Dots-Chef Ho experimentiert mit Sushi und freut sich auf ein Leben im Baumhaus

Martin Ho, Chef des Szene-Sushilokals Dots, lebt wunderbar. Der junge Wilde bezeichnet sich als Zicke, trägt Dior Men, schmückt sich mit Balenciaga, sammelt Helnwein und beleuchtet sich mit Franz West.

Anh Tuan Ho alias Martin Ho, 22, ist ein junger Wilder. Ein junger Wilder, der vor vier Jahren sein Sushi-Restaurant Dots auf der Wiener Mariahilfer Straße eröffnete und damit einen sensationellen Erfolg landete. Nicht nur kulinarisch: Seine extravaganten Kreationen wie Makis mit Kartoffelpüree, Minze und Aal, Wiener Schnitzel oder Liptauer, gepaart mit internationalen DJs, locken nicht nur heimisches Publikum an. „Bei uns ist jeder willkommen, ob jung, alt, ­politisch rechts oder links orientiert und egal welcher Herkunft“, beschreibt Ho sein Gästespektrum. Lenny Kravitz haben Hos „experimental sushis“ ebenso gemundet wie Diego Maradona oder Eva Longoria.

Sushi-Laden der besonderen Art
Der Szene­gastronom selbst ist international. Als Ho zwei Jahre alt war, emigrier­ten seine Eltern aus der vietnamesischen ­Hafenstadt Hai Pong nach Österreich. Der junge Anh Tuan benannte sich in Martin um, absolvierte die Vienna Business School und „experimentierte“ danach ein Jahr auf der medizinischen und auf der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien. Genug der Versuche, dachte sich sein Vater nach einiger Zeit und verlangte, der Filius solle etwas Produktives machen. „Auf die Schnelle ist mir nichts eingefallen“, gesteht Ho heute. Aber: Weit gereist war er, Ideen hatte er auch. Also beschloss er mit seiner damaligen Freundin, einen Sushi-Laden der besonderen Art zu er­öffnen. Alles was es bisher hierzulande gab, fand er „ziemlich langweilig“.

Dots No. 2 im Brunnerhof
Warum nicht Zutaten der internationalen Küche nehmen und damit Sushi „neu“ kreieren, dachte sich der junge Wilde. Die Konzession für sein Restaurant Dots besorgte ihm der Vater. Für das furiose Interieur engagierte er das renommierte Architektenteam Mumu. Der Versuch rechnete sich: Die heute 130 Sitzplätze im Dots drehen sich viermal am Abend. Ergibt 520 Essen mal 25 Euro, die ein Gast im Durchschnitt ausgibt. Und weil es so gut läuft, eröffnet Ho kommende Woche Dots Nr. 2 auf der Kahlenberger Straße 1, das unter „Dots im Brunnerhof“ firmieren wird.

Rothschild um 3.200 Euro
Auf der Speisekarte wird in altbewähr­ter Manier mit Reis und diversen Zutaten „experimentiert“, ergänzt wird die Kulinarik um internationale Speisen. Die Getränkekarte ist vom Feinsten: Österreichi­sche Rebsorten dominieren, es gibt jedoch auf Wunsch einen Lafite Rothschild 2000, Pauillac-Bordeaux um wohlfeile 3.200 Euro. Für exklusive Mitglieder wird ein Depot in der Zigarrenlounge eingerichtet, und inmitten der 600 Jahre alten Heurigengewölbe kann man sich an der Champagnerbar amüsieren. Für weibliche Gäste wurde im Brunnerhof gar ein eigener Schminkraum eingerichtet.

"Ich bin eine kleine Zicke"
Großzügigkeit ist für Ho oberstes Gebot. Auch für sich selbst. „Ich stehe irgendwann auf, richte mich ganz nach meinem Rhythmus. Es macht ja wenig Sinn, wenn ich müde im Büro sitze und mir sage, ­Alter, der Tag ist eigentlich scheiße“, schildert er mit jugendlicher Offenheit. Auch für seine Freizeitbeschäftigungen nimmt sich der Schnupper-Studiosus entsprechend Zeit. „Ich mache gerne kurze Städtetrips, wenn auch vorrangig, um internationale kulinarische Entwicklungen aufzugreifen. Und ich liebe es auch, einkaufen zu gehen. Ich gebe zu, ich bin eine kleine Zicke, kaufe gerne Accessoires von Balenciaga und Gewand von Dior Homme.“ Ho spielt auch Golf, nicht gut, aber in ­seinen Klamotten sieht er seiner Meinung nach gut aus, wenn er abschlägt.

Faible für zeitgenössische Kunst
Ho sammelt auch gerne Kunst, ganz beliebig. Von seiner letzten Asienreise hat er etwa an die 60 Laternen mitgebracht. Er interessiert sich aber vor allem für Zeitgenössisches. Von Gottfried Helnwein erwarb er etwa limitierte Bilder aus einer Serie mit Marilyn Manson. Und von Franz West kaufte er zwei Lampen. „Die schauen super aus, auf­­gedreht habe ich sie aber noch nie.“ Der Sushi-Meister unterstützt jedoch auch ­ger­ne Newcomer wie den Tausendsassa ­Julian Khol. „Von ihm habe ich das Bild „Blaufränkisch ­always worxs“, das einen orientierungslosen Clown darstellt, der ein weinverschmiertes Gesicht hat. In diesem Bild finde ich mich beispielsweise wieder“, erklärt Ho. Und wenn er nicht reist oder abends die Konkurrenz (Do & Co, Fabios, Motto) besucht, dann zieht er sich in sein Loft mit, „eh klar“, uneinsehbarem Garten zurück.

Der Traum vom Baum
So jung und so frei zu sein, das wünschen sich viele. Hat jemand, der mit 22 beruflich schon beinahe auf dem Zenit ist, noch Träume? „Ja“, meint Ho. „Ich bin keiner, der in St.-Tropez auf seiner Jacht sitzen will. Ich will mir irgendwann ein Baumhaus in Sapa, in Vietnam, an der Grenze zu China, bauen. Im Prinzip möchte ich eigentlich nur mehr Zeit für mich haben und vor allem unabhängig sein. Das ist der wahre Luxus, auf den ich hinarbeite.“ Man traut ihm das Erreichen dieses Ziels zu. So fern ist es nicht.

Von Gabriela Schnabel

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