Der Konstante: Google-Country-Manager Karl Pall läuft und läuft - bis er abhebt

Bei Karl Pall, Google-Österreich-Chef, verschwimmen die Grenzen zwischen Job und Freizeit. Worauf er Wert legt: Disziplin in allen Lebenslagen. Was er beginnt, zieht er durch: Bislang ist er 24 Marathons gelaufen. Jetzt hebt er ab.

Karl Pall, 47, ist Country-Manager für Google Österreich. So weit, so gut. Doch was tut ein Länderchef einer Suchmaschine im Internet den gan­zen Tag? Erst einmal strenge Disziplin üben. „Ich bin spätestens um neun Uhr im Büro, ohne Wenn und Aber. Meine Haupttätigkeit sind Kundenbesuche in ganz ­Österreich“, so Pall. Konkret sorgt der ­Manager dafür, dass auf Google Österreich entsprechend viel Werbung platziert wird. „Was wir machen, ist Performance-Marketing, mit dem Ziel, eine messbare Reaktion beim Nutzer zu erzielen. Werbe­treibende zahlen quasi nur, wenn ihre ­Seiten geklickt werden“, erklärt der promovierte Publizist und Psychologe, der sich auf Marketing und Kommunikation spezialisiert hat. Der Werbekunde kann bei dieser Form der Einschaltung seine Ausgaben eingrenzen. Muss er beispielsweise pro Zugriff auf ­seine Website zehn Cent bezahlen, und der Werbetreibende will aber nur 50 Cent ausgeben, so wird die Werbung nach dem fünften Zugriff einfach ausgeblendet. Eine weitere interessante Nutzung für Werbetreibende ist das Google-Ranking. Hierbei geht es darum, dass der gesuchte Begriff an erster Stelle in der Suchmaschine aufscheinen soll. Grundsätzlich sind jene Begriffe an oberster Stelle gerankt, die am besten im weltweiten Netz verlinkt sind. Doch mit entsprechendem Know-how (Kurse, Beratung etc.) kann das sogenannte Optimieren von Suchmaschinen für ­jeden verbessert werden. „Solange in diesem Bereich korrekt gestaltet wird, unterstützen wir das gerne“, so Pall.

Nicht immer online
So gesprächig der vitale Endvierziger Pall ist, so zugeknöpft gibt er sich, wenn es um Details der weltbekanntesten Such­maschine geht (80 Prozent aller Suchbegriffe werden über Google gesucht). Die Frage, wie viele Mitarbeiter Pall in Österreich unterstellt sind, beantwortet er mit „das ist schwierig“ und „Umsätze geben wir ohnehin nicht bekannt“. Geschätzte 90 Millionen Euro dürften an Werbegeldern ins heimische Google-Netz fließen. Arbeit und Job sind bei Pall fließend, doch das Angenehme ­dabei: 70 Prozent der Arbeitszeit müssen die Mitarbeiter für ihre Kerntätigkeit bei Google aufwenden, die restliche Zeit dürfen sie tüfteln und selbst entwickeln. „Das ist echt super“, meint Pall. Trotzdem gönnt sich der gebürtige Wiener auch Auszeiten. Ganz wichtig: „Das Telefon schalte ich in meiner Freizeit ab, ich möchte nicht immer online sein“, so sein Credo. Ja, Konsequenz zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben des Google-Mannes. Wenn er sich etwas in den Kopf setzt, dann zieht er es auch durch. An­sonsten wäre es kaum möglich, dass Pall heuer im Herbst seinen 25. Marathon laufen wird. „Ich setze mir Ziele, und auf die ­arbeite ich dann auch konsequent hin.“ Zu manchen Dingen ist er allerdings auf „komische Art gekommen“, erzählt Pall.

Am Wasser, am Boden oder in der Luft
Vor Jahren sah er ein Surfbrett in einer Auslage eines Sportgeschäftes. Und obwohl er mit Surfen bis dato nichts am Hut hatte, war er zwei Jahre später Surflehrer. Erst kürzlich entdeckte der Suchmaschinen-Manager das Fliegen. Nur eine kurze Stippvisite bei ­seinem Bekannten Lucky Lichtner-Hoyer, dem Chef des Bedarfsflugunternehmens Jetalliance in Bad Vöslau, ge­nügte. „Eigentlich wollte ich nur mal den Flug­simulator ausprobieren. Ich bin London City ange­flogen und dann Innsbruck. Eine heikle ­Angelegenheit, zwischen den Bergen den Vogel heil runterzubringen“, erinnert sich Pall, als er so richtig Feuer fing. Jetzt macht er die Ausbildung zum ­Piloten. Gut 40 Stunden, und dann darf der Mann bereits eine Maschine selbst pilotieren. Zwei einstündige Trainingseinheiten pro Woche versucht der Manager ein­zu­halten. „Geht leider nicht immer, Fliegen ist jedenfalls eine neue Herausforderung.“ Ähnlich unspektakulär kam Pall auch zum Laufsport. „Ich war fasziniert von den Läufern, die 1992 am Wiener Marathon teilnahmen, und dachte, das mache ich auch.“ Aus dem Stand lief er dann gleich acht Kilometer auf der Prater-Hauptallee. Pall packte der Ehrgeiz. Später lief er ­innerhalb von nur einer Woche den Wiener (4:01) und gleich danach den Londoner Marathon (3:59).

Das Ziel ist das Ziel
Der Mann hat weder bestimmte Ernährungsgewohnheiten noch hält er sich strikt an einen Trainingsplan. Und von Pulsmessern hält Pall auch nicht viel. „Regelmäßige Trainings lässt mein Job nicht zu, ich weiß, wann ich in den anaeroben Bereich komme, und Essen muss Spaß machen“, so Pall. Dabei ist er mit seinem Gewicht nicht ganz zufrieden. Bei 1,92 Meter wiegt er 87 Kilo. „Das sind fünf Kilo zu viel“, meint er. Freilich muss der Sportler auch ein wenig in Übung bleiben. Kürzlich legte er einen schnellen Lauf auf das Kitzbüheler Horn hin: 10 Kilometer und 1.300 Höhenmeter. „Laufen ist einfach schön, das Ziel ist das Ziel“, resümiert Pall und freut sich schon auf seinen nächs­ten Marathon im Oktober in Loch Ness /Schottland. Seine angestrebte Zeit: 3:30. Doch das ist nicht sein Hauptziel: „Mein Ziel ist die Konstanz, dass ich ständig laufe. Und ob ich eine Minute früher oder ­später ins Ziel laufe, ist dabei sekundär.“

Von Gabriela Schnabel

Im Bild: Pall macht gerade den Pilotenschein in Bad Vöslau. Zwei Flugstunden wöchentlich mit der Cessna sind ein Muss.

Body & Soul

Raiffeisen-Holding Generaldirektor Klaus Buchleitner - der virtuose Problemlöser

Doris Felber gab nie klein bei. Jetzt feiert sie - und gleichzeitig die Bäckerei - ein Jubiläum.
 

Body & Soul

"Ich habe mein Leben selbst in die Hand genommen"

Zum Abschied gibts noch eine große Party im Wiener Odeon Theater.
 

body and soul

Hermann Becker, Grandseigneur der
Porsche-Holding, geht in Pension