölles liebt sein Business wie am ersten Tag, doch der Nachwuchs drängt bereits in den familiären Betrieb. Der älteste seiner drei Söhne, David, zeigt schon reges Interesse: „Wir haben einen schönen Beruf. Essen und Trinken berührt alle Menschen. Dennoch möchte ich keines meiner Kinder in den Betrieb hineinzwingen. Das muss freiwillig passieren“, erklärt der Senior-Destillateur.

Qualtingers Travnicek statt billigem Politkabarett

Lachen gehört für Gölles ebenso zu einem gesunden Leben, und so schließt sich der Kreis. Emsig schreibt der Genussmittelproduzent an den diversen Rollen für die Darsteller des neuen Bühnenstücks in Riegersburg. Der Clou dabei: „Wir spielen nicht einfach die echten Rollen der Theaterstücke und Sketches, sondern nehmen die Charaktere von lebenden Personen“, plaudert Gölles aus der Schule. Anstatt der echten Miss Sophie aus dem Sketch „Dinner for one“ wurde der Charakter der Prinzessin Annemarie Liechtenstein ins Drehbuch geschrieben. Es haben sich auch schon der Versicherungsvertreter, ein Buschenschänker oder der Gemeindesekretär aus Riegersburg in der einen oder anderen Rolle wiedererkannt. „Das tun wir auf humorvolle Weise, ohne jemanden wirklich zu verunglimpfen“, so Gölles. „Wir machen auch kein einfältiges Politkabarett mit Haider und Meischi.“

Eher lehnt sich Gölles an Rollen à la Qualtingers Travnicek an. Er selbst glänzte zuletzt in der Rolle des Butler James in „Dinner for one“ und als Gastwirt Fink im „Hexenzug“. Den gibt es tatsächlich in Riegersburg: eine kleine Bummelbahn, mit der man Besichtigungen machen kann. Die beiden Betreiber, die ehemaligen Gastwirte Fink und Schreiner, spielen hier die Hauptrolle.

Momentan ist Hauptsaison im Obstgeschäft von Gölles. Doch wenn es ein bisserl ruhiger wird, nimmt er wieder Papier und Feder zur Hand und skizziert ein paar neue Bühnenrollen für das Kulturprogramm in Riegersburg.

– Gabriela Schnabel

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