Der Basketballfreak: Fujitsu-Regionschef Horak ist Präsident der D.C. Timberwolves

Als Regionschef von Fujitsu verantwortet Wolfgang Horak eine halbe Milliarde Euro Umsatz. Privat kämpft er als Präsident des Basketballvereins D. C. Timberwolves um jeden Euro.

Adrenalin pur pulst durch den Körper. Wolfgang Horak, 54, sitzt in 3,05 m Höhe in einem Basketballkorb. Für ­jemanden mit Höhenangst fällt das
unter die Kategorie schwere Mutprobe. Horak zögert keine Sekunde und klettert gefasst hinauf. „Für meine Buam mach ich doch alles.“
Seine Buam sind Freitagabend in der Theodor-Kramer-Halle in Wien-Donaustadt – die D. C. Timberwolves: 2.-Bundesliga- und
U18-Mannschaft trai­nieren. Es geht entspannt, richtiggehend verspielt zu. Horak sitzt mit den beiden Trainern Robert Langer und Hubert Schmidt in einer Ecke und parliert. Das Wort gehört den Trainern, die Augen sind nur bei seinen Buam. Scheinbar beiläufig kommentiert er die Aktionen der Spieler, benennt Biografien und Background. Horak ist stolz. Schließlich holten beide Mannschaften – sämtlich Amateure – vor zwei Wochen zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte die österreichischen Meistertitel in der 2. Bundesliga und U18.

Horak ist seit einem Jahr Präsident  der D. C. Tim­berwolves und steht jungen Basketballern im Alter von acht Jahren bis zur Herrenklasse vor. In jeder Altersklasse gibt es zwei Mannschaften: Die einen werden zum Leistungssport herangezogen, die anderen spielen „AK“, außer Konkurrenz, und (nicht nur) zum Spaß. Horak ist kein Frühstücksdirektor. Im Team erarbeitet er Sponsorenkonzepte, er führt Verhandlungen mit ­Politikern und Schuldirektoren und begleitet die Schützlinge auf Wettkämpfe. Und die supertolle neue Kamera, die hat er deswegen gekauft, weil man damit „perfekte Indoor-Sportaufnahmen“ machen kann. Er hält kurz inne. „Wenn ich es recht bedenke, stecke ich meine gesamte Freizeit in den Verein“, sagt er.

Das verwundert umso mehr, als der gute Mann nicht irgendeinen Job hat. Als Regionschef von Fujitsu ­Technology Solutions hat er fast eine halbe Milliarde Euro Umsatzverantwortung und steht 1.000 Mitarbeitern vor, die für den japanischen Konzern in Mittel- und Südosteuropa bis Türkei und Israel Hardware und IT-Dienstleistungen verkaufen. 38,5-Stunden-Wochen kennt Horak nur vom Hörensagen, und seine durchschnittliche Arbeitswoche bietet Dutzende Meetings in aller Herren Länder und zahllose Flüge. Seine ­Assistentin Karin Kreuzer sieht ihn einmal pro Woche im Wiener Büro, den Rest der Zeit begleitet sie ihn via Mail, SMS und Telefon virtuell. Sie beschreibt ihn als „sympathischen, nicht abgehobenen Manager, der Entscheidungen trifft und nicht hinauszögert. Er hat keine Launen und kann loben. Keine Selbstverständlichkeit.“

Horak vereint den scheinbaren Widerspruch hoher Aktivität mit buddhistischer Gelassenheit. Die beruflichen Meriten hat er sich verdient. Er hat so spannende Dinge erleben dürfen, wie zur dot.com-Hochblüte die E-Business-Sparte für Siemens Deutschland zu konzipieren oder bit media e-Learning zu erfinden.

An Statussymbolen wie Villen, Yachten und anderen Dingen, die sich Manager in seinem Alter und seiner Verdienstklasse so leisten, hängt er nicht. „Das macht einen doch nur unfrei“, findet er. Freiheit und Freizeit braucht er auch, denn aus der ehrenamtlichen Präsidentschaft ist längst Family Business geworden. Horaks Frau Eva ist offizielle Kassier-Stellvertreterin, managt mit „Herz und Seele“ Karina Stefanov das Büro und organisiert Fahrten zu den Spielen. „Das Geld ist immer zu wenig. Aber Geldmangel macht auch kreativ“, sagt Eva Horak.

Mittelfristig arbeitet er auf zwei große Würfe hin:  
­Eigenbauspieler und Geld aufzustellen, damit seine „Wölfe“ in der 1. Bundesliga mitspielen können. Parallel arbeitet er an einem Leistungssportzentrum für den heimischen Ballsport mit. Nach dem Vorbild der Skigymnasien startet in Wien im Herbst eine neue Sportschule mit kompletter Infrastruktur: Fußball (Austria Vienna), Volleyball (HotVolleys), American Football (Vienna Vikings) und Basketball (D. C. Timberwolves) bilden hier gemeinsam ihren Nachwuchs aus.
Bis zum Grande Finale müssen noch einige Klinken geputzt werden. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja bald schon einen österreichischen NBA-Star, so ­einen wie Dirk Nowitzki. Was so eine Leuchtturm-Gestalt für eine Sportart ausrichten kann, lässt sich beim deutschen Basketballverband gut studieren. Im Timberwolves-Internet heulen schon heute einige sehr talentierte junge Wölfe.

Horak wird so entspannt und konzentriert an dem Ziel arbeiten, wie er beim Fotoshooting war. Nach ­einigen Minuten fing er bereits an zu scherzen: „Endlich müssen die Buam einmal zu mir aufblicken.“ Unten am Boden muss selbst der 1,90-m-Mann-Horak zu den hochgewachsenen Jungwölfen aufschauen.

Barbara Mayerl

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