Ein Pharmahändler joggt gegen
Kehrmaschinen und schläft im Wald

Ernst Wolensky, Chef der Erwo Pharm, ist mit seinem jungen Unternehmen erfolgreich. Als größten Erfolg betrachtet er aber die Unabhängigkeit, in seinem Wald schlafen und seine Läufe genießen zu können.

Auf zwei Beinen steht man besser. Das wusste Ernst Wolensky, 51, Geschäftsführer der Erwo Pharm, schon in jungen Jahren. Seinem Vater gehorchend, besuchte er die HTL. Beim Bundesheer wurde der Jungwehrdiener zum Sanitätsdienst eingeteilt. Dort hatte Wolensky sein Aha-Erlebnis, als er bei einer Operation assistierte, wo dem Patienten eine Insulinpumpe eingesetzt wurde. „Da hat es Klick bei mir gemacht. Ich dachte, ich kann doch mein Wissen in der Elektrotechnik ganz gut mit Medizin kombinieren.“ Er machte seinen Doktor und bekam eine Anstellung am Institut für Artificial Intelligence in Wien.

Der Job machte Spaß, die Gage war mager. „Während meine Studienkollegen schon einen tollen Wagen besaßen, fuhr ich noch mit dem Moped herum“, erinnert sich der Mediziner. Als er vom Pharmaunternehmen Nycomed ein Angebot bekam mit Aussicht auf doppeltes Gehalt und Dienstwagen, überlegte Wolensky nicht lange. Rasch stieg er die Karriereleiter hoch, wurde Vicepresident Marketing and Sales Central Europe. Er blieb 17 Jahre lang in dieser Manager- Funktion, in seiner Zeit vervielfachte sich der Gewinn. Als Nycomed neue Eigentümer bekam, aber es für Wolen sky keine Aussicht auf weniger Reisetätigkeit gab – er war bis zu 100 Tagen im Jahr unterwegs –, nahm er den so genannten Golden Handshake und dachte über seine berufliche Zukunft nach. Das war 2006.

Erst mal erwarb Wolensky einen zehn Hektar großen Wald im Burgenland. „Das war so eine Gegenreaktion zum harten Finanzgeschäft. Ich wollte etwas erwerben, das langfristig und nachhaltig ist.“ Wenn ihm heute danach ist, fährt er in den Wald, schläft dort auf einer Luftmatratze und freut sich, im Grünen aufzuwachen: „Das ist echt cool, wenn man im eigenen Wald übernachtet.“

Zweite Karriere

Nur ein Jahr nach seinem Abschied von Nycomed wagte der Mann den Schritt in die Selbständigkeit. Er gründete die Erwo Pharma GmbH, ein Unternehmen für Marketing und Vertrieb von Human- Arzneimitteln, Medizinprodukten und Nahrungsergänzungsmitteln. Kunden sind Apotheken und Krankenhäuser. Mittlerweile zählt das junge Unternehmen im OTC-Segment (Medikamente, die nicht verschreibungspflichtig sind) zu den Top-15-Unternehmen unter Österreichs 280 Pharmabetrieben. Zum Produkt- Portfolio gehören zum Beispiel Montana Haustropfen oder das Bandscheibenprodukt Vertebene, aber auch das Abnehmprodukt Libosinol, eine der erfolgreichsten Neueinführungen, oder die Sättigungskapseln von Dr. Schreiber.

Wolensky macht auch schon Profit. „Das soll mir einmal einer nachmachen“, verkündet der Mediziner nicht unbescheiden. Aber was ihn ebenso freut: „Dass ich unabhängig bin und über meine Zeit selbst verfügen kann.“ Vor Mittag kommt der Mann nämlich nie ins Office. Am Morgen wirft er, noch unrasiert, den Computer an, verteilt die Umsätze auf Partner und schaut, dass er idealerweise bereits um zehn Uhr sein Plansoll erreicht hat. „Dann klappe ich den Computer zu, ziehe mir die Sportsachen an und laufe meine Entspannungsrunden in Pfaffstätten.“ Das tut Wolensky gut dreimal die Woche. Am Weekend dehnt er seine Joggingrunde auf 20 Kilometer aus. Aber er bewegt sich eher gemütlich: „Ich laufe signifikant unter 140 Pulsschlägen und höre Musik. Das mache ich gerne, das brauche ich fürs Equilibrium.“

Zum Laufen ist er erst 1998 gekommen. Als er bei einem Waldlauf mit Kollegen kaum mithalten konnte und unter Atemnot litt, schwor er sich: „So eine Demütigung ertrage ich nicht noch einmal. Nächstes Jahr nehme ich am Wien Marathon teil.“ Gesagt, getan. Seither ist Wolensky immerhin fünf Marathons gelaufen. „Ich bin immer nur gegen die Kehrmaschinen gelaufen“, macht er sich über seine Laufzeiten lustig, die zwischen 4:30 und 5:07 Stunden gelegen sind. Doch gemäß dem Motto „Dabei sein ist alles“ freut er sich noch heute: „Das ist ein Wahnsinn, wenn man in den Zieleinlauf kommt und alle Leute jubeln.“

– Gabriela Schnabel

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