Café+Co-Boss Gerald Steger und seine große Passion - das Judo

Das Credo von Gerald Steger, Geschäftsführer der Café+Co Holding, ist das Prinzip der maximalen Effizienz. Diese Philosophie liegt auch dem Judo zugrunde – der großen Passion von Steger.

Gerald Steger, 50, geht in Bauchlage, stützt sich mit beiden Händen am Boden ab und wandert mit den Beinen rückwärts die Wand hinauf, bis er senkrecht im Handstand steht. Dann die ganze Übung retour. „Das geht ordentlich rein“, schnauft der Geschäftsführer der Kaffeeautomaten-Holding Café+Co. „Dafür erziele ich maximale Wirkung bei einem Minimum an Aufwand“, ergänzt er. Ohne Wenn und Aber absolviert der Mann täglich sein 20-minütiges Fitnesstraining am Morgen: Dehnen, Liegestütz, Sit-ups, Kniebeugen sowie Kopf- und Handstand. Ohne diese Übungen könnte Steger seiner Passion, dem Judo, nicht nachgehen. „Man trainiert Beweglichkeit, Geschmeidigkeit, alle Muskeln und muss relativ viel mitdenken“, so Steger. „Judo ist durchaus vergleichbar mit einem Schachspiel, nur dass man nicht stundenlang nachdenken kann.“

Seit 33 Jahren ist Steger ein Braungurt-Träger. Das entspricht dem letzten Schüler-Grad im Judo. Und diesen Zustand möchte der gebürtige Kärntner ändern: „Ich werde heuer den schwarzen Gürtel machen, damit das Thema endlich ein Ende hat“, lacht Steger, der sich dann auch „Meister“ nennen kann.

Doch Titel stehen beim Judo nicht im Vordergrund. Vielmehr ist die japanische Kampfsportart ein Weg zur Leibesertüchtigung und darüber hinaus eine Philosophie zur Persönlichkeitsentwicklung. „Ich kann beim Trainieren sehr gut abschalten, da eine hohe Konzentration erforderlich ist, um etwa richtig zu fallen“, erklärt Steger. Er ist kein begeisterter Bodenkämpfer, dafür ist der Judoka im Wurfbereich gut. Ein zentraler Aspekt ist hier das Gleichgewichtbrechen, Kuzushi genannt. „Damit beginnt jeder Wurf, und das Gleichgewicht lässt sich niemand gerne nehmen“, versucht Steger die Kunst dabei zu erklären.

Aus der Not eine Tugend

Zum Judosport kam der Manager im Internat, eigentlich wegen seiner mangelnden Kickerqualitäten. „Auf unserem Bergbauernhof ist der Ball wegen der Neigung immer davongekullert, deshalb hat sich dieses Interesse bei mir in Grenzen gehalten“, resümiert Steger. „Und im Internat wurde Judo angeboten. Dieser Sport hatte den Vorteil, dass mein Rückstand beim Ballspielen nicht so aufgefallen ist“, erinnert er sich. Dafür hatte der junge Mann schon damals entsprechende Kondition. Täglich musste er 14 Kilometer und 300 Meter Höhenunterschied zu Fuß zurücklegen, um die Schule zu besuchen. Doch Hürden sind für Steger da, um genommen zu werden.

Ein ruhiger, unauffälliger Kämpfer

1980 stieg der Kärntner mit zwei Koffern am Bahnhof Wien-Meidling aus, um in der Bundeshauptstadt Betriebswirtschaft und Informatik zu studieren. Nach einem kurzen Praktikum in Deutschland absolvierte Steger eine Molkereiausbildung, bevor er bei Pikano Marketing- und Verkaufsleiter wurde. Dort, in der Milchwirtschaft, wo er zuletzt für wesentliche Teile der Umstrukturierung zuständig war, machte er auch Karriere. Das war nicht immer ein Honiglecken. „Ich war für die unangenehmen Dinge zuständig. In Spitzenzeiten habe ich alle 14 Tage einen Standort geschlossen“, so Steger. Vor elf Jahren wechselte er zu Café+Co und baute das Unternehmen aus. Heute ist der Kaffee automaten-Erzeuger Marktführer in Zentraleuropa: In den 17 Töchtern in 12 Ländern sind 1.200 Mitarbeiter beschäftigt, die zuletzt 134 Millionen Euro Umsatz erzielten. Sein beruflicher Einsatz hat Steger das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik eingebracht.

Dafür hat der Manager auch seine Freizeit oft hintangestellt. Seiner Passion ist er trotzdem treu geblieben, wenn auch mit Unterbrechungen.

Jetzt möchte er es aber angehen. Das „Gesundheits-Judo“, wie Steger seinen derzeitigen Trainingsstatus beschreibt, wird nun verschärft. Es wird schon einige Monate dauern, bis der Judoka fit ist für den schwarzen Gürtel.

– Gabriela Schnabel

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