Der Ackermann: Telekom Austria-Vorstand Goldenits baut sein eigenes Gemüse an

Walter Goldenits, Neo-Technikvorstand der Telekom Austria, beschäftigt sich in seiner ­Freizeit mit Gemüseanbau im eigenen Garten. Einziger Wermutstropfen: die Rasenpflege. Jetzt wird ein Roboter-Rasenmäher angeschafft.

Das Credo von Walter Goldenits, 39: Hauptsache, an der frischen Luft sein. Freizeitmäßig wie halbberuflich. So schwingt der Neo-Technikvorstand der Telekom Austria einmal wöchentlich den Golfschläger. Und bestellt seit einigen Jahren den familieneigenen Gemüsegarten selbst. Dass der viel beschäftigte Manager sich in seiner Freizeit mit landwirtschaftlicher Arbeit auseinandersetzt, hat nichts mit
der Anregung Fiona Swarovskis zu tun, in ­Krisenzeiten das Gemüse zwecks Eigenversorgung selbst anzubauen. Säen und Ernten kennt der aus dem Südburgenland stammende Goldenits schon von Kindesbeinen an. „Ich komme aus einer Groß­familie mit Landwirten, meist Mischbauern, die Gemüse und Körndeln angebaut und Saatgut verkauft haben“, erzählt er.

Zwei Jahre in Laibach
Mit Spaten und Vertikutierer ist der Manager jedoch erst wieder seit sechs Jahren so richtig vertraut, als er in Korneuburg sein erstes Eigenheim errichtete. Zuvor hatte er wenig Zeit, sich mit Botanik praktisch auseinanderzusetzen. Erst studierte Goldenits Technische Mathematik in Wien, absolvierte dann eine Managementausbildung in Sankt Gallen und heuerte anschließend bei Landis+Gyr an, dem weltweit führenden Anbieter von Zählern, Systemen und Dienstleistungen für die Verbrauchs­messung von Energie. 1998 wechselte der Techniker zur Mobilkom Austria, wo er 2003 zum Leiter des IT-Fachbereichs ernannt wurde. Das Know-how für seinen heutigen Job als Technikboss der Telekom holte sich der Manager vor zwei Jahren bei si.mobil, dem zweitgrößten Mobilfunker in Slowenien, einem Tochterunternehmen von Mobilkom Austria. Leicht ist ihm der Abschied von Laibach nicht gefallen: „Die Stadt erinnert ein wenig an Österreich, hat jedoch mediterranes Flair.“

Einsatz fürs Festnetz
Inzwischen ist der Telekom-Manager fest in Österreich verwurzelt. Sein Job in der Festnetzsparte fordert ihn voll und ganz. „Ich versuche, das Festnetz so zu positionieren, dass wir auch künftig überlebensfähig sind“, zeigt er sich kämp­ferisch. Die Erfolgsaussichten sind nicht so schlecht: Nach wie vor besitzen zwei Drittel der Österreicher einen Festnetzanschluss. Die mobile Form des Internets ist noch teuer, instabiler und langsamer. „Gerade Businesskunden brauchen Sicherheit bei großen Datenübertragungen.“ Gedanklich ist der Telekom-Mann jede Woche schon Sonntagabend beim Job, „das dient der Vorbereitung auf die Woche“. Meist hetzt er von Meeting zu Meeting und besucht seine Mitarbeiter an der Front, um zu schauen, „wo der Schuh drückt“. „Teamwork ist wichtig, wobei ich der playing captain bin. Nur wenn man sich selbst einbringt, kann man auch Mitarbeiter motivieren“, erklärt er. Ab Samstagfrüh gehört Goldenits allerdings ganz und gar der Familie. Dann wird gemeinsam gegartelt oder Golf gespielt. Den Abschlag am Rasen (Handicap 23), einmal die Woche, nutzt er, um bei Geschäftspartnern „etwas zu ventilieren“. „Millionendeals“ hat er dort freilich noch keine abgeschlossen, dafür den einen oder anderen „Abschluss mit Handschlag“ quittiert.

Leidenschaft Gemüsegarten
Seine wahre Passion findet der Familienvater jedoch im Garten. „Meine Domäne ist der Anbau von Gemüse, die meiner Frau Martina der Kräutergarten.“ Der familieneigene Garten in Korneuburg misst 700 Quadratmeter, das Feld für den Gemüseanbau ist jedoch überschaubar. „Der Gemüsegarten muss ja managebar sein“, erzählt Goldenits lachend, „oftmals kommen die Sorten ja gleichzeitig, und das artet wahrlich in Arbeit aus.“ Das Ehepaar nimmt die Aufzucht von Gemüse und Kräutern ernst. Wie bei guten Landwirten betreiben die Goldenits die sogenannt Fruchtwechselwirtschaft, bei der Getreide und Blattfrüchte wie etwa Kartoffeln auf derselben Anbaufläche in regelmäßigem Wechsel angebaut werden. Einer der Vorteile der jährlichen Fruchtfolge: Die Ausbreitung von Schädlingen wird begrenzt und Problemunkraut verhindert. Trotz aller Liebe zum Selbstanbau kommt im Sommer der „Frustfaktor“. Dann muss Unkraut gejätet werden. „Das tun dann meine Frau und ich arbeitsteilig.“

Selbstgezogenes schmeckt besser
Einig ist sich das Ehepaar auch darüber, dass Selbstgezogenes besser schmeckt: „Wir ­suchen das Saatgut aus und produzieren selbst, das wirkt sich selbstverständlich auf den Geschmack aus.“ Und das, was er erntet, verarbeitet Goldenits auch in der Küche selbst. Als sehr guter Koch würde er sich nicht bezeichnen, dafür experimentiere er ganz gern. Die Paradeiser, wie Goldenits Wien-konform die landläufig als Tomaten bekannte Frucht nennt, verarbeitet er mit ­Paprika, Zwiebel und Gewürzen zu einem leckeren Letscho. Auch seine Paradeis­suppe könne sich sehen lassen. Obwohl der Techniker gern umackert, setzt und düngt, hat er doch einen Herzenswunsch. „Nachdem wir keinen Gärtner beschäftigten und ich auch für grobe Arbeiten wie Rindenmulchen oder Rasen­mähen zuständig bin, überlege ich, einen Rasenmäher-Roboter mit Solarzellen anzuschaffen.“ Der Vorteil für den Manager: „Der Roboter fährt einfach nach Lust und Laune, kürzt dabei das Gras, und mir bleibt mehr Zeit für den Gemüsegarten.“

Von Gabriela Schnabel

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