Der Meisterschütze: Vatron-Chef Herwig
Haunschmid zielt auf Weltmeisterschaft ab

Herwig Haunschmid, 46, Geschäftsführer des Messtechnikspezialisten Vatron, hat ein ursteinzeitliches Hobby: Er schießt mit Pfeil und Bogen, allerdings mit einer Geschwindigkeit von 400 Stundenkilometern.

Herwig Haunschmid, 46, Geschäftsführer des Messtechnikspezialisten Vatron, einer Tochter von voestalpine und Siemens VAI, ist in jeder Hinsicht präzise. Im Job ist der Manager verantwortlich für die Entwicklung und Herstellung von Geräten für die Industrie, in seiner Freizeit ist der Mann Bogenschütze. Und das mit Leib und Seele. „Zum Jahreswechsel hatte ich nach einer dreimonatigen Pause schon Entzugserscheinungen“, gesteht er. Doch jetzt wird er sich wieder zwei, drei Stunden täglich „reinhängen“. Nicht aus Langeweile, Haunschmid hat ein klares Ziel vor Augen: „Ich will Weltmeister im Bogenschießen werden.“

Bald bester Schütze der Welt?
Ein hehres Ziel! Unerreichbar? Nicht für Haunschmid. Der Mann ist ein sportliches Supertalent. In seiner Jugend reizten ihn Tennis und Radfahren, bis er 1979 für sich das Segeln entdeckte. Sein größter Erfolg: Vize- Europameister 2000 mit dem zehnfachen Olympiateilnehmer Hubert Raudaschl. „Ich bin zwanzig Jahre intensiv Segelregatten gefahren, bis 2004 die Trendwende kam. Wegen Gesundheitsproblemen im Knie hab i gsagt: Zieh ma an Schlussstrich.“ Damals verbrachte Haunschmid mit seiner Familie einen Cluburlaub in der Türkei. Zum Tennisspielen war es zu heiß, für einen Segeltörn zu flau. So entschloss sich der Sportsmann bei lauer Brise zum Bogenschießen unter schattigen Pinien. Das war das erste Mal, dass der Manager überhaupt einen Bogen in Händen hielt. Das Sportgerät altsteinzeitlichen Ursprungs hatte es Haunschmid angetan.

Jagd auf Tierattrappen
Kaum wieder zuhause, schrieb sich der Sportsmann im Mühlviertler Bogensportverein Luftenberg ein und kaufte sich umgehend seinen ersten Recurve-Bogen. Dieser Bogentyp speichert in den Wurfarmen mehr Energie und hat daher einen höheren Wirkungsgrad als der Langbogen. Sein Favorit ist jedoch sein Compoundbogen, der durch ein Rollensystem, ähnlich wie beim Flaschenzug, die Kraftübertragung erleichtert. „Der Bogen ist sensibler zum Schießen, da man leicht sein Ziel verfehlen kann, dafür um ein Hauseck schneller, bis über vierhundert Stundenkilometer“, erklärt Haunschmid. „Im Schützenverein Luftenberg wurde bis zu meiner Mitgliedschaft nur auf Scheiben geschossen.“ Das war ihm zu eintönig. „Also habe ich empfohlen, dass wir einen 3-D-Parcours errichten“, erzählt der Manager. „Das ist viel spannender. Außerdem bewegt man sich in der freien Natur.“

In freier Wildbahn unterwegs
Gesagt, getan. Haunschmid errichtete für den BSC ASKÖ Luftenberg in der Nähe des Trainingsplatzes beim Schneebergerstüberl einen 3-D-Parcours, der mit 28 Tierscheiben bestückt wurde. Die Sportschützen üben ihr Hobby nun im Wald aus, legen dabei auch viele Höhenmeter zurück, wandern durch Schluchten und zielen nicht auf Scheiben, sondern auf Tierattrappen, die entsprechend im Wald platziert sind. „Nicht immer zur Freude der Jäger“, gesteht Haunschmid, „da sie sich durch unsere Aktivität bei der Jagd gestört fühlen.“ Er nimmt jedenfalls jede Gelegenheit wahr, weiter Spannung in sein Leben zu bringen. Auch im eigenen Garten, wo er auf eine 90 cm große Uhu-Nachbildung zielt. Eine Wirkungsstätte zum Üben hat der Schütze auch in seinem privaten Keller.

Mental-Coaching für die perfekte Technik
Doch das ist nicht alles. Haunschmid beschäftigt einen Mental-Coach, Peter Solc, mit dessen Hilfe er lernt, Schüsse zu simulieren. „Es ist für mich ganz wichtig, dass ich die Technik mit dem Bogen perfekt reproduzieren kann“, ereifert er sich. Haunschmid nimmt es ganz genau. Immer dabei: sein Spickzettel, auf dem er minutiös den Schussablauf notiert hat. „Den brauche ich zum Nachlesen von Turnieren“, erklärt er. Übung macht bekanntlich den Meister. Drei Jahre nach der Bogenschuss-Premiere war der Manager bereits Staatsmeister im Compound-Bogenschießen. Die Medaillensammlung sucht ihresgleichen: zweimal Gold bei der Staatsmeisterschaft, viermal Gold bei den österreichischen Meisterschaften, viermal Gold bei Landesmeisterschaften und Gold bei den Europameisterschaften 2007 und 2009.

Präzision und Körperbeherrschung
Wenn Haunschmid vor einer Meisterschaft steht, trainiert er gut 20 Stunden in der Woche. Das geht jetzt leichter als früher. Heute hat seine „normale Arbeitswoche“ 50 bis 60 Stunden. „In der Gründungsphase von Vatron waren das 80 bis 100 Wochenstunden“, erinnert sich Haunschmid. Seine neunjährige Tochter Maren ist genau wie der Papa vom Bogensport fasziniert. Sie übt den spannenden Sport seit ihrem vierten Lebensjahr aus.
Doch was genau fasziniert Haunschmid so sehr am Bogenschießen? „Mir geht es um die Präzision und die Körperbeherrschung“, erklärt er. Während sich das Ziel in 70 Meter Entfernung befindet, kann jeder kleinste Fehler, jede kleinste Abweichung, enorme Auswirkungen haben.

Anspannen und Entspannen, gleichzeitig
Der Schuss sieht zwar sehr einfach aus, doch steckt ein großes Können dahinter. „Die Sportart verlangt Anspannung und Entspannung im gleichen Moment, was schwer zu realisieren ist“, so Haunschmid. Um die nötige Balance zu erreichen, macht der Bogenschütze biometrische Analysen, bei denen über den Hautleitwert genau ermittelt wird, wann er in welchem Erregungszustand ist. Der Mann ist eben einfach präzise. „Ich traue mir zu, dass ich international den saubersten Schuss habe. Dafür kann ich es mir leisten, mit giftigen Pfeilen (Compoundbogen) zu schießen“, so Haunschmid. Wäre ja gelacht, wenn der Mann nicht bald die Nummer eins der Welt beim Bogenschießen ist.

Gabriela Schnabel

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