Das Designerduo Wendy & Jim macht Musik

Helga Schania & Hermann Fankhauser designen als "Wendy & Jim“ Mode für Frauen und Männer. In der Freizeit machen sie Musik: Sie spielt in einer Band, er legt als DJ bei internationalen Fashionpartys auf.

Sie sind anders. Sie sind schräg. Sie sind internationale Modedesigner. Das Duo Wendy & Jim - mit bürgerlichen Namen Helga Schania und Hermann Fankhauser - lebt und arbeitet in Wien. Die beiden Helmut-Lang-Schüler lernten sich beim Studium an der Angewandten in Wien kennen, und ihr gemeinsames Ziel war Paris. Anfang des neuen Jahrtausends waren sie dann tatsächlich nach Vorbild Lang die ersten Austro-Designer in der Modestadt an der Seine. Dort machten sie mit dem neu eingeführten Präsentationsmodus der Still Performance Furore. Die Kollektionen von Wendy & Jim sind auch nach wie vor Bestandteil der Pret-à-porter-Schauen in Paris. Sie selbst bezeichnen ihren Stil als trocken und langsam. Jedes Kleidungsstück, jedes einzelne Kollektionsteil ordnet sich immer einem Gesamtthema unter, dessen oberste Bedingung das ästhetische Konzept ist.

Das Austro-Label ist auch immer provokativ, wie etwa mit seiner Unterwäschekollektion, auf der Clowns in Porno-Stellungen zu sehen sind. "Lang hat imagemäßig auf uns abgefärbt, aber nicht designphilosophisch.“ Mitarbeiter haben die beiden so gut wie keine, die Produktion ist ausgelagert nach Portugal und Kroatien.

Heute ist ihre "Normalo-Mode für beide Geschlechter“ in Shops von Tokio bis Stockholm zu finden. Nur in der Heimat sucht man Wendy & Jim vergeblich, mit Ausnahme eines Geschäfts in St. Pölten. "Die Österreicher schauen lieber über die Grenzen. Das ist unseren Händlern wertvoller als das, was im eigenen Land passiert“, kommentiert Fankhauser zynisch.

Neues Parfum mit Sex-Note

Das Business funktioniert auch ohne Einkäufer aus der Donaumetropole. Jährlich produziert das schräge Duo rund 10.000 Stück. Schön langsam fließt auch Bares in die Kasse. "Wir sind noch immer nicht bei der vollen Ernte, aber es kommt langsam“, so der weibliche Part. Wendy & Jim werden sogar schon kopiert. Denn eine ihrer Kreationen - ein Kleid, das man in zwei Richtungen tragen kann - wurde von H&M abgekupfert. Fankhauser: "Man ärgert sich zwar, aber man wird auch sichtbar.“

Das neueste Projekt gibt es bald zu riechen. In Flakons aus der Porzellanmanufaktur Augarten in Form von Fuchsskelettköpfen. Der Duft, der mit der Saint-Charles-Apotheke kreiert wurde, soll an ein Paar erinnern, "das gerade Sex hatte“. "Der Mann trinkt Whiskey und raucht eine Zigarette, die Frau liegt im Bett“, erzählt Schania.

Im echten Leben sind Wendy & Jim kein Paar. Aber neben der Mode haben sie noch eines gemeinsam: die Musik - wenn auch mit unterschiedlichem Geschmack. Schania spielt in der vor fünf Jahren gegründeten Band "Das Fieber“. Fankhauser mischt die internationale Modeszene mit seinen Techno-Beats bei Partys auf. Gefragt sind die beiden auch gemeinsam als DJs, allerdings nur noch hintereinander. Denn das einzige Mal, wo sich das Designerduo in den gemeinsamen 14 Jahren in die Haare gekriegt hat, war ein Abend in Barcelona. "Wir waren damals als DJs engagiert und haben richtig gestritten, weil wir uns nicht einigen konnten. Bis heute können wir darüber nicht lachen“, erklärt Schania.

Immerhin nimmt sie für sich in Anspruch, dass sie einen "breiteren Musikgeschmack“ hat und "mit Techno nicht viel anfangen“ kann“ Schania genoss 18 Jahre Klavier- und Orgelunterricht, mit "mäßigem Erfolg, aber mit maximalem Enthusiasmus“. Heute bedient sie in der Band das Keyboard und den Bass und singt. Die Frage, was da für eine Musik gemacht wird, kann Schania zwar nicht beantworten.Voller Einsatz ist jedoch garantiert: "Wir spielen einfach drauflos, und es wird immer elektronischer.“ Vergangenes Jahr produzierte die Band gar eine Vinylplatte. "Die haben wir aber eher als Kunstwerk und weniger als musikalischen Genuss verkauft“, so die Designerin Wendy. Meist spielt die Musikerin gemeinsam mit ihren Bandmitgliedern Bernhard Kern und Robert Stadlober, ihrem Mann Philipp Ruthner, dem Skateboarder-Urgestein Christian Tanzer, Albert Mayr und Regisseurin Cordula Thym bei Kunstveranstaltungen.

Counterpart Fankhauser ist indes als DJ tätig, ob auf der Dior-Party in Berlin, auf der Bread & Butter oder bei Comme de Garçons in Barcelona. "Das ist nicht so professionell, aber es macht Spaß.“ Er legt wie erwähnt nur Techno auf. "Meine Spezialität ist, dass ich nur eine CD auflege. Die lasse ich eine Stunde durchspielen, und dann legen die anderen auf.“ Dass Fankhauser mit Ausnahme von "ein wenig Country“ auch ausschließlich Techno hört, kommt offenbar auch seiner Kreativität zugute. "Das regt mich an, wenn wir unsere Kollektion machen, versetzt mich in eine gewisse Stimmung.“ Die Wendy&Jim-Community ist jedenfalls schon gespannt auf die technoide Mode next Season.

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dasfieber.tumblr.com/

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