East meets West

Gerhard Ressl, Manager der Kosmetikmarke Kanebo, hat sich seinen Traum verwirklicht und ließ sich in Neustift am Walde ein japanisches Wohnhaus errichten. Dieses ist sein Kraftplatz und seine Energiequelle.

Jeder hat seine Kraftquelle: ob Sport, Meditation oder Reisen in ferne Länder. Gerhard Ressl, 56, hat all diese Komponenten bei sich zuhause vereint. Der Manager verwirklichte seinen Traum und ließ sich in Neustift am ­Walde ein japanisches Wohnhaus errichten. „Das ist mein Kraftplatz“, erklärt er. „Hier kann ich relaxen, hier bin ich mit der Natur verbunden, und hier geht auch meine Laufstrecke weg.“ Dass Ressl auch
für ein japanisches Unternehmen arbeitet, ist reiner ­Zufall, kommt aber seiner Lebensphilosophie sehr entgegen. „Die Japaner sind stets höflich, freundlich und vor allem diszipliniert“, umreißt Ressl die positi­ven Charakterzüge seiner Kollegen in Tokio. Eigenschaften, die er in Europa oftmals vermisst.

Der gebürtige Kremser bekam vor 16 Jahren die Möglichkeit, die japanische Kosmetikmarke Kanebo in Österreich einzuführen, und hat dies auch erfolgreich geschafft. Mittlerweile ist er im Konzern für Österreich, Deutschland und die Schweiz zuständig. Ressl hat viel von den japanischen Gepflogenheiten verinnerlicht. Sein japanischer Sprachschatz beschränkt sich allerdings auf wenige Sätze wie „­Arigato Gozaimasu“, was so viel wie „Herzlichen Dank“ ­bedeutet. Oder „Omotenashi“, ein Wort, das die Gastfreundschaft auf höchstem Niveau beschreibt.

Minimalismus in Reinkultur

Ressl fährt immer wieder gerne nach Tokio, er kommt aber genauso gerne wieder nachhause. Denn die ruhige und einfache Lebens­weise der Inselbewohner Nippons hat sich der Mann längst nach Neustift geholt. Sein japanisches Wohnhaus verschmilzt über Veranda, Holzboden und Trittsteine mit dem Garten zu einem Ganzen. So gibt es zwischen Haus und Garten kaum eine Grenze. Die Architektur ist schlicht, Wände und Fußböden sind aus Glas oder mit Holz verkleidet. Alles wirkt luftig, leicht und vor allem lichtdurchflutet. Man kann quasi durch das Haus hindurchsehen. Umgekehrt ist Ressl vor fremden Blicken geschützt, da die Immobilie stufenweise in den Hang gebaut ist. Warum er die japani­sche Architektur ebenfalls schätzt: „Weil die Japaner wunderbar mit Platzmangel umgehen können und auf kleinstem Raum alles Wesentliche, das man zum Wohnen braucht, gut umgesetzt wird.“ Ressls Grundstück ist nicht viel größer als ein schmaler Schrebergarten, trotzdem fand sogar noch ein Pool Platz, der in Längsrichtung des Hauses errichtet ­wurde.

Kraftplatz Neustift

Die bauliche Umsetzung des Tiroler Architekten Georg Driendl hat sogar die Japaner überzeugt: Das Haus wurde am Cover einer gro­ßen japanischen Architekturzeitung verewigt. Großes Augenmerk hat Ressl dem japanischen Garten gewidmet, der in seinem Grundwesen immer eine idealisierte, gestaltete Naturlandschaft darstellt, wo Wasser, Steine und Bepflanzung die Hauptrolle spielen. Und in diese Idylle blickt Ressl, wenn er in seinem Home-Office arbeitet. Eine Etage darüber befinden sich Wohnraum, Küche und Essplatz, „von wo man einen wunderbaren Ausblick auf die Weingärten am Hacken­berg vis-à-vis genießt und bei Klarsicht sogar auf das Leithagebirge“, schwärmt Ressl.

Japanische Küche

Seine Liebe zu Japan endet aber nicht beim Wohnen. Seine Frau und er schätzen auch die einfache Küche der Inselbewohner. Ob Nudelgerichte oder Fisch, die Ressls lassen sich gerne von der ­japanischen Küche inspirieren. „Ausnahme ist das Frühstück“, lacht der Kosmetik-Manager. „Da gibt es oft Müsli, das mahle ich selbst, setze es über Nacht mit Wasser an und verfeinere es morgens mit Früchten.“ Zeitlich geht sich das gut aus. Denn Ressl arbeitet Freitag und Montag in Neustift. Und in diesen Tagen genießt er mit seiner Frau das gemeinsame „Kraftzentrum“ der eigenen vier Wände. Sogar das Teetrinken wird dann nach traditioneller Methode zelebriert. Wasser auf­kochen, dann auf 75 Grad abkühlen und erst dann den Green Tea damit übergießen. Dass die Tassen vorgewärmt sind, ist selbstverständlich. Dienstag bis Donnerstag steckt der Manager ohnehin sein Dreieck Wien–Hamburg–Zürich ab oder nimmt auch mal Kurs auf Tokio. „Das ist wie meine zweite Heimat“, beschreibt Ressl seine Liebe zu Japan. Er bewundert die peinliche Sauberkeit der Menschen – obwohl er selbst nicht duscht, bevor er ein Wannenbad nimmt. Und er fühlt sich extrem sicher, wenn er sich in Tokio bewegt.

Trotzdem lässt Ressl die Kirche gerne in Neustift: „Grosso modo finde ich eine Lebensphilosophie aus östlichen und westlichen Weisheiten ideal.
An der strengen Disziplin der Japaner würde ich sicher scheitern.“

– Gabriela Schnabel

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