Born to be wild: Ingrid Roosen-Trinks liebt
Kultur und ihre Harley

Ingrid Roosen-Trinks, Vorstand der Montblanc Kulturstiftung, kann ihre kulturellen Neigungen gut in ihrem Job ausleben. Privat genießt sie das wilde Leben bei Ausfahrten auf ihrer kernigen Harley-Davidson.

Noch ein paar Tage sind es bis zum größten Harley-Davidson-Treffen der Welt: Ab Montag feiern eine halbe Million ­Biker in Sturgis, South Dakota, einem Bundesstaat der USA, eine Woche lang ihre chromblitzenden Kult-Motorräder. Für Ingrid Roosen-Trinks, 56, Vorstand der Montblanc Kulturstiftung, die sich selbst als „Harley-Freak“ bezeichnet, ist diese Zusammenkunft ein Must. Wie auch für viele andere Biker.
„Wenigstens einmal muss man bei diesem Event dabei gewesen sein“, erklärt die Lady lächelnd. Der Event ist nämlich nichts für sanfte Gemüter. Abgesehen davon, dass die meisten Biker ihr Nachtlager unter freiem Sternenhimmel aufschlagen, geht hier auch lärmtechnisch die Hölle ab. Das bizarrste Ereignis ist das traditionelle Verbrennen der japanischen Bikes wie Kawasaki, Yamaha & Co, die despektierlich „Riceburner“, also Reisbrenner, genannt werden. Dabei werden die japanischen Zweiräder auf einen Haufen geschichtet und dann Voodoo-mäßig mitten in der Nacht mit einem riesigen Feuerstrahl vernichtet. Roosen-Trinks erinnert sich auch daran, dass an einem abgestorbenen Baum eine Honda hing und man diese gegen Bezahlung von einem Dollar mit einem Vorschlaghammer bearbeiten durfte.
Gott sei Dank fährt die Lady ja die richtige Marke. Und das schon seit 30 Jahren. „Damals habe ich mir die Harley-Davidson Softail Heritage um 10.000 Dollar aus Texas geholt“, erzählt sie. Dieses Bike bietet mehr Komfort, weil es weicher gefedert ist. Den knattrigen Sound, den man beim Fahren ständig in den Ohren hat und den Roosen-Trinks so liebt, kriegt man allerdings auch geboten. „Nach einer mehrstündigen Ausfahrt dröhnt der Kopf dann die ganze Nacht“, beschreibt sie das Feeling.

Als klassische Rockerbraut würde sie sich nicht bezeichnen. Die Managerin liebt eher beschauliche Touren auf ihrer knallroten Harley mit ihrem Mann Helmut, und Massenansammlungen meidet sie üblicherweise. Ausnahmen sind Kultur-Events, bei denen es naturgemäß wesentlich gesitteter zugeht. 15 Jahre ist es her, dass die Montblanc-Stiftungsmanagerin ihr kulturelles Know-how in den Dienst der ­edlen Füller und Zeitmesser stellte. Damals entstand gerade nach einer Idee von Leonard Bernstein und Lord Yehudi Menuhin die Philharmonie der Nationen – in Kooperation mit Montblanc. Der Dirigent Justus Franz realisierte mit diesem internationalen Orchester eine Vision von Frieden und Harmonie. Talentierte junge Musiker aus 40 Nationen und fünf Kontinenten vereinigen sich in diesem Ensemble, das bisher mehr als 1.000 Konzerte aufführte.

Montblanc sponsert auch unbekannte Künstler

Montblanc sponsert aber auch andere Künstler und Events. So etwa das „White Nights Festival“ von Valéry Gergiev, wo junge Stimmen mit dem „Montblanc New Voices at Stars of the White Nights“-Award ausgezeichnet werden. Der Nachwuchs ist ohnehin im Fokus der Stiftung. So wird im Zuge der „Montblanc Young Artist World Patronage“ unbekannten Künstlern die Möglichkeit gegeben, den Montblanc-Stern zu interpretieren. Ausgewählte Arbeiten werden dann als Reproduktion in allen 360 Boutiquen weltweit zeitgleich für sechs Wochen ausgestellt (siehe kleines Foto).
Roosen-Trinks macht ihren Job gerne und hat ­ihren beruflichen Wechsel bis heute niemals bereut: „Ich bin dankbar für das Privileg, mich beruflich mit Dingen beschäftigen zu dürfen, die ich auch privat sehr schätze.“

Erst „in the air“, dann „on air“. Dabei ist ihr das kulturelle Engagement nicht in die Wiege gelegt worden. Das hat sich die Managerin nach und nach angeeignet. Bei ihrem Einstieg in die Berufswelt entschied sich die gelernte Einzelhandelskauffrau dafür, Jeans-Läden zu betreiben. Später wollte sie „hoch hinaus“ und heuerte bei der Lufthansa als Stewardess an. Nach zehn Jahren wollte Roosen-Trinks wieder festen Boden unter den Füßen spüren und wechselte deshalb zu Bertelsmanns „Klassik-Radio“, quasi als Mädchen für alles – von Moderation bis hin zu PR. Bis eben Montblanc auf die zielstrebige Dame aufmerksam wurde. Heute kommen sie alle, wenn Roosen-Trinks ruft: Lang Lang, Jerry Hall, Gérard Depardieu oder Eva Green. Roosen-Trinks sorgt dafür, dass die Luxus­marke stets im Glamour-Licht strahlt. Nicht zuletzt war sie auch Drahtzieherin hinter den engagierten Projekten „Young Directors Projekt“ und „Young ­Singers Project“, die jedes Jahr mit Erfolg bei den Salzburger Festspielen über die Bühne gehen.

High Heels und Biker-Boots

Aber die Kulturmanagerin freut sich auch schon, wenn die Salzburger Festspiele vorbei sind und sie die High Heels mit ihren Bikerboots tauschen kann. Allerdings nicht bei jedem Wetter. „Ich fahre nur ab zwanzig Grad plus Außentemperatur, dann aber in Jeans und Cowboystiefeln“, erklärt sie. Und wenn es mal regnet, nützt Roosen-Trinks die Gelegenheit, um ihre Harley auf Hochglanz zu bringen und lockere Schrauben wieder anzuziehen. Gemäß dem Motto: Selbst ist die Frau.

– Gabriela Schnabel

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