Die Wuchtel war Norbert Ebsters Lebenstraum - heute ist er Gore-Tex-Chef

Norbert Ebster wollte eigentlich Profikicker werden. Eine Verletzung riss ihn aus seinen Träumen. Heute ist er Österreich-Chef von Gore-Tex und kickt nur noch zum Spaß.

Norbert Ebster, 56, Gore-Tex-Chef Österreich, ist immer am Ball, egal ob im Job oder privat. Er liebt Extreme, muss alles bis zur Perfek­tion ausreizen. Mit 23 Jahren wäre dem Chef der Funktionstextilien (atmungs­aktiv, wasser- und winddicht) beinahe der Sprung in die österreichische Fußball­nationalmannschaft gelungen, hätte nicht eine Verletzung seinen Traum zerstört. Das Kicken hat ihn trotzdem nie ganz ­losgelassen. Zum Profi reichte es zwar nicht mehr, als Hobbykicker macht er seinem Verein jedoch bis heute Ehre. Selbst in seinem Job steht Sport im Mittelpunkt. Die Materialien von Gore-Tex verwenden Markenhersteller wie Adidas, Puma, Nike, oder Reebok.

Lederlaberl statt Kaufmannsjob  
Ihren Anfang nahm die Sportbegeisterung des Perfektionisten in der Kindheit. Die Schule spielte für den damaligen Jungspund keine wichtige Rolle. Sein Ziel: Er wollte Fußballer werden. Lange auf der Schulbank sitzen war nicht sein Ding. Nach dem Polytechnischen Lehrgang machte Ebster deshalb rasch die Lehre zum Industriekaufmann. Als ihn sein Arbeitgeber Liebherr jedoch anschließend auf ein Traineeprogramm nach Irland oder Südafrika schicken wollte, hängte er den Beruf an den Nagel. „Damals beschloss ich, nur mehr für den Sport zu leben, und tauschte meinen Job gegen den Fußball.“ Nun glaubte er, erreicht zu haben, wovon er insgeheim schon seit seinem achten ­Lebensjahr träumte: sein Hobby als Beruf auszuüben. „Mein großes Vorbild war Kaiser Franz, weil er so elegant spielte.“ Die Entscheidung, den Job zu quittieren, fiel dem Jungkicker leicht, da er sich neben der Lehre schon gutes Geld beim Fußball verdiente. „Meine erste Gage betrug 30.000 Schilling (2.180 Euro) im Monat.“ Für damalige Verhältnis ein Batzen Geld, doch Ebster musste sich die Schillinge hart verdienen. „Das Training war ziemlich schweißtreibend“, erinnert er sich.

Aufstieg und Fall, ein Traum platzt  
Als Profi trainierte Ebster zwischen acht- und zehnmal pro Woche. Er spielte für SK ­Voest und später für Casino Salzburg. Der Erfolg stellte sich bald ein. Er wurde Kapitän der U21-Nationalmannschaft und spielte mit Größen wie Schneckerl Prohaska und Hansi Krankl und wollte genau wie die späteren Profikicker in der österreichi­schen Nationalmanschaft mitspielen. Dann jedoch das jähe Ende des Bubentraums: Ein Knöchelbruch, den er sich bei einem Meisterschaftsspiel zuzog, stoppte seine Fußballerkarriere. „Das war der härteste Rückschlag in meinem jungen Leben. ­Damals habe ich gelernt, Höhen und Tiefen zu überwinden. Ich brauchte nach meinem Unfall viel Zeit für die Heilung. Um wieder fit zu werden, habe ich sehr hart trainiert.“ Das Ergebnis war bitter: „Es hat einfach nicht mehr gereicht für ­einen Platz in der Nationalmannschaft.“ Einziger Lichtblick: Nach vielen Trainingsstunden schaffte es Ebster, dass er bei SAK Salzburg und Kufstein als Spieler aufgenommen wurde. Es blieb ihm jedoch nicht erspart, sich wieder für einen stinknormalen Job zu bewerben. Sein Einstieg beim Sportartikelhersteller Adidas war eine logische Folge, weil er bereits beim Kicken Kontakte zu dem Sportartikelhersteller hatte. Als Leiter eines regionalen Adidas-Verkaufsbüros machte er den ersten Schritt zurück ins Berufsleben.

Aufhören, wenn es am schönsten ist
Nach und nach entdeckte Ebster, dass es viele Parallelen zwischen sportlichem und beruflichem Führungsstil gibt, und münzte sein Fußballwissen auf den Job um. „Ein Trainer kann mit seiner Fußballmannschaft nur erfolgreich sein, wenn ihm die Spieler vertrauen und freiwillig folgen. Das ist im Job genauso. Wenn sich alle Firmen so akribisch auf den Wettbewerb vorbereiten würden wie die Topvereine, könnte so mancher Fehler vermieden werden“, verrät der Manager. Step by step stieg Ebster die Karriereleiter hin­auf und landete schließlich bei dem Funktionstextilienhersteller Gore-Tex. Obwohl das Unternehmen eigentlich gar niemanden einstellen wollte, konnte der damals 34-Jährige seinen späteren Vorgesetzten von seinen Fähigkeiten überzeugen. Ein Kicker ist eben hartnäckig. Die Doppel­belastung, Arbeiten und viel Fußballtraining, wurde dem Jungmanager bald zu viel.

Fußballspielen zum Spaß
Er reduzierte das Training auf ein Minimum. „Gute Spieler wissen, wann sie ­gehen müssen. Niemand kann immer und unter allen Umständen erfolgreich sein“, so der Familienvater. Bei so einem Perfektionsdrang ist es kein Wunder, dass Ebster sein Leben bis in die kleinsten Details mit Stil gestaltet. Selbst mit seiner privaten Schuhkollektion die ganze 60 Paar Schuhe umfasst, kann Ebster mit so mancher Frau mithalten. Sport und Sport gesellt sich gut. Ebster ist seit 29 Jahren verheiratet. Dass seine Frau eine ehemalige Ski-Abfahrerin des österreichischen Na­tio­nalteams ist, passte wunderbar. Irmgard Lukasser ist genauso wie Ebster eine echte Sportfanatikerin. Schmunzelnd erzählt der Gore-Tex-Chef: „Als ich meine Frau heira­tete, haben wir unsere Hochzeit auf ­Freitag verschoben, damit ich am Sonntag Fußball spielen konnte. Aber Irmgard, durch und durch Sportlerin, verstand mich.“ Im Winter trainiert Ebster in der Halle oder geht ins Fitnessstudio. Im Sommer spielt er Fußball. Wenn es der Job zulässt, bezwingt Ebster in Begleitung seiner Frau Berge und geht auf Skitouren. Der letzte Ausflug führte die Abenteurer in die Anden nach Peru. Am Gipfel angekommen, dachte er: „Am Ende steht immer der ­Erfolg, und der ist nicht immer planbar.“

Von Carolina Burger

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