Der neue ÖIAG-Chef Markus Beyrer ist sportlich wie auch beruflich ambitioniert

Dass in seiner Geburtsurkunde „geboren am 19. August 1965 in St. Pölten“ steht bezeichnet Markus Beyrer, 45, Noch-Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), kurzerhand als „Betriebsunfall“. Da ist er ganz heikel, denn er fühlt sich als „hundertprozentiger Kremser“: In Krems ist er groß geworden, dort war sein mittlerweile verstorbener Vater jahrzehntelang Zahnarzt. Der Bruder hat die Praxis übernommen, und noch heute leben die Mutter und die Schwiegereltern in Krems. Beyrer hat nur deshalb im St. Pöltner Krankenhaus das Licht der Welt erblickt, weil die Kremser Mitte der Sechzigerjahre ein Hygieneproblem hatten. Punkt.

Alle anderen Angaben in seinem Curriculum Vitae würden so stimmen. Was auffällt: Beyrer war in seiner jeweiligen Funktion immer der bisher Jüngste. Ob als wirtschaftspolitischer Berater des damaligen Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel, ob als Leiter der Stabsabteilung Wirtschaftspolitik der Wirtschaftskammer Österreich, aber auch als IV-Generalsekretär. Und – das steht zwar noch nicht im aktuellen Lebenslauf des Karrieristen – wenn Beyrer ab 1. Juli Alleinvorstand der Staatsholding ÖIAG wird, ist er wieder der bisher Jüngste in dieser Position.

Dieser stete Zug zum Ziel erweckt den Anschein, dass der Europa-Experte ein echter Streber ist. Freunde verneinen dies, meinen aber, dass der zweifache Familienvater „sehr strebsam“ sei. Das kann der künftige Lenker der Staatsholding kaum in Abrede stellen. Wenn er sich etwas in den Kopf setzt, dann setzt er es auch um. „Ich würde mich nicht als Workaholic beschreiben, eher als Vielarbeiter“, umreißt er seine 70-Stunden-Woche. „Es ist alles eine Frage der richtigen Balance und dass man seine Freizeit vernünftig nutzt.“

Die meisten Wochenenden und Urlaube widmet der Manager jedenfalls seiner Frau und den beiden Kindern. Meist ist die Zeit sehr knapp, aber zweimal die Woche frühstückt der Manager gemeinsam mit Tochter Lisi, 14, und Sohn Xandi, 12, und bringt die beiden anschließend zur Schule. „Ich habe Glück mit meiner Frau Petra, die sich wunderbar um die Kinder kümmert. Doch wenn sie ihrer Lehrverpflichtung bei den Schulschwestern nachkommt, bin ich für die Kinder da“, beschreibt Beyrer, wie er zwischen Beruf und Familienleben Balance hält.

Fun-Faktor Tennis

Sein Nachwuchs war es auch, der ihm den Anstoß gab, wieder Tennis zu spielen. Beyrer schrieb die beiden Kinder vor ein paar Jahren in den Tennisclub SV Schwarz-Blau in der Wiener Rustenschacherallee ein. „Im wunderbaren Clubhaus, das nach einem Entwurf des Architekten Joseph Maria Olbrich errichtet wurde, auf die Kids zu warten hat ja seinen Charme“, erzählt Beyrer. Des langen Wartens müde, zog er es bald vor, den Ball selbst wieder zu schlagen. Heute spielt er für seine Begriffe wieder intensiv, zumindest einmal unter der Woche und Samstagvormittag – entweder mit seinem Trainer oder mit dem befreundeten Rechtsanwalt Michael Alber.

Beyrers Resümee: „Ich kann mich in halbwegs überschaubarer Zeit – eineinhalb Stunden – gut bewegen und habe dazu einen Fun-Faktor.“ Sport hat im Leben des designierten ÖIAG-Bosses immer schon eine große Rolle gespielt. „Das habe ich von meinem Vater mitbekommen, der war stark auf Sport fokussiert.“ Mit 16 Jahren machte Beyrer bereits den Schein für den Segelflieger, mit 20 verdiente sich der Athlet als Wasserskilehrer im Club Med über die Sommermonate etwas zum Studium dazu, im Winter spielte er Eishockey, zwischendurch kickte er. Und Skifahren gehört heute noch zu seinen liebsten Hobbys.

Trotz aller sportlichen Ambitionen nagte auch an Beyrer der Wohlstandszahn der Zeit. „Vor vier Jahren stellte ich mich auf die Waage und wog plötzlich zwanzig Kilo mehr. Die mussten runter, keine Frage“, erzählt der Manager. Noch am selben Abend verzichtete Beyrer auf das Abendessen, zog sich den Jogging-Dress an und ging von da an regelmäßig laufen. In nur zweieinhalb Monaten war der „strebsame“ Mann sein Übergewicht los und hält es bis auf den heutigen Tag, plus/minus. Auch eine Meniskusoperation vor einem Jahr konnte den Manager nicht von seinem Sportprogramm abhalten. Regelmäßige Trainings im Medical Fitness in Wien-Ottakring, das von Beyrers Cousin Hans Meyer betrieben wird, haben den zielstrebigen Sportsmann wieder auf Vordermann gebracht.

„Wer heute im Job erfolgreich sein möchte, braucht auch eine entsprechende körperliche Fitness“, ist Beyrer felsenfest überzeugt. Das sei mittlerweile auch internationaler Standard. Als Beyrer gemeinsam mit 88 anderen Managern in den USA das Stanford Executive Program absolvierte, waren allesamt „vollfit“.

Die sportliche Prägung ist die eine Seite, die Beyrer sein Leben heute gut bewältigen lässt. Von seinem französischen Sommervater (Beyrer war in den Schulferien immer einen Monat in Frankreich) hat er die Kunst des Diskutierens erlernt. „Wenn wir eine Woche lang in der Bretagne wanderten, haben wir viel geredet. Mein Sommervater hat immer die Gegenposition bezogen, einfach um des Diskutierens willen. Das hat mich gelehrt, wenn man einen anderen Standpunkt bezieht, sieht alles ein wenig anders aus.“

Eine Technik, die Beyrer bald anwenden wird können, wenn er am 1. Juli als ÖIAG-Vorstandschef für Bundesbeteiligungen bei der OMV, der Post und der Telekom Austria zuständig sein wird. Über die optimale Weiterentwicklung kann Beyrer dann ausreichend diskutieren. Immerhin geht es um 75.000 Jobs, einen Portfolio-Wert von 5,1 Milliarden Euro und ein Gewicht von mehr als 20 Prozent des ATX.

– Gabriela Schnabel

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