Der Vollblüter: RZB-Vorstand Johann Strobl versorgt drei Kinder - und zehn Pferde

Johann Strobl führt ein Doppelleben. Beruflich ist der Risikovorstand bei der RZB ein knallharter Manager. Privat präsentiert er sich als liebevoller Alleinerzieher mit einer großen Passion für Pferde.

Johann Strobl, 49, ist im Sternzeichen der Jungfrau geboren. Vernünftiges, sachbezogenes Denken und Handeln wurden ihm daher angeblich in die Wiege gelegt. Bei der Arbeit setzt er sich entsprechend für methodisches und rationelles Vorgehen ein, immer Fehlern auf der Spur. Kein Wunder, dass es ein Mann mit solchen Eigenschaften weit bringt; im konkreten Fall zum Vorstand der Raiffeisen Zentralbank. Dort erfasst und bewertet er Risiken, wacht mit Argusaugen über das Controlling und die Buchhaltung. Strobl selbst bezeichnet sich als „Korrektiv“ – etwa bei der Beurteilung für die Kreditvergabe. Während der Kundenbetreuer bemüht ist, seinem Kunden einen großzügigen Kredit einzuräumen, muss Strobl die Risiken genau unter die Lupe nehmen. Mit anderen Worten: ein knallharter Banker sein.

Pferdenarr statt Löwenbändiger
Doch Strobl hat auch eine ganz andere Seite. Der Manager lebt am Land, in Mattersburg, und versorgt seit einiger Zeit als Alleinerzieher drei minderjährige Kinder samt Hund, Katz und zehn Pferden. Seiner Schar widmet sich der Banker in jeder freien Minute – ohne Wenn und Aber. Wüsste man nicht, dass man einem Banker gegenübersitzt, könnte man Strobl für einen Landwirt halten. In seiner ruhigen, zurückhaltenden Art erzählt er über seine Liebe zu Pferden und wie sie entstanden ist. „Irgendwo bekommt man als Jugendlicher ein romantisches Bild von Karl May und den Pferden, mit dem Alter kommt die Ästhetik dazu“, beschreibt ­Strobl, warum er seit 20 Jahren ein Pferdenarr ist. Verstärkt wurde sein Wunsch nach eigenen Pferden durch die Lektüre von Saul Bellows „Regenkönig“. „Hauptdarsteller Henderson, ein exzentrischer Millionär, der nach Afrika reiste, um sich selbst zu finden, schloss Freundschaft mit einem Löwen. Löwen konnte ich keinen halten, also ­entschloss ich mich, Pferde zu kaufen.“ Strobls erstes Pferd hieß Esteva und wurde 17 Jahre alt. Über den Araber Esteva kam Strobl dann auf den Geschmack, Vollblüter zu kaufen.

Ponys und Derbysieger
1994 besaß ­Strobl bereits drei Stuten, die er gleichzeitig decken lies. An Verkauf dachte der Mann keinesfalls. „Pferde sind zum Anschauen, Streicheln und Reiten da“, ergänzt er. So kam es, dass Strobl heute zehn Pferde besitzt, die ein wunderbares Leben auf seinem Gestüt haben. Die zwei Ponys Jimmy und Bely, die vier Araber Chalil, Movida, Probata und Babushkin und die vier englischen Vollblutaraber Sanditta Rositta, Sandora, Fensh und Artillerie. Eine Ausnahme bilden die beiden Letzteren, das sind Rennpferde, die bei Magna in Ebreichsdorf, in Budapest oder Bratislava zum Einsatz kommen. Dieses Hobby und die Vollblüter teilt Strobl mit Willibald Cernko, dem Neo-Vorstandschef der Bank Austria. Derbysieger Fensh heimste schon viele Siege ein und wurde auch Galopper des Jahres. Absolute Priorität im Familienverband haben jedoch die anderen Pferde.

Einkaufen, kochen, Kinder hüten
Familie hat überhaupt Priorität. Tagwache ist täglich um sechs Uhr. Eine Stunde später packt der Mann seine drei Kinder, Charlotte, 12, Stephanie, 14, und Oliver, 15, zusammen und bringt sie in ihre Schulen zwischen Mattersburg und Eisenstadt. Danach sitzt der Manager fast durchgehend bis 19 Uhr in Meetings, bevor er sich wieder auf den Retourweg ins Burgenland macht. Etwa die Hälfte der Abende ist dann oft durch berufliche Termine belegt, der Rest gehört in der Regel den Kindern, ebenso das Wochenende. Doch auch da gönnt sich Strobl keine wirkliche Auszeit. Am Samstag sitzt er vor dem Frühstück eineinhalb Stunden auf dem Hometrainer („ein Muss, ich brauche ja eine Basiskondition. Zum Golfen fehlte mir die Konstanz“), bevor er den Einkauf für die ganze Woche absolviert. Und dann wird aufgekocht: „Ich beherrsche nur die schnelle Küche wie Spaghetti oder Filet, doch die Kinder sind höflich genug, dass sie sagen, es schmeckt ihnen“, erzählt Strobl augenzwinkernd. Nachmittags widmet er sich dann meist seinen Rössern. Bei ihnen kann er keinesfalls den harten Banker markieren, andernfalls würden die sensiblen Tiere ihm sofort den Rücken kehren. Ein Korrektiv, das so manch anderer Manager auch gut gebrauchen könnte.

Von Gabriela Schnabel

Im Bild: Johann Strobl auf der Koppel in Mattersburg mit seinen Kindern Charlotte, Stephanie, ­Oliver und dem Neufundländer Winston Churchill.

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