"Ein idealer Stressausgleich": Modefrau
Karin Agh geigt nicht nur beim Stoffwerk auf

Karin Agh, die Inhaberin von Stoffwerk Massbekleidung, hat einige Jobs ausprobiert, bis sie ihre wahre Berufung fand. Das Geigenspiel stand ganz oben auf ihrer Wunschliste. Heute kann sie ihre Passion als Mitglied des Akademischen Orchestervereins ausüben.

Karin Agh, 38, Inhaberin der Stoffwerk Massbekleidung im Wiener Palais Esterházy, muss in der Ballsaison wahre Wunder vollbringen. Die Nachfrage nach edlen Roben für die Damen sowie nach Smokings für die Herren ist groß. Und die Faschingszeit kurz. „Eigentlich könnten wir rund um die Uhr arbeiten“, erzählt sie lachend. Den Stress merkt man der aus Bayern gebürtigen ­Blondine mit dem Gardemaß von 1,80 Metern keineswegs an. Einem Mannequin gleich schreitet sie durchs Atelier und präsentiert dabei ihre Kunstwerke. Die Entwürfe sind grundsätzlich klassisch, jedoch mit Stil und Chic von Prada und Co aufgepeppt.

Markenzeichen rotes Knopfloch
Über ihre betuchte Klientel hüllt sich die Designerin freilich in Schweigen. Wer sich jedoch einen Anzug oder ein Kostüm von Stoffwerk auf den Leib schneidern lässt, ist leicht identifizierbar. Entweder blitzt ein rotes Knopfloch am linken Ärmel oder am Revers, wie man das im Vorjahr unschwer an den Opernballmoderatoren Alfons Hai­der und Dorian Steidl ausmachen konnte. Heuer kreiert Agh das Kleid für die Opernballmoderatorin Claudia Reiterer. Der Kundenstamm war anfangs ausnahmslos männlich. „Bis mich auch Frauen baten, für sie Businessanzüge und -kostüme zu entwerfen“, so Agh. Heute sind immerhin 20 Prozent ihrer Kunden Frauen.

Eine vielseitige Frau
Sich rasch auf neue Situationen einzustellen gehört sicher zu den Tugenden von Agh. Und bis jetzt ist sie damit in ihrem Leben auch ganz gut gefahren. Dass die gelernte Zahntechnikerin heute Mode designt, hat sich „einfach ergeben, wie so vieles andere in meinem Leben“. Eigentlich wollte Agh ja Berufsmusikerin werden. Doch es war ihr damals rasch klar, dass sie als Frau in keinem erstklassigen Orchester dieser Welt engagiert worden wäre.
Ihre Familie war durch und durch musikalisch. Der Vater spielte Bratsche, die Mutter Klavier. „Meine Eltern haben mit mir und meinen beiden Geschwistern täglich musiziert, jeden Tag zwei Stunden mit einem von uns“, erinnert sich die Designerin. Dass ihre Wahl auf die Geige fiel, war Zufall. Als sie zehn Jahre alt war, vererbte ihr der Großvater sein Streichinstrument. „Das war quasi die Initialzündung.“ Doch mangels Nachfrage nach weiblichen Musikern verwarf sie diesen Berufswunsch rasch.

Zwei Jahre NY, sieben Jahre Paris
Nach ihrer Zahntechniklehre ging sie nach New York. Bei einer Freundin stach Agh das sterile, weiße Kinderzimmer ins Auge. „Da muss mehr Farbe her“, dachte sie und malte auf jedes Möbel den Walt-Disney-Bären Winnie the Pooh. Die Idee gefiel auch anderen, und so bekam Agh sehr bald Aufträge für Kinderzimmer­möbel. Sie blieb zwei Jahre in New York, machte einen Zwischenstopp in ihrer deutschen Heimat und ging dann für sieben Jahre nach Paris. Dort organisierte sie für „Die Freunde der europäischen Opernhäuser“ große Galaveranstaltungen. „Nebenbei war ich Hausmodell beim Couturier Torrente und habe in dieser Zeit Mode nach Maß schätzen gelernt.“

In Wien der Himmel voller Geigen
Mit 29 Jahren bekam die Weltenbummlerin wieder Reisefieber und entschied sich für Moskau. Auf dem Weg dorthin blieb sie allerdings in Wien hängen, nicht zuletzt wegen eines Mannes. „Ideen, mich beruflich zu etablieren, hatte ich viele, doch ­keine konkreten. Mir fiel nur auf, dass ich sehr verwöhnt war und hier kaum Kleider von der Stange fand“, erinnert sich Agh. Der Grundstein für Stoffwerk war gelegt. Doch noch wichtiger als die Suche nach passender Kleidung war jene nach einem Orchester, in dem die Geigerin ihrer musikalischen Passion nachgehen konnte. „Wo auch immer ich hinging, ich suchte mir als Allererstes ein Orchester.“ Fündig geworden ist sie schlussendlich beim Akademi­schen Orchesterverein in Wien, bei dem sie auch heute noch als Geigerin mitwirkt.

"Am liebsten Tschaikowsky und Rachmaninow"
„Geige spielen ist ein idealer ­Ausgleich, wenn mich der Stress übermannt“, erklärt die Vielseitige. Zweimal die Woche probt sie je drei Stunden, sechsmal jährlich gibt sie mit dem Akademischen Orchester­verein Konzerte. „Am liebsten spiele ich große Symphonien von Tschaikowsky und Rachmaninow.“ Die nächste Darbietung ist bereits am 14. März im Großen Musikvereinssaal angesagt. In memoriam Hans Mühlbacher wird ein Benefizkonzert zugunsten der Caritas Socialis gegeben. Auf dem Programm: Brahms’ Requiem unter dem Dirigenten Christian Birnbaum. Für Agh eine Periode, in der sie wieder Wunder vollbringen muss. Denn bei ­vielen ihrer Kunden werden nach der Fastenzeit Anzug und Kleid nicht mehr richtig sitzen – und der Frühling steht vor der Tür …

Gabriela Schnabel

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