Der Vortänzer: Bar Italia-Geschäftsführer Gerhard Bodner an der Ballettstange

Der Gastronom Gerhard Bodner lebt seine Leidenschaft, den klassischen Tanz, seit seiner Jugend. Passion Nummer zwei ist das Studieren von Sprachen.

Gerhard Bodner, 41, wird von vielen beneidet. Er kann einfach essen, was er will, und nimmt dabei kein Gramm zu. Im Gegenteil: „Ich muss eher viel essen, um kein Gewicht zu verlieren“, erklärt der smarte Geschäftsführer und
Miteigentümer des In-Lokals „Bar Italia“ auf der Wiener Mariahilfer Straße. Noch dazu hat der Kerl einen gestählten Körper und einen elastischen Gang wie ein Endzwanziger. Beides kommt nicht vom Cocktail-Shaken. Bodner tanzt, leidenschaftlich gerne: „Einmal Tänzer, immer Tänzer.“

Faszination schöner Körper
Seine Liebe für den klassischen Tanz hat der gebürtige Kitzbüheler in früher Jugend entdeckt. Schon als Kind war er schwer vom Fernseher wegzubringen, wenn Ballettvorführungen gezeigt wurden. „Ich selbst bin ein sehr unruhiger Geist. Und diese schönen Menschen im TV, die sich mit ihrem Körper ausdrücken konnten, und diese Beweglichkeit, das alles faszinierte mich sehr.“ Bodner ertüchtigte sich zwar beim Geräteturnen, richtig Spaß hat ihm das aber nie gemacht. Also nahm er ab dem 14. Lebensjahr Ballettunterricht, für die damalige Zeit ein recht außergewöhnlicher Sport für kleine Buben. Doch Bodner war nicht der Einzige. Der frühere Kitzbüheler Bürgermeister Klaus Wendling teilte übrigens dieselbe Leidenschaft zum klassischen Ballett. „Meine Eltern waren sehr aufgeschlossen“, so Bodner. Der Vater, ein Kaufmann für Künstlerbedarf und Farben, und die Mutter, die vier Buben aufzog, schlugen ihm jedenfalls nicht den Wunsch ab, Ballett zu studieren. Die Eltern forderten jedoch, dass ihr Sohn erst einen „anständigen Beruf“ erlerne. Bodner absolvierte die Hotelfachschule und studierte in Paris Französisch.

Ballettschule in Budapest
Doch dann konnte ihn niemand mehr halten. Er erfüllte sich seinen Traum und ging mit 19 auf die staatliche Ballettschule in Budapest. „Ich war schon ein bisserl alt für die Schule, doch die Ungarn waren nicht so rigoros wie die Wiener“, erzählt Bodner. „Man muss eine narzisstische Ader haben. Man steht ja acht Stunden am Tag vor dem Spiegel, bemüht sich um höchste Perfektion und muss dafür immer wieder an die Grenzen gehen“, beschreibt er seine Leidenschaft. Es folgte eine Ausbildung an der Münchener Ballett-Akademie, der Bosel-Stiftung, die junge, hochbegabte Studenten des klassischen Balletts fördert. Dann ein Stipendium in Stuttgart beim britischen Tänzer und Choreografen John Cyril Cranko, dessen Choreografien mit ihren dramatischen Strukturen maßgeblich zum „Deutschen Ballettwunder“ beitrugen, das 1969 bei einem Gastspiel an der Metropolitan Opera in New York begann.

Zicke Nurejew und ein orgiastisches Feuerwerk
„Meine schönste Zeit waren jedoch die Jahre an der Leipziger Oper unter Uwe Scholz“, erinnert sich Bodner. Getanzt hat er alle großen Klassiker wie Tschaikowskys „Schwanensee“, aber vor allem sinfonisches Ballett wie Haydns „Schöpfung“, Mozarts „Große Messe“ sowie Interpretationen von Bach-Werken und von Symphonien Bruckners, Beethovens, Schumanns und Prokofjews. „Das ist ein Feuerwerk, ein Orgasmus an Bewegung, einfach nur Vollgas“, ist Bodner noch heute Feuer und Flamme. Er hatte freilich auch das Vergnügen mit dem Jahrhunderttalent Rudolf Chametowitsch Nurejew. Der war nach einer Vorstellung zickig und gar nicht willig, Autogramme zu geben. Bodner blieb hartnäckig, und es lohnte sich: „Nurejew machte eine Ausnahme mit der Bemerkung ‚For you, because you are so pretty‘.“

Lust auf Veränderung
Der junge Tänzer Bodner ging nach Frankreich. Erst tanzte er im Ballet de Marseille von Roland Petit, dann machte er Kindertheater in Paris. Bodner war zu diesem Zeitpunkt 30 Jahre alt. „Ich hätte noch problemlos weitertanzen können, wollte jedoch einen Schlussstrich mit der Theater- und Tanzgeschichte machen.“ Er wollte einfach etwas anders ausprobieren. Nach vielen Jahren Auslandsaufenthalt zog es den Kitzbüheler Buben zurück nach Wien. Dort angekommen, quartierte er sich bei seinem Bruder Manfred Bodner, dem Vorstand der Wettgesellschaft bwin, ein. „Gemeinsam haben wir
die Idee der Bar Italia geboren. Die Mariahilfer Straße war vor elf Jahren, als wir die Bar gründeten, eine kulinarische Wüste“, so Bodner. Als Tiroler ist man ständig in Italien, liebt das Dolce Vita. Die Idee, mit italienischen Speisen und gutem Kaffee ein Geschäft zu machen, lag nahe.

Unterricht im Fitness-Studio
Zwischenzeitlich gibt es die Bar Italia samt trendiger Lounge elf Jahre. Bodner arbeitet ebenso diszipliniert, wie er Tanz trainiert. Von zehn bis 17 Uhr ist er im Geschäft, geht und kommt wieder um 19 Uhr. Seine Energie tankt er beim Body-Workout am Montag im „Bodystyle“-Center in der Breite Gasse in Wien. Dienstag unterrichtet der ehemalige Tänzer Anfänger und Fortgeschrittene im klassischen Ballett im „Move on“ in Wien-Mariahilf. „Nach 90 Minuten bin ich wieder ganz frisch, das ist wie eine Gehirnwäsche“, so Bodner. Und damit dem jungen Mann nicht ganz langweilig wird, geht er noch jeden Donnerstag zum Russischunterricht. Sprachen sind seine zweite Leidenschaft neben Tanzen. Neben Russisch spricht er noch Englisch, Französisch, Spanisch und Ungarisch.
Und wo bleibt das Privatleben? Bodner: „Ich bin kein täglicher Beziehungsmensch, ich kann ganz gut allein sein.“ Sein Lebensmensch Jean Pierre, ein Edelsteinhändler, lebt in Paris. Die Treffen sind auf Weekends beschränkt, das hält die Beziehung frisch.

Von Gabriela Schnabel

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