Das Gewissen muss nicht daheim bleiben: Verkehrsbüro-Chef Bachlehner auf Reisen

Reisen sind das tägliche Brot von Martin Bachlechner, Vorstandsdirektor der Verkehrsbüro Group. Schnürt er mal keine Urlaubspakete, packt ihn selbst das Fernweh. Immer mit dabei: seine soziale Verantwortung.

Die Welt ist ein Buch“, wusste bereits der heilige Augustinus. „Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“ Martin Bachlechner dürfte das Buch bereits mehrmals gelesen haben, denn nach gezählten Reisekilometern hat er die Welt schon oft umrundet. Kaum jemand kann sich dem Fernweh so schwer entziehen wie der gebürtige Salzburger. Beruflich beschäftigt sich der 57-Jährige bereits seit seinem 19. Lebensjahr mit dem Thema Urlaub und Reisen. Den Weg vom einfachen Reisebüroangestellten bis zum Vorstandsdirektor des größten österreichischen Touristikkonzerns ebneten ihm die Leidenschaft fürs Reisen, die Erfahrung mit unterschiedlichen Menschen und Kulturen sowie der Riecher für Trends. Als „Kapazität im heimischen Tourismus“ bezeichnen ihn Kollegen, als „leisen Reisenden mit ausgeprägter so­zialer Ader“ seine Reisegefährten.

Abenteuer Nächstenhilfe
Bachlechners Reisetagebuch erzählt von schroffen Inseln im Indischen Ozean, von heiligen Bergen und Begegnungen im Himalaja. In illustren Runden gibt er lieber den geduldigen Zuhörer als den mitreißenden Erzähler. Sein persönliches Reiseprogramm ist kaum massentourismuskompatibel. Auch Abenteurern dürfte Bachlechners Art zu reisen eine Spur zu tief gehen. Statt draufgängerischer Routen sucht der passionierte Sportler nach Herausforderungen im zwischenmenschlichen Bereich: Als 2004 der Tsunami die asiatischen Urlaubsparadiese zu Katastrophengebieten machte, fühlte sich auch die Reiseindustrie zur Verantwortung gerufen. Jahrelang profitierten die Urlaubsmacher von der intakten Natur und der Gastfreundschaft der indigenen Völker, nun war die Zeit gekommen, einen kleinen Teil davon zurückzugeben. Die Verkehrsbüro Group und eine Hand voll heimischer Reiseveranstalter unterstützen auf Sri Lanka den Bau von Schulen. Bachlechners Erkenntnis nach der Teilnahme an dem Projekt: „Ein geregelter Schulalltag bedeutet für die Kinder den ersten Schritt zurück in die Normalität. Und ein ­jedes Kind hat ein Recht auf Bildung.“ Seitdem sind dem Touristiker Schulprojekte ein besonderes Anliegen.

Nepal – kein Paradies für den Alltag
Vor drei Jahren bereiste der Verkehrsbüro-Vorstand Nepal und das Königreich Bhutan. Auf der Heimreise begleiteten ihn nicht nur die Erinnerungen an die tiefe Religiosität der Bewohner Bhutans und an die schnee­bedeckten Achttausender Nepals, sondern auch ein „wohliges Gefühl im Bauch“. Ein zweites Projekt war geboren: In der Provinz Chitwan sollte eine neue Schule entstehen. „In Nepal sind noch heute über 72 Prozent der Frauen und 38 Prozent der Männer Analphabeten. Der zweistöckige Neubau wird über zwölf Klassen, eine Bücherei und Computerräume verfügen“, erzählt Bachlechner nicht ohne Stolz. Eröffnet wird die Schule heuer im Herbst. Die Liebe zu Asien und speziell zum ­Himalaja teilt der Vielgereiste mit einem ­anderen Österreicher, der sich bereits in den 30er-Jahren als Pionier dorthin wagte und lange bevor Reinhold Messner mediale Gipfelsiege feierte, als erster Mensch den 8.153 Meter hohen Cho Oyu erreichte. ­Herbert Tichy, der trotz seiner zahlreichen Bücher und einzigartigen Leis­tungen heute in Vergessenheit geraten ist, blieb zeit seines Leben ein ewig Suchender und Lernender. Als solcher sieht sich auch Martin Bach­lechner. Die Grenzen, die den profanen ­Urlauber vom demütigen Reisenden trennen, hat er längst überschritten. Was der Salzburger mit Arbeitsplatz Wien sucht, befindet sich hinter dem Horizont: „Auf Reisen führt mich Erlebtes und Erfahrenes zur Selbst- und Welterkenntnis.“ Philosophi­sches gehört demnach auch zu seiner favorisierten Bettlektüre. „Der Mönch in mir“ von „Furche“-Herausgeber Heinz Nußbaumer hat ihn zu einer Reise auf den Berg Athos inspiriert.

Auf der Suche nach dem Mönch in mir
Gemeinsam mit einem guten Freund und oftmaligen Reisegefährten hat sich Bachlechner aufgemacht, das „Abenteuer Athos“ zu erfahren. Zwischen den langen Bärten der Mönche des heiligen Berges nahmen sich die asketische Gestalt und der kahl geschorene Kopf des Besuchers durchaus ungewöhnlich aus – eher buddhistischer Mönch als christlicher Einsiedler. Die Erfahrung, kaum zweieinhalb Flugstunden von Öster­reich in eine komplett andere Welt einzutauchen, war selbst für den erfahrenen Reisenden neu. „Im Zehn-Bett-Zimmer zu übernachten, den Alltag der Mönche zu teilen, inklusive fünf Stunden mitbeten, und nur 15 Minuten für die Nahrungsaufnahme zu haben, war eine echte Herausforderung“, beschreibt der Mönch auf Zeit seine Erfahrungen. Für Freunde des Verkehrsbüro-Managers umso erstaunlicher, denn Bachlechners kulinarische Reisen führen ihn allwöchentlich zum Wiener Naschmarkt. „Dort lebt die k. u. k. Monarchie in der Gastronomie wieder auf. Mägen kennen eben keine Grenzen“, schmunzelt der Stammgast des kroatischen Fischrestaurants Nautilus. Die Erkenntnis aber, die er vom Berg Athos mitnahm: „Auf keiner meiner Reisen habe ich erlebt, dass es möglich ist, innerhalb kürzester Zeit total abzuschalten.“ Martin Bachlechner wird auch weiterhin viele Reisekilometer in seiner Funktion als Wohltäter zurücklegen. Vorerst ist aber ­Erholung angesagt. Sein Urlaubsziel heißt Botswana, jenes Land, das für viele afrikanische Nachbarländer als Modellstaat gilt und in Sachen nachhaltiger Tourismus eine Vorreiterrolle einnimmt.

Von Romana Kanzian

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