Die Fashionista: Kunstforum-Direktorin Brugger arbeitet an ihrer ersten Kollektion

Ingried Brugger, Direktorin des Bank Austria Kunstforum, entwirft ihre erste Design-Kollektion unter dem Label „4 People in Love“. FORMAT begutachtete die ersten Prototypen. 2010 wird das Label am Catwalk präsentiert.

Ein Bild wie ein Gemälde. In der Attersee’schen Jugend­stilvilla am Semmering sitzt Ingried Brugger, 44, in der nördlich angelegten Veranda. Zum Rippleiberl trägt sie eine legere dunkelgraue Pumphose aus Ballonseide. Das rote Haar umrahmt ihr ungeschminktes, blasses Gesicht. An ihrer rechten Seite schnarcht unüberhörbar Mops Xavier, eigentlich wird er Xaverl gerufen. Zu ihrer Linken sitzt der Lhasa-Apso-Rüde Jules.
Die aparte Direktorin des Bank Austria Kunstforum erzählt ohne Umschweife über ihr Leben, zwischendurch zieht sie hastig an ihrer Zigarette: „Spreche ich zu rasch?“ Sie weiß offenbar aus Erfahrung, dass man ihr schreibend nur dann folgen kann, wenn man Stenografie beherrscht. Trotz des raschen Redeflusses bringt die Ehefrau des Malers Christian Ludwig ­Attersee jedes Thema auf den Punkt. Und das sind einige: ihre große Leidenschaft, die Kunst, Leben am Semmering, ihre „Babys“, die beiden Hunde. Zwischendurch flicht Brugger ihre sportlichen Erlebnisse ein – Bergläufe und abenteuerliche Segeltörns – und kommt schluss­endlich zu ihrer jüngsten Geschichte: dem Entwerfen und Fertigen von Kleidern.

„Mag keine Marken-Junkies“
Das tut die Direktorin nicht nur für den Hausgebrauch. Nein, Ingried Brugger arbeitet an ihrer ersten Couture-Kollektion für die Damenwelt! Unter dem Label „4 People in Love“ wird die Brugger’sche Linie nächstes Jahr im Zuge der Frida-Kahlo-Retrospektive im Kunstforum im September erstmals präsentiert werden. Ganz fremd sind Brugger Nadel und Faden freilich nicht. „Schon als junges Mädchen habe ich mir die Fetzen selbst geschneidert,“, erzählt sie. Sie mag auch keine „Marken-Junkies“, mag lieber Leute, die mit ihrer Kleidung ihre Persönlichkeit unterstützen. „Das ist das Statement der eigenen Person. Außerdem schaut man eher auf interessant angezogenen Menschen“, führt sie weiter aus. Brugger selbst war schon in ihrer Jugend „anders gekleidet als die Freundinnen, ein bisschen wie auf der Bühne“.

Attersee-Drucke sind ein No-No
Die Geschichte mit Bruggers Kollek­tionsidee ist noch relativ jung. Zum einen mag sie ohnehin nicht so gerne Kleider einkaufen, „das geht mir auf die Nerven“, und zufällig ist sie in ihrem Fundus auf eine Nähmaschine gestoßen. So begann sie einfach zu nähen. „Meine Entwürfe reißen mir die Leute vom Leib“, erzählt sie nicht ohne Stolz. Sowohl die Materia­lien als auch die Schnitte sind tatsächlich nicht alltäglich. Zum Einsatz kommen schwere Vorhangstoffe, Käseleinen in Naturweiß, ein Klassiker – auch Leinen-­Voile genannt –, handbedruckte Stoffe aus Afrika oder einfache reine Seide. Was sicher nicht kommt: Attersee-Drucke, ein No-No. Ganz nach der Erkenntnis: Eine gesunde Distanz im Geschäftsbereich ist zwischen Eheleuten sicherlich anzuraten, wollen sich beide mit ihren eigenen Werken emanzipieren.

Später nur entwerfen
Wie ein roter Faden ziehen sich Modelle mit Raffungen durch die ersten Entwürfe. Pure Hand­arbeit. „Noch nähe ich alles selbst. Mein Ziel ist es jedoch, dass ich später nur mehr entwerfe“, erzählt die rothaarige Schönheit von ihren Plänen. Erst wollte sie ihre handgezeichneten Entwürfe gar nicht zeigen. Dabei sind die Zeichnungen der Selfmade-Woman ganz ordentlich. Brugger winkt aber ab: „Das eigentliche Modell entsteht erst beim Nähen. Da lasse ich meiner Fantasie freien Lauf.“ Bruggers Freundinnen dürfen bereits die heiß begehrten Prototypen tragen. Alle anderen müssen sich noch bis zum Herbst nächsten Jahres gedulden. Die erste ­Kollektion wird etwa 50 Teile umfassen. „Vorerst nur für Damen“, schränkt die Direktorin des Kunstforums ein. Die Frage nach dem Preis war rasch beantwortet. „Wir werden nicht billig werden“, so die knappe Antwort. Doch Exklusivität hat eben ihren Preis.

Förderwürdig oder nicht?
Vielleicht erhält Brugger ja eine künstlerische Förderung, im Unterschied zu ihrem Haus: Das Kunstforum bekommt keinen öffentlichen Cent. Das ärgert die ­Direktorin: „Wir haben viele Wettbewerbsnachteile, weil wir ein privates Unternehmen sind.“ Der Betrieb ist dennoch nicht zu unterschätzen: 300.000 Besucher gibt es jährlich im Haus am Hof.
Eines muss man der in Zell am See ­aufgewachsenen Frau jedenfalls lassen: Sie hat genügend Energie, um all ihre ­Projekte gut auf die Beine zu stellen. Ihr Brotberuf nimmt Brugger jedenfalls voll und ganz in Anspruch. Noch ist das Kunstforum eingerüstet, doch schon am 15. Oktober wird das Haus mit der Ausstellung „PastPresentFuture“ – Werke aus der Sammlung der UniCredit (u. a. Alte Meis­ter wie Canaletto, moderne Klassiker wie Yves Klein oder zeitgenössische wie Andreas Gursky) – neu eröffnet.

Ausstellungen, Läufe und Schneiderei
Viel Zeit zum Urlauben bleibt Brugger nicht mehr. Denn neben dem Tages­geschäft organisiert sie bereits Ausstellungen wie die Frida-Kahlo-Retrospektive (09/2010) oder die erste posthume Retrospektive zum Werk von Birgit Jürgenssen (12/2010). Dennoch: „Wenn ich am Semmering bin, schöpfe ich Kraft aus der ­Natur. Da sind Waldläufe auf den Pinkenkogel angesagt und Spaziergänge mit meinen zwei Hunden.“ Zwischendurch liest sich Brugger durch diverse Fachliteratur, philosophische Werke und gute Romane. Derzeit fesselt sie der Roman „Die Jahre mit Laura Diaz“ von Carlos Fuentes. Trotzdem hat die Lady in Red noch ­genügend Muße, sich der Schneiderei zu widmen. Noch entwirft Brugger ihre Modelle am Semmering, doch bald wird sie ihr Atelier in den Tuchlauben eröffnen.

Von Gabriela Schnabel

Im Bild: Ingried Brugger präsentiert sich mit eigener Mode als Model.

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