Der Yogi vom Kanal: Bei Summerstage-Chef Ossi Schellmann ist alles im Fluss

Szenegastronom Ossi Schellmann ist seit Jahrzehnten hauptberuflich Nachtschwärmer. Um sich seine Fitness, körperlich und geistig, auch jenseits der 50 zu erhalten, hat er Yoga für sich entdeckt.

Getrieben vom väterlichen Motto „Von nichts kommt nichts“, hat sich Szenegastronom Ossi Schellmann, 52, dreimal wöchentlich Ashtanga-Yoga verordnet, hierzulande auch unter dem Begriff Power-Yoga bekannt. „Auf der Suche nach Ausgleich, Fitness und Entspannung entdeckte ich vor ein paar Jahren diese Yoga-Form bei einem Asien-Urlaub“, erzählt Schellmann. Die Kombination von Kraft und Flexibilität, gepaart mit tiefer Atmung und Konzentration, habe ihn fasziniert.

Kopfstand für geistige Stärke
Das Ashtanga-Vinyasa-Yoga besteht aus sechs zunehmend anspruchsvoller werdenden Serien, wobei jede Serie gut drei Dutzend Übungen be­inhaltet. Den freistehenden Kopfstand, der den Abschluss nach jeder Übungs­reihe bildet, beherrscht Schellmann nach eigenen Angaben im Schlaf. Bei dieser Übung wird etwa die Hirnanhangdrüse angeregt und das Hormon Melatonin, das den Tag-Nacht-Rhythmus regelt, vermehrt produziert. Eine gute Sache für jemanden, der wie Nachtschwärmer Schellmann in der Hauptsaison sieben Tage die Woche arbeitet und jeden Tag erst frühmorgens in sein Bett kommt.

Seit 30 Jahren in der Gastro-Szene
Dafür hapert es bei den Dehnungs­übungen: „Fünfzig Jahr alte, verkürzte Sehnen verlängern zu wollen ist sinnlos“, spielt er auf seine eingeschränkte Beweglichkeit an. Den Akrobaten aus André Hellers „Begnadete Körper“ mag er ohnehin keine Konkurrenz machen, scherzt der Gastronom, der das bekannte Lokal „Summerstage“ direkt am Wiener Donaukanal betreibt. Den schlafraubenden Job macht Schellmann bereits seit 30 Jahren. „Eine echte körperliche Herausforderung“, sagt er selbst. Die vier Monate in der Sommersaison sind „Hardcore“-Arbeit, vier Monate sind Routine. Das letzte Jahresdrittel dient der Vorbereitung für die nächste Saison. „In dieser Zeit nehme ich mir auch Zeitausgleich.“ Gemeint sind kurze Reisen an die schönsten Plätze dieser Welt.

Pionier am Donaukanal
Zu Beginn seiner Selbständigkeit schaffte er noch alles „mit der Kraft der Jugend“. Ende der 70er machte sich der Sohn einer Weinbauernfamilie aus Gumpoldskirchen gemeinsam mit einem Partner als Kantinenwirt selbständig und besaß kurz darauf 18 Lokale. Aufgebaut hat Schellmann in der Wiener Szenegastronomie einiges. Er gründete das „Copa Cabana“, die spätere In-Disco U4, deren Chef er jahrelang war. Große Namen wie Johnny Depp, Prince oder Nirvana gewann er für Auftritte.
Anfang der 90er verkaufte er alles in Bausch und Bogen und widmete sich einem neuen Projekt, dem Café Stein nahe der Wiener Universität – ein Lokal, das vor allem von Studenten stark frequentiert wurde. Auch dieses ist heute nicht mehr im Besitz Schellmanns. Dafür eröffnete der Pionier vor 13 Jahren mit der „Summerstage“ das erste Lokal am Wiener Donaukanal.

Keine Religion, einfach g’sund
Eine gute Sache ist sein „Baby“, wie er die Summerstage nennt. Doch wer die 50 überschritten hat und mit so einem Körper­einsatz arbeitet, muss gegensteuern. „Seit ich Yoga mache, bin ich zufriedener, agiler, und ich denke positiver“, so Schellmanns Resümee. Ashtanga-Yoga ist die dynamische Form des Yoga, dessen auffälligstes Merkmal eine kontinuierliche Bewegung ist. Jede Körperstellung wird über eine atemkoordinierte Zwischenübung mit der nächsten verbunden. Der Körper wird so kräftiger, geschmeidiger und erhält eine vitale Ausstrahlung. „Yoga ist keine Religion“, erklärt Schellmann, „sondern eines von sechs traditionellen philosophischen Sys­temen Indiens. Ziel ist die Gesundheit des Menschen auf allen Ebenen: seelisch, körperlich und geistig.“

Das Problem mit der Kleidergröße
Dreimal die Woche kommt Yoga-Lehrer Axel Dinse bei Schellmann und seiner Frau Gabriele vorbei und gibt den beiden Privatstunden. Fitnesscenter hat Schellmann immer schon gemieden. Große Menschenansammlungen hat er ohnedies täglich in der Gastronomie. „Ich lauf eh so viel im Job und verlier im Sommer meist sieben Kilo Körpergewicht“, erzählt er. Das bringt jedoch Probleme mit seiner Garderobe, da er in der warmen Jahreszeit zwei Konfek­tionsgrößen weniger braucht. „Übergangskleidung gibt’s keine“, scherzt er.
Das 45-Minuten-Training mit dem ­Yoga-Lehrer beginnt immer pünktlich um acht Uhr, und zwar im Wohnzimmer des Ehepaares, „da ist genug Platz für uns“. Bald werden die Schellmanns ihre Übungen jedoch an der frischen Luft machen können. Und zwar auf der Terrasse im neuen Eigenheim in Wien-Landstraße. Luxus pur. „Nein, eine billige Scheidungswohnung“, so Schellmann. „Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte.“

Von Gabriela Schnabel

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