"Den Ball mit Geschicklichkeit beherrschen": Michaela Steinacker bleibt immer am Ball

Michaela Steinacker, im Vorstand der Raiffeisen Holding Niederösterreich-Wien, hat ihr Leben minutiös geplant. Gerade deshalb hat die toughe Managerin auch genügend Zeit für ihre Passion: den Sport.

Wenn man will, geht alles. Auf Michaela Stein­acker, 47, Vorstand der Raiffeisen Holding Niederösterreich-Wien, zuständig für Immobilien und erneuerbare ­Energie, trifft diese Aussage jedenfalls zu. Die Managerin machte eine Bilderbuch­karriere, zog zwei Kinder groß und vergaß dabei auch nicht, ihre Bedürfnisse – in ­ers­ter Linie Sport – zu befriedigen. „Eine Frau braucht auch Zeit für sich selbst, sonst überlebt sie das alles nicht“, ist sie felsenfest überzeugt. Steinacker bekam auch den rauen Wind in der Politik zu spüren, als sie die ÖBB-Immobilientochter managte. Auch das tat ihren Erfolgen keinen Abbruch.

Liegestütze im Kostüm
Wahrscheinlich muss man mental und körperlich so fit sein, damit solche Erfahrungen an einem ab­prallen. Den Beweis, dass sie fit ist wie ein Turnschuh, tritt sie in der Sekunde in ihrem Office an. Trotz eher ungeeignetem Outfit – schmales, dunkelblaues Schneiderkostüm – nimmt die Managerin auf Wunsch der ­Redakteurin die Position für Liegestütze ein und führt das „Körperbrett“ vor: eine der besten Fitnessübungen zur Rumpfstabilisation und Kräftigung der vorderen Rumpfmuskulatur und vor allem der Bauchmuskeln. Mit solchen Attributen ausgestattet, polarisiert Frau immer, keine Frage. Auch wenn die Managerin mit ihren Erfolgen nicht hinter dem Berg hält, als „Superweib“ mag sie ganz und gar nicht bezeichnet ­werden.

Von klein auf zielorientiert
Schon in ihrer Kindheit war es für Steinacker und ihre drei Geschwister ganz normal, „Leistung zu erbringen“ und „ziel­orientiert“ zu sein. „Wir sind so erzogen worden, und das ist sehr positiv“, ist sie überzeugt. Der Vater war Bezirkshauptmann in Niederösterreich, die Mutter zog die Kinder groß, immer alles perfekt organisiert, hat sie ,,ein tradiertes Rollenbild“ gelebt. Steinacker, die in Wien geboren und in Niederösterreich aufgewachsen ist, absolvierte erst die Knödelakademie und entschloss sich, danach Jus zu studieren. Das kleine Latinum, das ihr fehlte, machte sie flugs in den Sommerferien nach, bevor sie an der Uni inskribierte. Schon während des Studiums ehelichte sie ihren heutigen Mann und war Mitbegründerin der Studentinnenverbindung Norica Nova. „So wie ich sind auch meine drei Geschwister alle in erster Ehe verheiratet. Das hängt mit Wertehaltung zusammen“, unterstreicht Steinacker eine Tugend, die ihrer Meinung nach heute nicht sehr hochgehalten wird.

Job und Kind mit Manneshilfe
Ihr erstes Kind, Sohn Christoph (heute 22, Schwester Cathi ist 19), nahm die junge Mutter die ersten sieben Monate in das Zivilingenieur-Büro mit, wo ihr erster Arbeitgeber ein eigenes Zimmer für das Baby zur Verfügung stellte. Ohne Hilfe ihres Mannes wären allerdings auch Job und Kind nicht so leicht zu bewältigen gewesen. „Mein Mann war unglaublich verlässlich, in einer Zeit, wo das nicht üblich war“, lobt sie ihre bessere Hälfte. 1988 war die Managerin ­Ministersekretärin im Umweltministerium, vier Jahre später Vorstandsassistentin in der ÖRAG und 2003 kaufmännische Geschäftsführerin in der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), bevor sie zur ÖBB wechselte. Steinacker gibt zu, dass Familie und Job eine riesige Herausforderung sind, doch habe sie immer „ein Fallnetz gehabt und Netzwerke in Anspruch genommen“, was die Kinder betrifft. Und wenn man entsprechend diszipliniert ist, geht alles.

Tagwache um 5.50
Unter der Woche geht die Frau meist vor 24 Uhr schlafen und steht um 5.50 Uhr auf. Rein in das Sportdress und raus in den Wienerwald, wo Steinacker ihre Joggingrunden dreht. Zurück im Heim, strampelt die Managerin noch ein paar Minuten am Hometrainer und schließt ihr morgendliches Training mit Liege­stützen ab. Doch nach der Ausdauer kommt – zumindest einmal die Woche – die Kür: und die heißt Basketball. Seit mehr als 25 Jahren spielt Steinacker mit ein und derselben Runde am Universitäts-Sportzentrum auf der Wiener Schmelz. „Ich bin eine leidenschaftliche Ballspielerin. Der Ball ist ein Ding, das man mit Geschicklichkeit beherrschen muss, und das macht Spaߓ, erklärt die Managerin, die in ihrer Jugend auch in der Handball-Landesliga spielte. „Du denkst nicht nach beim Ballspielen, die Anstrengung spürt man nicht so wie im Fitnesscenter, wo man sich quälen muss“, lacht Steinacker.

Fixtermine, Familie und Fasten
Sie weiß, wovon sie spricht. Samstagvormittag macht die Energiegeladene stets ihre Bauch-Bein-Po-Übungen. Wo? Im Fitnesscenter! Samstag ist jedoch auch ein Fixtermin für die Familie. „Nachdem jeder sein Sport­programm absolviert hat, brunchen wir gemütlich bis zum Nachmittag.“ Sonntags ist das Programm ein bisserl strenger: In den Sommermonaten radeln Steinacker und ihr Mann drei, vier Stunden über Stock und Stein, bis die Wadeln brennen. Und Sonntagabends beginnt wieder der Ernst des Lebens: E-Mails werden gecheckt, die Vorbereitungen auf die Arbeitswoche beginnen. Planung ist das halbe Leben, für Steinacker unerlässlich. Aber auch für eine toughe Managerin gibt es einmal im Jahr eine Zeit, in der sie für sich sein kann. „Im Herbst faste ich eine Woche nach Lützner, das ist ein Ritual“, so Steinacker. Ihr Credo: „Mit dem Absterben der Natur rein werden vor dem Advent.“

Von Gabriela Schnabel

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