Die Schule des Lebens

Ulrike Ehrlich, Kreativ-Chefin und Mit­eigentümerin des Kitzbüheler Modelabels Sportalm, hat ein ehrgeiziges Projekt: Sie plant in Kitzbühel die zweite Montessori-Erdkinderschule Europas.

Die Models haben sich in Pose geworfen, Ulrike Ehrlich, 43, Kreativ-Chefin des Kitzbüheler Modelabels Sportalm, glättet die Röcke, richtet die Krägen auf und wirft noch einen raschen Blick auf das Make-up. „Say Cheese“, ruft der Fotograf. Klick, klick, und schon hat er die ersten Bilder geschossen. Die Modechefin reißt es hin und her. Der Katalog mit der neuen Kollektion muss fertig gestellt werden. Im Nebenzimmer wartet schon ein Kamerateam darauf, die Mädels in Skianzügen, Trachten und der Fashion-Linie zu filmen, um rechtzeitig vor dem Hahnenkamm-Wochenende mit der Modelinie auf Sendung zu gehen. Und nebenbei kümmert sich Ehrlich auch noch um die Berliner Modemesse.

Ulli, wie die Modechefin eigentlich von allen ge­rufen wird, ist ein Tausendsassa. Neben ihrem Brot­beruf, der ihr viel abverlangt, ist sie noch alleinerziehende Mutter von vier minderjährigen Söhnen (der Kindesvater verunglückte tödlich).

Und für die eigenen, aber auch für andere Kids setzt sich die Business-Lady gerade ein, damit diese die zweite Montessori-„Erdkinderschule“ Europas be­suchen können. „Das Projekt ist in Kitzbühel geplant, die Schule soll im Herbst eröffnet werden“, erzählt Ehrlich. Die Erdkinderschule ist eine Montessori-Sekundarschule für 12- bis 15-Jährige mit Pensionat. Die Kinder lernen auf Basis der Landwirtschaft ­Naturwissenschaften. Vom realen Leben ausgehend, werden so akademische Inhalte erarbeitet. Nach dem Abschluss mit 15 Jahren können die Montessori-Schüler in jede weiterführende Oberstufe umsteigen.

Jedem sein eigener Rhythmus

Ein anspruchsvolles Projekt, dessen sich die vierfache Mutter da als Vorstandsmitglied des Trägervereins „Montessori for life“ annimmt. Ihre Söhne Xaver, Felix, Lorenz und Victor haben alle die Montessori-Grundschule besucht, und Ehrlich ist von diesem Schultyp und dem Grund­gedanken von Maria Montessori, „Hilf mir, es selbst zu tun!“, sehr angetan. Ehrlich: „Die Kinder werden nicht frontal unterrichtet, sondern individuell nach ihrem ­eigenen Rhythmus. Genau das, was viele Eltern heute fordern: dass die Schüler nach ihren Talenten gefördert werden und auf ihre Stärken und Schwächen eingegangen wird.“ Die Kreativ-Chefin weiter: „Meine Söhne haben natürlich alle vier verschiedene Charaktere. Und so bekommt der Träumer bei Montessori die Zeit, die er braucht, und der Vifzack wird so gefördert, dass er schon im Kindergarten fließend lesen und schreiben kann.“

In den USA ist diese Art von Pädagogik längst anerkannt und wird auch entsprechend gefördert. Hierzulande muss man das Gros der Mittel für eine solche Privatschule selbst aufbringen. „Während öffentliche Schulen mit rund 800 Euro pro Monat und Kind gefördert werden, bekommen Private gerade mal 1.000 Euro pro Jahr und Kind“, kritisiert die Kitzbühelerin. Die Forderung nach einem Bildungsscheck unterstützt sie sehr.
Ehrlich ist zwar selbst nie in den Genuss einer Montessori-Schule gekommen, lässt sich aber auch nicht einreden, dass diese Art von Ausbildung den Kindern keine wirtschaftlichen Inhalte vermittle und vor allem viel zu wenig Druck auf die Kinder ausgeübt würde. „Es heißt oft, die Kinder müssten nichts leisten, man bereite sie zu wenig auf das Wirtschaftsleben vor“, ­ärgert sich die Modefrau. Ihre Kids bekommen das Business-Leben der erfolgreichen Mama jedenfalls anschaulich vorgelebt. Ehrlich, ihre Schwester Christina, der Vater und die Prokuristin Renate Loidl schupfen immerhin ein Unternehmen, das im Vorjahr mit 760 Mitarbeitern rund 55 Millionen Umsatz erzielte und den Bilanzgewinn um 70 Prozent auf 4,8 Millionen Euro erhöhte. Produziert wird hauptsächlich in Bul­garien, verkauft werden die Fashion-Teile in Europa, Kanada, Russland und Fernost. 80 Prozent der Erlöse werden im Export gemacht.

Name der Förderer wird verewigt

Jenen, die über Montessori lachen, hält Ehrlich prominente Abgänger dieses Schultyps entgegen: Dazu zählen etwa die Gründer der Suchmaschine Google, Larry Page und Sergey Brin, deren Vermögen auf jeweils 17,5 Milliarden Dollar geschätzt wird, sowie ­Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, der auf 31 Milliarden Dollar taxiert wird.
Die Kreativ-Frau ist fest davon überzeugt, dass ihr Projekt „Erdkinderschule“ bald realisiert wird, und hofft auf die Hilfe potenter Unterstützer. Für das Grundstück und die Schule sind zwei Millionen Euro ver­anschlagt, doch auch der laufende Schulbetrieb will gesichert sein. „Pro Monat werden wir ein Schulgeld von rund 1.000 Euro veranschlagen, das abhängig vom Einkommen der Eltern sein wird“, rechnet Ehrlich vor. Ihr Zuckerl für Förderer: Deren Name wird je nach Förderhöhe in der Schule gewürdigt werden.

– Gabriela Schnabel

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