Der Herr der Fliegen: ÖSV- Schröcksnadel wirft seine Angel in der Ferne aus

Der ÖSV-Präsident und Unternehmer ist leidenschaftlicher Fliegenfischer. Am liebsten wirft er seine Angel in seinem Naturreservat am Barkley River in British Columbia aus.

Indian Summer am Barkley River. Ein Paradies, das die Schönheit des Nordens in Kanadas British Columbia zeichnet. Eine farbenreiche Natur, die Gedanken an die Unendlichkeit aufkommen lässt. Mitten in die Stille hinein schneidet ein Cherokee-Schlauchboot durch den Wasserspiegel. Am Steuer: ÖSV-Präsident und Unternehmer Peter Schröcksnadel, 68. Vergessen sind Termine, Veranstaltungen und alles Stressbedingte des Berufslebens, wenn der Medaillenschmied der heimischen Skination seinem liebsten Hobby, dem Fliegenfischen, nachgehen kann. „Fliegenfischen ist mehr als nur eine Trophäenjagd, eine Philosophie. Man ist von frühmorgens bis spätabends unterwegs, hat gelernt, die Natur zu lesen, und weiß, wo man die besten Fänge machen kann, besser, als das die Grizzlys wissen“, schwärmt der gebürtige Tiroler. Schröcksnadel, der beinharte Businessmann, ein verkannter Romantiker? Scheint so. Jedermann hat ja bekanntlich zwei oder mehrere Seiten.

Keine falsche Bescheidenheit

Über seinen Konzern mag der Herr Professor nicht gerne reden. „Schreiben Sie, dass ich Unternehmer von ein paar Skiliften und Gesellschafter von Feratel bin. Zu Umsätzen und Einkommen machen wir keine Auskünfte.

Ich bin nirgends operativ tätig.“ Der Mann neigt zur maßlosen Untertreibung. Das ÖOC-Vorstandsmitglied hat sich ein wahres Wintersport­imperium aufgebaut, das in mehr als 30 Unternehmen im In- und Ausland einen geschätzten Gesamtumsatz von gut 80 Millionen Euro erwirtschaftet.

Kern des Familienunternehmens bilden zwei Unternehmen: die Feratel Media Technologies AG, einer der führenden internationalen Entwickler und Anbieter touristischer Informationssysteme wie Panorama-Wetterkameras für diverse TV-Sender. Weiters die 1964 gegründete Sitour in Innsbruck. Das global tätige Unternehmen, das von Schröcksnadels Sohn Markus gemanagt wird, besitzt zahlreiche Skigebiete und Tourismus­unternehmen. Dazu zählen auch Beteiligungen an Bergbahnen in Hinterstoder, am Patscherkofel, in Lackenhof und am Großglockner sowie Unternehmen in Japan und Nordamerika.

Prinzip Hoffnung

Fischen lebt von der Hoffnung. Doch das alles juckt den praktizierenden Skirennläufer Schröcksnadel nicht wirklich, wenn er in seinem Element ist. Schon als Kind zog er dem lausbübischen Schwarzfischen das Werfen mit der Fliegenrute vor, nicht zuletzt, weil die­se Disziplin „auch erzieherisch wertvoll“ sei. „Fischen lebt von der Hoffnung, weil du oft verlierst, vor allem beim Lachsfischen in den großen Flüssen“, erklärt Schröcksnadel. Sein Lehrmeister war ein ehemaliger Weltmeister im Fliegenfischen. Ja, damals, da nahm der ÖSV-Präsident den Mund noch ziemlich voll, weil er nicht wusste, dass Fliegenfischen wahnsinnig viel Geduld erfordert.

„Oft wirfst du hundertmal, und kein Fisch beißt an“, erklärt er. „Ich hab die Fliegenfischer früher alle für deppert gehalten. Warum fischen die mit der Fliege, habe ich mich gefragt.“ Seinem damaligen Freund Herbert Galopp, der eine Fischzucht betrieb, erklärte er lässig: „Des is ja lächerlich. In drei Wochen werfe ich so gut wie du.“ Gesagt, getan: Schröcksnadel nahm Unterricht bei einem Könner, und tatsächlich hat er es nach seinen Lehreinheiten „fast so weit daworfen“ wie der Freund.

Die Jagt nach dem Riesenfisch

Die­se Methode des Fischens unterscheidet sich von anderen dadurch, dass der Köder, im allgemeinen Fliege genannt, zum Werfen zu leicht ist. Deshalb wird das Gewicht der besonderen Schnur als Wurfgewicht verwendet. Dies verlangt eine besondere Wurftechnik und spezielle Angelgeräte. Die Köderfliegen sind natürlichen Beutetieren wie Flug-, Land-, und Wasserinsekten nachempfunden.

Angetan von dem neuen Hobby, erwarb Schröcksnadel vor gut zwanzig Jahren in British Columbia eine Farm mit 300 Hektar samt dazugehörigem Fluss, dem Barkley River. „Das war mein Einstieg in die Fliegenfischerei vor 25 Jahren.“ Nicht die Farm, der Fluss war es, der es dem Sportsmann angetan hatte. „Ich habe das Land gekauft, weil der Lachsfluss durchgeht, wie der Inn, nur größer“, beschreibt er seine Latifundien. Den Kaufpreis lässt sich Schröcksnadel freilich nicht entlocken, es war jedoch angeblich damals ein Klacks: „Um den Preis kriegst heute in Wien keine Eigentumswohnung“, erklärt er.

Ein paarmal im Jahr zieht es ihn jedenfalls in sein Naturreservat. Seine große Passion ist die Jagd nach dem amerikanischen Riesenfisch, auch Heringskönig, Tarpon oder Silver King genannt. Die bis zu 100 Kilo schweren Fische kann man auf verschiedene Arten jagen. Bei der leichten, einfachen Art mittels einer glatt laufenden Winde muss man sich nur wenig anstrengen. Nach einer Stunde wälzt sich der Fisch erschöpft und wartet, bis man ihm den Haken aus dem Rachen nimmt. Oder aber auf die schwierigere Art, das Boot dicht an seiner Flanke, wobei der Fisch wild um sich schlägt und nicht selten ins Boot springt. Dazu gehören jedenfalls starke Nerven und Muskeln. Schröcks­nadel: „Diese Art potenziert das Fischen, ebenso wie beim Atlantik-Lachs oder dem Stahlkopf-Fisch. Du musst dich ständig konzentrieren, weißt nicht, wann der Fisch beißt, weil du ihn nicht siehst. Fischen wird zur Nebensache, es geht nur noch um Meditation.“

Kanada: Sehnsuchtsort und zweite Heimat

Wie auch immer: „Fischen ist spannend, das glaubt ja kana“, ereifert sich der Unternehmer. „Wenn a Lachs zupft, muasst warten, drei Sekunden. Denn der Fisch nimmt den Köder, dreht ab und geht wieder obe, das ist der Kick.“ Vor allem muss man den Fisch immer so behandeln, dass man immer unter der Reißkraft der Leine bleibt. Eine sensible Angelegenheit, denn ein Darpon beispielsweise, der bis zu 80 Kilogramm wiegen kann, wird mit einer Schnur geangelt, die eine Reißkraft von nur zehn Kilogramm hat.

Schröcksnadel freut sich schon auf das nächste Anglererlebnis in Kanada, das er als seine zweite Heimat bezeichnet. Na dann, Petri Heil!

Gabriela Schnabel

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