Eine Öl-Quelle für bedürftige Kinder

Margit und Richard Schweger hatten Glück. Sie schufen sich durch den Verkauf einer Start-up-Company ein kleines Vermögen. Heute produzieren sie Olivenöl und spenden zehn Prozent der Umsatzerlöse an Bedürftige.

Die Geschichte von Margit, 42, und ­Richard Schweger, 46, bietet Stoff für ein modernes Märchen: Richard machte sein Vermögen als Mitbegründer des IT-Unternehmens BGS Smartcard Systems. Die letzte Tranche der Company wurde exakt sechs Wochen vor Beginn der Wirtschaftskrise abge­stoßen. Die Gesamtbewertung von BGS lag elf Jahre nach der Gründung bei 100 Millionen Dollar. Margit bekam nach ihrer 13-jährigen Karriere als Marketingmanagerin bei Philips ihre beiden Kinder Noah, ­heute 3 Jahre, und Anouk, 6 Jahre alt. „Mir war klar: Ein Leben lang Rasierer für Philips zu verkaufen, das ist nicht meine Berufung.“

Das Ehepaar hatte von nun an nur noch ein Ziel vor Augen: ein Sozialprojekt auf die Beine zu stellen, das vor allem Kinder im Fokus hat. Vor zwei Jahren war es dann so weit, und die Familie Schweger hob ein Sozialprojekt aus der Taufe, dessen Grundlage der Anbau, die Produktion und schlussendlich der Verkauf von biologischem Olivenöl der Marke Noan ist. „Nutznießer sind bedürftige Kinder, denen wir helfen, sich durch Bildung selbst zu erheben“, erklärt Margit Schweger den karitativen Gedanken.
Seine soziale Ader hatte das Ehepaar schon in den 90ern entdeckt.

10% der Erlöse werden gespendet

Die Idee war, einen Investmentfonds zu gründen, der einen Teil seines Gewinnes spendet. Doch dann kam die Wirtschaftskrise, das Projekt starb. Die Schwegers hielten jedoch an ihrem Ziel fest. Als ihre Kinder schon auf der Welt waren, erwarb die Familie einen Olivenhain in der griechischen Region Pilion. „Wir überlegten, warum soll nicht Olivenöl die Basis unseres Sozialprojektes sein“, erzählt Richard Schweger. „Eigentlich ist ja ­jedes Produkt tauglich für unsere Idee, es ist ja nur Mittel zum Zweck.“ Das war der Grundstein für Noan Olive Oil. Der Name setzt sich übrigens aus den ­ersten beiden Buchstaben der Kindernamen No(ah) und An(ouk) zusammen. Richard Schweger ist für den ­finanziellen und rechtlichen Part verantwortlich, seine Frau ist ehrenamtlich Mädchen für alles, ­insbesondere Marketing und Verkauf. Und der Dritte im Bunde ist Wolfgang Sztatecsny, der für die Produktion verantwortlich zeichnet.

Umweltverantwortung und faires Agieren

Noan ist jedoch mehr als ein Charity-Projekt. Noan ist ein ganzheitliches Konzept, das einerseits die Förderung einer Region, der sogenannten griechischen ­Toskana, unterstützt und den dort lebende Biobauern die fixe Abnahme ihrer Ernte und ein fixes Einkommen ­garantiert. Schlussendlich fließen zehn Prozent des Umsatzes sowie der gesamte Reinerlös ausschließlich in nachhaltige Ausbildungsprojekte für Kinder und Jugendliche. Junge Menschen, für die eine praxisorien­tierte Ausbildung meist der einzige Weg in eine selbständige, bessere Zukunft ist – und damit die Chance auf ein Leben in Freiheit, ohne Not und Armut.
Im Gegensatz zu einer einmaligen Spende sehen die Schwegers ihr Engagement als soziales Perpetuum mobile: etwas, das von sich aus immer und immer wieder spendet. „Wir wollten etwas Sinnvolles machen, jemanden etwas geben, der das aus eigener Kraft nicht kann. Und bei diesem Projekt ­konzentrieren wir uns vor allem auf Kinder“, untermauert Margit Schweger ihre Philosophie. „Im Vorjahr ist es uns gelungen, 10.000 Euro Spendengelder aus dem Verkauf von Noan zu lukrieren. Der Großteil des Umsatzes wird durch den Absatz an Privatkunden und große Companys erzielt, die das „Mehrwert-Öl“ zu diversen Anlässen gerne an ihre Kunden verschenken.

Zu den ersten Abnehmern von Noan-Olivenöl gehör­ten etwa Bernd Schlachers „Motto am Fluss“, Wein & Co, Kim kocht und Unger & Klein. In Österreich ­wurde zuletzt der Philips-Schülerfonds der ­Caritas unterstützt, in Indien eine Integrationsschule in Varanasi, erzählt Richard Schweger.

„Das Spendenprinzip funktioniert so, dass wir in unseren Absatzmärkten 50 Prozent der Spendenerlöse diversen Projekten zugutekommen lassen, die andere Hälfte geht in einen überregio­nalen Topf.“ Insgesamt sind bis jetzt rund 500.000 Euro inklusive Grundstücksanschaffungen in das Projekt Noan geflossen. Heuer, im zweiten Erntejahr, verdoppelten die Schwegers ihre Produktion bereits auf 8.000 Liter Öl, das in 32.000 Viertelliterflaschen abgefüllt wurde. Der Vertrieb findet derzeit nur in Öster­reich und der Schweiz statt. In Deutschland wird bereits nach einem großen Vertriebspartner gesucht.

Doch jetzt haben erst einmal Kinder Vorrang, die Weihnachten in Armut verbringen müssen. „Wir werden wieder die Integrationsschule in Varanasi, im Norden Indiens, unterstützen, die 300 Kinder aus den untersten Kasten besuchen“, freut sich das Ehepaar. Doch auch hierzulande gilt es, Menschen zu unter­stützen, die an der Armutsgrenze leben. Und so ­haben die Schwegers ­entschieden, in der Pfarrgemeinde von Ordenspriester Dariusz Schutzki einer Familie mit sieben Kindern unter die Arme zu greifen, deren Vater krank und Alleinverdiener ist. „Das ist unser schönstes Weihnachtsgeschenk.“

– Gabriela Schnabel

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