Der Mann an der spanischen Gitarre

Als Teenager wollte Martin Breiner ein großer Musiker werden. Mit 20 begrub er seinen Traum und entschied sich, Werber zu werden. Die große Liebe zu seiner spanischen Gitarre ist jedoch bis heute nicht erloschen.

Mein einziger Traum war immer Musik, Musik, Musik. Das war die große Vision in meiner Jugend“, erinnert sich Martin Breiner, 48, Chef der Wiener Agentur Headline BBN. Freilich, der Vater, ein Maschinenbauer für die Nahrungsmittel­industrie, hätte es gerne gesehen, wenn das einzige Kind in das Familienunternehmen eingestiegen wäre. Doch nichts und niemand hätte den Bregenzer Buben von seinem Vorhaben abbringen können.

Vom Klassiker zum Rocker. Im Elternhaus wurde fast nur klassische Musik gehört. Dass der Junge die Musikschule besuchte, war selbstverständlich. Mit sieben ­Jahren bekam er schon Klavierunterricht. „Doch das war nicht immer freiwillig“, gesteht er, „weil immer magst als Kind nicht Noten lernen. Zeitweise habe ich es gehasst, vor allem, wenn die Freunde im Bad waren.“

Tausche: Klavier gegen Rockband

Mit zwölf Jahren hatte Klein Martin genug, schmiss die Klavierstunden hin und begann, sich aus allen ­möglichen Abfallprodukten aus der Fabrik des Vaters Instrumente zu basteln. Sein Interesse galt einer Rockband, die immer in der Nähe des Elternhauses probte. Dort schnorrte sich Breiner dann auch sein erstes ­Musikequipment zusammen. Ziel war es, eine eigene Rockband zu gründen. „Mit 14 Jahren habe ich mit meiner Band Stage bereits die ersten Konzerte gegeben“, erzählt er stolz. Vieles haben die Jungs einfach nachgespielt, aber auch manches selbst komponiert. Immerhin: Es hörten pro Konzert gut 70 Leute zu.

Bei seinem letzten Band-Auftritt mit 15 hat der heutige Werber sogar „richtig Geld verdient, unglaubliche 7.000 Schilling“. Sein damaliger Gastmusiker war Stefan Sagmeister. „Der hat mehr schlecht als recht Querflöte gespielt“, erinnert sich Breiner lachend zurück, „dafür ist er heute ein weltbekannter Grafiker.“
Zu dieser Zeit hörte Bandleader Breiner in Bregenz auch mal einen klassischen Gitarristen spielen. Das Interesse war geweckt: „Das war für mich ein echtes Aha-Erlebnis. Ich habe mein gesamtes elektronisches Musik­equipment verkauft und mir dann eine handgemachte spanische Asturias-Konzertgitarre gekauft.“

Konservatorium mit Hauptfach Gitarre

Der Traum vom großen Musiker rückte näher. Breiner schaffte die Aufnahme an der Musikhochschule als Bester seines Jahrgangs. Mit 15 war er aber ein Jahr zu jung, um am Konservatorium zu studieren. Er entschloss sich deshalb, das musisch-pädagogische Gymnasium mit der Matura abzuschließen, besuchte nebenbei das Konservatorium, wo er vier Jahre lang das Hauptfach Gitarre belegte. „Meine beiden Vorbilder waren der brasilianische Gitarrist Baden Powell und sein Landsmann, der Komponist und Dirigent Villa-Lobos“, schwärmt Breiner von den bereits verstorbenen Genies. Der große Katzenjammer kam nach der Matura. Der Musikprofessor verordnete seinem Schüler Martin, täglich sieben Stunden zu üben. „Geübt habe ich eine Stunde und habe sie meinem Lehrer als zwei verkauft“, gesteht Breiner. „Das war natürlich am Ende des Tages zu wenig, um dorthin zu kommen, wo die Spitzen der klassischen Gitarristen spielen.“
Breiner zog einen Schlussstrich, packte das Saiteninstrument weg und ging nach Wien. Dort studierte er Spanisch und Italienisch und jobbte in der Filmbranche, bevor er an der Wirtschaftsuniversität den Lehrgang für Werbung und Verkauf absolvierte.

Eigene Agentur: Headline

Sein beruflicher Weg war vorgezeichnet. 1995 übernahm der gelernte Werber gemeinsam mit seinem Partner Ernst Eisinger die Agentur Headline. Damals gehörten die beiden zu den Ersten, die für ihre Kunden Kotányi, Almdudler, Wojnar’s und Co deren Internet­auftritt gestalteten. „Das war unsere Chance, und sukzessive konnten wir unseren Kunden ein Full Service – angefangen bei Verpackungsdesign über Werbemittel bis hin zur klassischen Kampagne – anbieten“, erzählt Breiner.

Liebe, Philosophie und Jam-Session. Das war auch die Zeit, in der er seine heiß ­geliebte Gitarre wieder aus dem Eck hervorholte. „Damals habe ich wieder begonnen, meinen beiden
Töchtern Elena und Aimee Lieder vorzuspielen“, so Breiner. Wieder richtig in die Saiten gegriffen hat der Mann dann für seine damals große Liebe vor zehn ­Jahren. „Sie sagte: ‚Ich hätte gerne, dass du mich einmal so anschaust wie deine Gitarre, wenn du spielst.‘ Da wusste ich, welche Emotionen ich noch immer beim Spielen habe“.

Heute spielt Breiner für seinen Jüngsten, den zweieinhalbjährigen Rafael. Der greift auch schon selbst zu seiner Kindergitarre und verlangt: „Papa, Gitarre spielen.“ Und Breiner hat auch wieder Muße, zu üben. Nicht zuletzt, weil er in der Technik und Präzision natürlich Mängel hat. „Für mich ist Musik Lebensphilosophie“, beschreibt er. „Es gibt keine andere Kunst, wo du so im Jetzt lebst. Der gespielte Ton ist einzigartig und vergänglich. Du kannst ihn nicht konservieren.“ Die Liebe zur Gitarre ist bei Breiner noch immer so frisch wie vor 30 Jahren. Jüngst hat er sich wieder eine E-Gitarre angeschafft und tut mit ein paar Freunden einmal die Woche „ein bisserl jammen“.

– Gabriela Schnabel

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