Der Freizeit-Manager: Unternehmer Willibald Dörflinger investiert jetzt in sein Vergnügen

Der Unternehmer Willibald Dörflinger tut nur noch, was ihm Spaß macht: Er investiert mit Herz, liebt schnelle Sportgeräte und fördert junge Leute.

Es klingt fast ein bisserl kokett, wenn Willibald Dörflinger, 57, sagt: "Seit ich vor zwei Jahren aus dem operativen Geschäft raus bin, tu ich nur noch Dinge, die mir Spaß machen." Der Mann ist Aktionär beim Leiterplattenhersteller AT&S, investiert in Biotreibstoffproduktionen, betreibt mit seinem Freund, dem Industriellen Hannes Androsch, ein Kurhotel am Wörthersee und ist kürzlich bei der deutschen Rennwagenfirma HWA AG eingestiegen. So kommt der Investor in manchen Wochen auf ein mindestens so hohes Arbeitszeitpensum wie in seiner aktiven Zeit.

Kein Getriebener
Trotzdem ist dieses Pensum für den gebürtigen Steirer anders als früher. "Ich bringe gerne meine Investments dort ein, wo ich auch meine Erfahrung einbringen kann, das ist bei der HWA genauso wie im Kurhotel Viva. Ich bin aber im Gegensatz zu früher kein Getriebener mehr und kann mir den Tag, die Woche, so einteilen, wie ich es möchte", streicht er hervor. Der smarte Unternehmer, der in der HTL für Berg- und Hüttentechnik ausgebildet wurde, hat nach wie vor eine große Affinität zur Technik.
Von der Sponsorenseite her kennt der Autofetischist die Formel 3 ganz gut, seinen Spleen für Geschwindigkeit lebt er bei Kartrennen aus, an denen er teilnimmt.

Faszination Fortbewegung
Dörflinger ist überhaupt von allem fasziniert, das sich rasch fortbewegt. Dazu zählt auch das pedalbetriebene Zweirad. "Ich mache im Schnitt täglich eine Stunde Sport", erklärt er, "der Körper bleibt in Spannung und fit", erklärt er seinen Bewegungsdrang. Das Minimum, das Dörflinger seinem Körper zumutet, ist "wenigstens eine Wörtherseerunde auf Tempo zu drehen, mit oder ohne Freunde", erklärt der leidenschaftliche Radfahrer. "Sport stärkt mich mental", erklärt Dörflinger, "wenn ich unrund bin, setze ich mich aufs Rad, bekomme so den Kopf frei, das Finden von Lösungen wird einfach und leichter."

Diagnose mit Langzeitwirktung
Gesundheitsbewusst und sportlich war der Mann schon in früher Jugend, allerdings nicht ganz freiwillig. Dörflinger wurde im Alter von 22 Jahren die fatale Diagnose Morbus Hodgkin gestellt, ein Tumor, der das Lymphsystem befällt, allerdings im jugendlichen Alter noch sehr gute Heilungschancen hat.
"Damals habe ich mich viel mit gesunder Ernährung beschäftigt und weitgehend auf Alkohol verzichtet", erinnert sich Dörflinger. Diese Ess- und Trinkgewohnheiten sind ihm in Fleisch und Blut übergegangen und haben auch eines seiner Geschäfte direkt beeinflusst: Heute macht er in seinem auf die F.X.Mayr-Kur spezialisierten Viva-Hotel am Wörthersee einmal im Jahr einen Gesundheitscheck.

Tägliche Wörthersee-Runde
Dörflinger ist jedenfalls gut in Form, für seine fast tägliche Wörthersee-Radrunde muss er immerhin die Marathondistanz von 42 Kilometern runterstrampeln. Damit nicht genug, absolviert der Unternehmer auch täglich ein zusätzliches Krafttraining. Zu diesem Zweck hat sich Dörflinger auch in seinem privaten Wörthersee-Domizil einen Fitnessraum installiert. "Ich habe jetzt wesentlich mehr Zeit als früher." Zufrieden, so sagt er, war er zeit seines Lebens immer, ob "als kleiner Angestellter, als Abteilungsleiter oder Geschäftsführer. Würde mich jemand fragen, was ich in meinem Leben anders hätte machen wollen, so würde die Antwort lauten: nichts."

Dörflingers größter Reichtum
Dörflinger kommt aus armen Verhältnissen. Aufgewachsen ist er in Judenburg, die Mutter war im Haushalt tätig, der Vater Berufsfahrer. Trotzdem: "Schlecht ist es mir nie gegangen, und Geld hat auch heute keine große Bedeutung für mich." Freilich, in den vergangenen Jahren hat sich der Unternehmer schon ein kleines Vermögen angehäuft, keine Frage. Sein größter Reichtum jedoch sei: "Dass ich nicht mehr darauf Rücksicht nehmen muss, wer mich mag und wer nicht."

Förderer junger Menschen
Ich bin sehr emotional und teilweise sehr autoritär, aber mit Gerechtigkeitssinn", beschreibt er seinen Führungsstil. "Man kann nicht Everybody's Darling sein. Leute, die alles in sich hineinfressen, sind eigentlich arm", so sein Resümee.
Der Unternehmer hilft aber auch gerne, mental wie finanziell. "Ich greife gerne jungen Leuten unter die Arme, die auf dem Weg in die Selbständigkeit sind." Wie und wem er hilft, das behält Dörflinger allerdings lieber für sich. Untypisch - und sympathisch.

Von Gabriela Schnabel

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