Bikermania mit Neumann & Partner-
Geschäftsführer und Benzinbruder Hans Jorda

Hans Jorda ist ein Benzinbruder. Mit zwei Jahren saß der Geschäftsführer beim Personalberater Neumann & Partners zum ersten Mal auf einer Harley. Während des Studiums jobbte er in Werkstätten, nun besitzt er Dutzende Bikes und träumt von einem eigenen Motorrad-Museum.

Für Hans Jorda, 51, Gesellschafter beim Personalberater NP Neumann & Partners, sind die Zweiräder quasi "eine genetische Veranlagung". Das erste Mal saß Jorda als Knirps von zwei Jahren auf dem Tank eines heißen Ofens, der Einzylinder-Harley-Davidson, die der Großvater 30 Jahre lang bis zu seinem Tod fuhr. "Als Opas Motorrad einem Schrotthändler übergeben wurde, wehrte ich mich mit Händen und Füßen, um dies zu verhindern", erinnert sich Jorda. Sein Vater, ebenfalls ein Biker-Freak, beharrte zeitlebens auf der Feststellung, dass er "die Knie-raus-Technik" erfand. "Ich glaube vielmehr, dass Vater bei seinem Gardemaß von 1,90 Metern nicht wusste, wo er seine langen Beine unterbringen sollte", so Sohn Hans.

Das erste Mal: eine herbe Enttäuschung
Die ersten eigenen Ausfahrten unternahm Jorda verbotenerweise auf der KTM-Maxi seiner Mutter, bevor er sich sein erstes Zweirad, eine silberblaue Honda SS 50, kaufte. Die Fahrt von der Motorradfirma Faber in Wien ist ihm noch in bester Erinnerung, "den Give-away-Alukamm mit der Aufschrift Honda habe ich heute noch". Die Enttäuschung war für den Jungspund allerdings groß, weil der Motor des Mopeds so gedrosselt war, dass er nur heiße 42,5 Stundenkilometer ermöglichte.

Gleichheit unter den Bikern
Erst nach dem Umbau des Schwungrades auf die getunte Version waren wenigstens knapp über 80 Sachen drinnen. Es folgten eine gebrauchte "Zapp" (Zündapp) und nach bestandener Führerscheinprüfung eine 350 RD Yamaha. Und dann gab es kein Halten mehr: Heute besitzt Jorda knapp drei Dutzend Maschinen.
Was ist der große Reiz dieses Hobbys? "Du bist in der Natur, und unter den Bikern sind alle gleich, ob Schwerverbrecher oder Manager. Im Zweifelsfall hilft dir eher der Schwerverbrecher", so der Personalberater.

"Das Motorrad" als Bibel
Während Jorda sein "gähnend langweiliges Jusstudium" absolvierte, war seine wahre Bibel "Das Motorrad", ein österreichisches Fachmagazin. Auf einer Zweiradmesse lernte er dann Wolfgang und Ferdinand Porsche kennen. Die beiden waren damals die österreichischen Generalimporteuere für Yamaha-Motorräder. Die Branche faszinierte auch den angehenden Juristen. Anstatt sich in einer Anwaltskanzlei kundig zu machen, jobbte der Studiosus lieber in der Wiener Postgasse bei der Firma Obrecht, wo der Sohn des Hauses, Karl, ein kleines, feines Motorradgeschäft führte. "Ich wusch den Gehsteig, verwaltete Ersatzteile und führte Verkaufsgespräche", so Jorda. Und er werkte dann auch als Praktikant bei der Firma der Porsche-Brüder, Jamoto.

BMW-Verkaufschef
1977 tauschte der studierte Jurist mit Harvard-Diplom das bürgerliche Gesetzbuch gegen den heißen Gasgriff. Schuld daran war ein gewisser Herr Strasser, damals Jamoto-Geschäftsführer. Dem gefiel der emsige Jorda; er bot ihm an, nach dem Studium als Verkaufschef für BMW Österreich zu arbeiten. Jorda nahm an und blieb drei Jahre. "Urteile zu schreiben war ohnehin nicht meine große Stärke", gibt er freimütig zu. Dann juckte ihn die Vorstellung der Unabhängigkeit: "Es war schrecklich für mich, nur daran zu denken, dass ich zehn Jahre lang bei ein und derselben Firma arbeiten muss."

Verschmähte Liebe
Jorda hatte keine Ahnung von der Personalberater-Branche, bewarb sich jedoch 1984 bei der Firma Neumann. Seine Überlegung: "Dort lernst viele gscheite Firmen kennen, und da suchst dir dann eine zum Arbeiten aus." Gefallen hat ihm das heute weltgrößte Kosmetikunternehmen L'Oréal. Also heuerte er bei Hans Biffl, dem langjährigen Österreich-General des Konzerns, an. Als Jorda von seiner Liebsten in Wien verschmäht wurde, flüchtete er zu Neumann Salzburg und sagte L'Oréal adieu. Dessen Chef blieb hartnäckig. "Biffl schickte mir drei Jahre lang alle Zeitungsartikel, die negativ über Zweiräder berichteten, um mich umzustimmen", so Jorda.

Mateschitz beinahe für Coca-Cola geworben
In seinem Job als Personalberater lernte Jorda 1986 auch Dietrich Mateschitz kennen. Damals sollte er für Coca-Cola Österreich einen neuen Generaldirektor suchen. Er wollte einen Studienkollegen des heutigen Red-Bull-Bosses anheuern; dieser lehnte jedoch ab und empfahl den jungen Mateschitz. "Der lehnte diesen Traumjob auch ab. Ich dachte mir noch, das ist ein eingebildeter Pimpf." Nur ein halbes Jahr später meldete sich Mateschitz bei Jorda und präsentierte ihm seine neue Idee vom Energydrink Red Bull.

400 Mitarbeiter für Red Bull
"Mateschitz legte mir einen Businessplan vor, bei dem er nach drei Jahren vierzig Millionen Verlust schreibt. Absurd; ich überlegte, beim Kreditschutzverband anzufragen, ob dieser Mensch überhaupt so liquid sei, um unser Honorar zu zahlen", lacht Jorda heute über diese Story.
Die erste Dose Red Bull, die der Neumann-Manager damals verkostete, schmeckte ihm gar nicht - und noch heute ist das so. Die Abneigung beschränkt sich auf den Geschmack: Neumann hat bis zum heutigen Tag weltweit rund 400 Mitarbeiter für den Energydrink-Erzeuger akquiriert, zuletzt in Mexiko.

Rittern um KTM
Mateschitz' und Jordas Wege kreuzten sich abermals 1992: Beide kämpften unabhängig voneinander ebenso wie Stefan Pierer um die marode Zweiradschmiede KTM. Den Zuschlag bekam Pierer. In diesem Jahr wollte es Jorda genau wissen: Er quittierte seinen Job bei Neumann und gründete seine eigene Personalberatungsfirma, die er "New Europe" nannte - ein Name, den die Amerikaner für Osteuropa verwenden. Nur zwei Jahre später verkaufte Jorda den ganzen Laden um gutes Geld an den Personalberater Korn/Ferry und baute für diesen die Märkte in der Schweiz, Deutschland und Skandinavien auf. "Eine der wenigen Möglichkeiten, meine Muttersprache Dänisch zu sprechen. Eine furchtbare Sprache, die wie eine Halskrankheit ist."

Traum vom Motorradmuseum
Jorda blieb fünf Jahre lang bei Korn/Ferry, bis dieser an die Börse ging. Jorda ging auch, back to the roots, zur heutigen Firma Neumann & Partners. Nebstbei baute er die Motorradfirma DeusMoto mit zwei Partnern auf, dazu die Harley/KTM-Filiale in St. Pölten.
Und was haben ein Personalberater und ein Motorradverkäufer nun gemeinsam? "Beide verkaufen ein teures Produkt, das sehr beratungsintensiv ist. Nur in der Motorradbranche verdient man nicht so viel Geld." Was Jorda noch zum großen Glück fehlt? "Ein eigenes Motorradmuseum. Dafür suche ich einen alten Bauernhof in der Nähe von Wien."

Von Gabriela Schnabel

Body & Soul

Raiffeisen-Holding Generaldirektor Klaus Buchleitner - der virtuose Problemlöser

Doris Felber gab nie klein bei. Jetzt feiert sie - und gleichzeitig die Bäckerei - ein Jubiläum.
 

Body & Soul

"Ich habe mein Leben selbst in die Hand genommen"

Zum Abschied gibts noch eine große Party im Wiener Odeon Theater.
 

body and soul

Hermann Becker, Grandseigneur der
Porsche-Holding, geht in Pension