Ein bunter Hund: Wolfgang Werner kämpft gegen Abfangjäger und träumt vom Norden

Intendant Wolfgang Werner ist ein großer Junge geblieben: Er liebt Märchenfiguren, hat ein Faible für Indianer und sammelt mit Leidenschaft Blechspielzeug. Außerdem kämpft er für eine bessere Welt.

Wolfgang Werner, 46, der Intendant der Opernfestspiele St. Margarethen, wirkt auf andere üblicherweise arrogant. Im persönlichen Gespräch kommt er ganz anders rüber. Da sitzt einer, der freundlich ist, voll Tatendrang, sprüht und erzählt, dass er wahnsinnig wird, wenn er seine drei Kinder mal ein paar Tage nicht sieht. Er selbst bezeichnet sich als „bunten Hund“. Und das ist er wahrlich: Er kämpft gegen Abfangjäger, träumt davon, nach Stockholm auszuwandern, macht Nordic Walking mit zertrümmertem Knie, das von 25 Schrauben zusammengehalten wird, und sonst sammelt er diverses Blechspielzeug aus den 30er- und 40er-Jahren.

Für den Frieden auf dieser Welt
Die Öffentlichkeit kennt Werner in erster Linie als Intendanten der Opernfestspiele St. Margarethen, die jährlich von 200.000 Menschen besucht werden. Doch der Mann hat weitaus mehr Profil. Der in ­Felixdorf bei Wiener Neustadt aufgewachsene Manager ist gelernter Kaufmann. Sein erster Brotberuf war Einkäufer für technische Produkte. Nebenbei war er ­damals Mitglied der österreichischen ­Friedensbewegung und protestierte gegen Bundesheer und Aufrüsten. Auch heute ist er diesbezüglich noch ein scharfer ­Kri­tiker. „Für Abfangjäger haben wir Geld, aber für Soziales nicht“, wettert er. In ­seiner damaligen Sturm-und-Drang-­Phase,­ 1985, veranstaltete Werner auch sein ers­tes großes Konzert unter dem ­Motto „Künstler für den Frieden“. Der Event in Theresienfeld mit Größen wie Jazz Gitti und der Band Liederlich Spielleut dauerte mehr als doppelt so lang wie geplant. „Verdient habe ich keinen Groschen, im Gegenteil, mein gesamtes Erspartes ging drauf“, erinnert er sich. Werner war von seiner Mission dennoch beseelt. Er belegte Managerseminare, „um grundlegende Dinge zu lernen“. Gemeinsam mit seinem damaligen Partner und Freund Harald Landl – er verunglückte 2004 tödlich in Malaysia – organisierte Werner Auftritte für die Hektiker, Hans Peter Heinzl, Indianderausstellungen im alten AKH und den Zaubergarten mit Rieseninsekten. „Ein Faible für Märchenfiguren habe ich noch heute. Mit meinem Sohn Elias schaue ich mir noch immer wahnsinnig gerne Filme mit Winnetou und Old Shatterhand an.“

Unlustig und eine Schweinerei
In den Jahren 1993 bis 1995 engagierte Werner alsbald weltbekannte Größen wie Pink Floyd, Vanessa Mae, Falco oder David ­Bowie für Konzerte. Erst 2006 startete er mit den Opernfestspielen, der Reihe ­Römersteinbruch exklusiv und einer Kinderoper. Der Mann kann sich nicht mehr be­klagen. Seine Projekte sind erfolgreich. Trotzdem magerlt es ihn, dass die Opernfestspiele St. Margarethen und die Mörbischer Festspiele keinen Cent Förderung bekommen und Lustbarkeitssteuer abführen müssen. „Das ist eine Schweinerei. Die Bregenzer, Salzburger und Nieder­österreicher sind von derlei Abgaben befreit und werden dazu noch gefördert“, lässt er seiner Wut ob der Ungerechtigkeit freien Lauf. Ganz und gar sanftmütig zeigt sich der Alleinerzieher jedoch, wenn es um seine drei Kinder geht. „Ich bin gerne Familienmensch, keiner, der die Kinder abgibt. Wenn ich sie ein paar Tage nicht sehe, werde ich narrisch.“ Töchterchen Sophie, 3, zieht er „gerne wie eine Puppe an, mit Zopferl und Ringelstrümpfen, ein bisserl so wie Pippi Langstrumpf“. Und mit Sohn Elias, 8, geht er gerne auf den Fußballplatz in Pitten, wo er Präsident des dortigen ­Vereins ist. „Ich mag es, mich mit ganz ­normalen Menschen bei einem Match zu vergnügen“, so Werner. „Und Miriam, 17, die Große, hat schon ihre eigenen Interessen.“

Träume vom Norden
Auch sonst lebt Werner nicht sehr elitär. Im Pittner Wohnhaus leistet er sich lediglich einen Pool, in dem er dann und wann zwei Stunden schwimmt. Sportlich ist der Mann ja ein wenig eingeschränkt seit seiner Kniezertrümmerung beim Skifahren. Er geht aber gerne auf den nahe gelegenen Türkensturz mit seinen Walking-Stecken hinauf oder wandert in der Buckligen Welt. Sein großer Traum ist, die Welt zu bereisen, doch mit drei Kindern derzeit schwer umzusetzen. „Ich habe eine große Affinität zum Norden und würde gerne in Stockholm leben. Ein wenig träumen darf man ja“, sagt er, wissend um die geringe Chance der Umsetzung. Meistens urlaubt er mit den Kindern in Tirol oder besucht Thermen in der Umgebung. Ein wenig wie ein großer Junge wirkt der Herr Intendant, wenn er über seine Passion, Blechspielzeuge aus den 30er- und 40er-Jahren zu sammeln, erzählt. „Hundertfünfzig Stück habe ich bereits, darunter Schuco-Autos, Kreisel, Clowns, Globusse und ein altes, knallrotes Feuerwehrauto.“ Fein säuberlich stehen die kleinen Objekte alle in Reih und Glied in einer Vitrine. Doch dort verstauben sie nicht. Wer von den Kindern Lust hat, darf die blechernen Modelle selbstverständlich zum Spielen benutzen. „Eh klar, ich sammle ja aus Leidenschaft und nicht des Wertes wegen“, erzählt Werner.

Von Gabriela Schnabel

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