"Eigentlich wollte ich Architektur studieren":
Josef Ostermayer liebt modernen Wohnbau

Staatssekretär Josef Ostermayer wollte Architekt werden. Die Liebe zum Gestalten setzt er heute in den eigenen vier Wänden um. Am liebsten arbeitet er mit Stahl.

Als Kind wollte Josef Ostermayer, 48, sein wie der Schwimmer Mark Spitz, seines Zeichens siebenfacher Goldmedaillengewinner bei den Olympischen Spielen in München 1972. Keine Chance. An diese Leistungen kam der Staatssekretär für Medien und Koordination im Bundeskanzleramt nie heran. Der gebürtige Burgenländer setzte seinem Idol auf seine Weise ein Denkmal. „Ich habe damals eine Spitz-Skulptur aus Holz geschnitzt“, erinnert sich Ostermayer mit einem Schmunzeln.

Selbst geplant und ausgeführt
Handwerkliches Geschick ist dem Staatssekretär möglicherweise in die Wiege gelegt worden. Wenn nicht, hat ihn der Herr Papa jedenfalls stark beeinflusst. „Mein Vater war Maurer und ein begnadeter Handwerker. Er konnte alles außer schweißen. Das konnte ich besser“, verrät der Hobbybastler und tritt sogleich den Beweis an. Er fährt den Laptop hoch und präsentiert eine Fotogalerie mit diversen ­Arbeiten, die er geplant und selbst ausgeführt hat. Sein Meisterstück ist ein Bücherregal, das seine Wohnung ziert, gefolgt von selbst gezimmerten Stühlen. Auch die Terrasse im Schattendorfer Wochenendhaus hat Ostermayer auf dem Reißbrett entworfen, den Untergrund höchstselbst geschweißt und mit Holz verkleidet. Eigentlich trägt das Eigenheim des geschickten Mannes seine Handschrift. „Der Umriss sieht aus wie bei den Holzhäuschen im DKT-Spiel“, beschreibt der Staatssekretär, „viereckig, mit einem Satteldach, auf zwei Ebenen und alle Wände rausgenommen.“ Und wie könnte es anders sein: Das Stiegengeländer ist aus Stahl gefertigt.

Die Faszination der gelben Bagger
Ehrlich gesagt, diese kräfteraubenden Arbeiten würde man dem feinsinnigen Mann nicht wirklich zutrauen. Ostermayer blendet ein paar Jahrzehnte zurück, da wird klar, dass der promovierte Jurist eine andere Berufsrichtung hätte einschlagen wollen. „Eigentlich wollte ich Architektur studieren“, beginnt er seine Erzählung. Als die Eltern 1966 ihr neues Haus errichteten – damals war Ostermayer gerade mal fünf Jahre alt –, hat der Knirps überall dort mit an­gepackt, wo es seine Kräfte zuließen. „Ich erinnere mich noch genau an den großen gelben Bagger, der eine große Faszination auf mich ausübte“, fährt er fort. Die Liebe zum Gestalten hat ihn bis in das Matura-Alter begleitet. Ostermayer schwankte danach zwischen Jus, Germanis­tik und Architektur. „Pragmatisch habe ich mich für Jus entschieden.“ Warum? „Weil man als Jurist wesentlich mehr Möglichkeiten und Perspektiven hat, war meine ­Familie überzeugt.“ Die Leidenschaft zur Architektur ist geblieben. Später konnte er im Beruf dann tatsächlich beide Professionen umsetzen: das Juris­tische in der Wiener Mietervereinigung und die Architektur im Wohnbau als Geschäftsführer des Wohnfonds Wien.

Spezialinteresse: moderner Wohnbau
„Mich inter­essiert vor allem zeitgenössische Architektur und dabei der Wohnbau im Besonderen. Da werden Skulpturen gebaut, die leistbar sind, architektonisch und ökologisch klug gemacht sind und über Jahrhunderte stehen.“ Ostermayers Favorit im Wiener Wohnbau ist der Gasometer B, der die Handschrift des Architektenbüros Coop Himmel-b(l)au trägt. Doch auch Frank Gehry, der das Guggenheim-Museum in Bilbao ge­plant hat, die Architektin Zaha Hadid und die Arbeiten des Wiener Architektenbüros Delugan Meissl finden seine Bewunderung. „In meinem damaligen Job konnte ich in­direkt ein bisschen auf die Gestaltung einwirken“, erzählt er. „Wir haben etwa die Themen autofrei oder Passivhaus vorgeben können“, erzählt Ostermayer. Dabei hatte er auch die Gelegenheit, die ganz Großen der Branche wie Thom Mayne, Harry Seidler oder Wolf Prix kennen zu lernen. Auch auf seinen Reisen gibt es immer ein Zeitfenster, um Architektur anzuschauen. Und da spielt die Familie mit? „Das kann ich gut dosieren. Ich plane auch immer Baden und Shoppen ein“, so Ostermayer. Ob der Mann nicht doch noch Architektur studiert? „Ich kann zwar nicht nix tun, muss mich immer beschäftigen. Doch da sehe ich keine Perspektive. Ich bin froh, wenn ich eine halbe Stunde am Tag Zeit ­finde, ein Buch zu lesen.“

Von Gabriela Schnabel

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