Der ricardo.at-Chef entflieht dem schnellen Internet-Business beim Klavierspielen

Burkhard Henn, Chef des schärfsten Konkurrenten von eBay, der Online-Auktionsplattform ricardo.at, mag klassische Musik. Er spielt nicht nur Klavier, sondern komponiert auch selbst.

Der Geschäftsführer von ­ricardo.at, Burkhard Henn, 38, taucht jeden Abend für eine Stunde in die barocke Welt der klassischen Musik ein. Seine große Leidenschaft ist Beet­hoven, von ihm spielt er am liebsten die schwermütige Pathétique-Sonate. Diese Leidenschaft ist für den Manager genau das richtige Pendant zu seinem schnellen Job. Entspannung kann der gebürtige Deutsche jetzt gut brauchen, ist er doch gerade dabei, ricardo.at in Österreich aufzubauen. Die Auktionsplattform ist ein Tochterunternehmen vom Mutterkonzern ricardo.ch, die zum südafrikanischen Medienkonzern Naspers gehört. In der Schweiz hat ricardo.at übrigens dem Konkurrenten und Weltmarkt­führer eBay den ersten Rang abgelaufen.

Aufholjagd in Österreich  
Nach Schweizer Vorbild will Henn nun auch ricardo.at, das aus dem Online-Auktionshaus OneTwo­Sold hervorging, in Österreich zu Höhenflügen verhelfen. Henn kennt das Business schon lange, er jobbte zuvor beim Hauptkonkurrenten eBay. „Wir haben den Kundenstock mit einer halben Million Nutzern im Herbst 2008 übernommen und in unsere Technologie eingebettet“, schildert der 38-Jährige. Der Manager hat natürlich auch jetzt keinen 9-to-5-Job, sondern ist rund um die Uhr im Einsatz. Umso mehr freut er sich auf abendliche Klavierstunden, die Ruhe in das schnelle Treiben der Online-Welt bringen: „Meine tägliche Klarvierstunde ist ein Fixpunkt, der aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken ist.“

Blitzableiter
Das eigene Klavierspiel wirkt auf Henn „wie ein Blitzableiter“. Nur bei diesem Hobby kann der sonst so introvertierte Manager seinen Gefühlen freien Lauf lassen. „Sobald ich den ersten Ton anschlage, ist meine komplette Konzentration auf das Spiel gerichtet. Dabei kann ich auf eine völlig andere Art kreativ sein, als das im Job der Fall ist.“ ­Noten braucht Henn, der seit seinem achten Lebensjahr fleißig übt, heute keine mehr. „Ich spiele immer frei von der Leber weg, einfach wonach mir gerade ist. Das Improvisieren fördert meine Kreativität und er­öffnet neue Perspektiven“, so der Musiker. Packt ihn doch die Lust, nach Noten zu spielen, greift er eben zu Beethoven oder zu „Take Five“, dem bekanntesten Stück des Dave Brubeck Quartet.

Elektroklavier statt klassischer Flügel
Gespielt wird auf einem Elektroklavier, das Henn bei seinem jobbedingten Umzug von Berlin nach Wien mitgebracht hat. Erst kürzlich ist er gemeinsam mit seiner Frau in eine Altbauwohnung im neunten Wiener Gemeindebezirk eingezogen. „Das Klavier steht selbstverständlich im Essbereich, weil man sich dort am häufigsten aufhält und ich so meine Frau beim Kochen inspirieren kann“, schmunzelt Henn. Warum er sich ­gerade für ein elektronisches Klavier und gegen einen klassischen Flügel entschieden hat? „Weil ich so mit Kopfhörern spielen kann, das macht mich von Tages- und Nachtzeiten unabhängig.“

Teamplayer
Unabhängigkeit war auch für den Jobwechsel von eBay zu ricardo.at entscheidend. „Der neue Job hat mich gereizt, weil ich bei ricardo.at viel freier arbeiten kann und viel mehr Spielraum habe als bei eBay“, begründet Henn seinen damaligen Entschluss. Diesen Spielraum gewährt der Manager auch seinen zehn Mitarbeitern. Als Gegenleistung dafür verlangt er sorgfältige Arbeit und Feedback. Vor allem aber die Bereitschaft zur Teamarbeit. Henn will prinzipiell im Team Entscheidungen suchen. Auch im Privat­leben geht nichts ohne Konsens. Seine Frau Elina, eine Physiotherapeutin, mag klassische Musik zwar ganz gerne, doch wenn sie einmal eine andere Musikrichtung hören will, setzt ihr Ehemann die Kopfhörer auf und schaltet auf lautlos um. Nicht zuletzt manchmal auch, um die Ohren der Nachbarn zu schonen.

Talent ja, Lust zum Üben nein
Dass Henn das Klavierspielen schon als Acht­jähriger erlernte, hatte familiäre Gründe. „Meine älteren zwei Geschwister spielten Klavier. Naheliegend, dass meine Eltern auch mich zum Klavierspielen brachten.“ Sehr gern hat er aber eigentlich nie geübt. Der Mann hatte einfach Talent. Das hat auch seine Klavierlehrerin früh erkannt. „Sie glaubte an mich und erwog allen Ernstes, aus mir einen Pianisten zu machen“, erzählt der Manager ein wenig stolz, „ich habe das jedoch abgelehnt. Einzig
aus dem Grund, weil ich nicht täglich stundenlang üben wollte. Punkt.“ Fingerübungen zählen auch jetzt noch nicht zur Lieblingsbeschäftigung des Managers: „Ich lasse sie ganz aus.“ Für ihn war das Klavierstudium trotzdem eine ­Lehre fürs Leben: „Wichtig war, dass ich durchgehalten habe und rechtzeitig ein gutes Niveau erreicht habe, um dabei zu bleiben. So geht es auch im Berufsleben. Wenn die ersten Schritte erfolgreich getan sind, dann läuft’s eben.“

Von Carolina Burger

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