Beiersdorf-Chef U. Schmidt: 'Früh realisiert, wie viele Menschen Hilfe brauchen'

Ulrich Schmidt, Geschäftsführer der Beiersdorf CEE Holding, engagiert sich seit mehr als zehn Jahren für SOS-Kinderdorf. Die soziale Ader entwickelte sich früh: Er wuchs in der Nähe eines Flüchtlingsheims auf.

Von diesem Mann kann man noch etwas lernen. Zumindest, wie man die richtige Balance zwischen Beruf und Privatleben hält. „Ich brauche nicht abzuschalten, weil ich mich nicht belaste. Ich schlafe auch innerhalb von zehn Sekunden ein“, erklärt Ulrich Schmidt, 57, Geschäftsführer der CEE Holding des Kosmetikkonzerns Beiersdorf (Nivea, Labello, Eucerin, Hansaplast). Der groß gewachsene Mann strahlt Ruhe aus. „Ich bin eben unaufgeregt, das ist mein ­Naturell“, beschreibt er sich selbst.

Geschäfte laufen gut

Es gibt auch momentan nichts, was den Manager belasten könnte. Im Gegenteil, seit Schmidt 1997 die Geschäftsleitung in Österreich übernahm, hat er acht Länder aufgebaut. Und die Geschäfte laufen trotz angesagter Wirtschaftskrise gut. Schmidt, der vom Wiener Headquarter aus heute 14 Länder von Tschechien bis Rumänien managt, erzielte im Vorjahr einen stabilen Umsatz von 316 Millionen Euro. Den Marktanteil hat er in seinen Regionen gesamt auf 19,3 Prozent steigern können.

Überlebenstraining mit Baby im Park

„Ich bin aber auch durch eine gute Schule gegangen“, verrät Schmidt. Damals, als er Mitte der 90er von Beiersdorf Hamburg nach Wien entsandt wurde, hatte er hierzulande ein großes Restrukturierungsprogramm zu bewältigen. „Ich habe gemeinsam mit Boston Consulting 100 Millionen Euro bei der Beiersdorf-Tochter Tesa eingespart. Und in dieser schwierigen Phase ist unsere jüngere Tochter, damals noch ein Baby, täglich um 3.30 Uhr wach geworden.“ Schmidt, der ohnedies um seine Nachtruhe gebracht war, ging mit der Kleinen dann meist in den Park. Da war es 4 Uhr früh. Das war eine Art Über­lebenstraining.

Work-Life-Balance im Lot

Seine Arbeitswoche geht der Manager ebenso unaufgeregt an. Vormittags finden meist Mitarbeitergespräche statt, nachmittags die Geschäftsführersitzungen, und zweimal die Woche tourt der Herr der blauen Nivea-Dose durch seine CEE-Länder. Wenn er in Wien weilt, startet er um 7.45 seinen Büroalltag und „versucht“, um 18.30 Uhr die Beiersdorf-Zentrale in Wien-Favoriten zu verlassen. Was dem Mann auch gelingt.

Freizeit und Familie

Seine Freizeit widmet Schmidt ganz und gar seiner Familie und seinem regelmäßigen Lauftraining in seiner Gemeinde Perchtoldsdorf. „Wir haben seit Jahren eine Laufgruppe mit unseren Nachbarn, und mit denen trabe ich gut 90 Minuten herum“, erzählt Schmidt. ­„Einer spielt immer den Lumpensammler und holt alle von zuhause ab.“ Schmidt liebt Wien, weil die Stadt „so eine unglaubliche Lebensqualität hat und weil das Wetter immer so schön ist“. Eine glatte Lüge, sieht man sich die Temperaturen im Wonnemonat Mai an. Aber trotzdem wahr, wenn man das Wetter in Schmidts Heimat Hamburg als Vergleich heranzieht, wo es im Sommer nur durchschnittlich 22 Grad erreicht.

Zusammenhalt stärken

Seit 1997 engagiert sich Schmidt jedoch auch intensiv für SOS-Kinderdorf. „Da war ich gerade ein Jahr in Österreich und habe mir überlegt, wie und wo können wir sinnvoll helfen.“ Seit damals finden in ganz Österreich im Sommer die legendären Nivea-Familienfeste statt. Durch Losverkäufe wurden allein in den vergangenen vier Jahren eine Million Euro für SOS-Kinderdorf gesammelt. Das Geld wird in die Errichtung der Kinderdörfer investiert. Doch Kinder brauchen mehr als nur ein Dach über dem Kopf. Und so hat Schmidt gemeinsam mit SOS-Kinderdorf entschieden, dass neue Projekte entwickelt werden müssen, die auch den Zusammenhalt der eigenen Familie stärken.

Kindern eine Zukunft schenken

Unter dem Motto „Nivea schenkt Kindern eine Zukunft“ wird sowohl ambulante Familien­arbeit angeboten, sprich: Sozialarbeiter kommen ins Haus, aber auch Krisen­pflegeplätze für Kinder, die zeitweise nicht in ihren Familien bleiben können. Der ­Fokus liegt jedoch langfristig darauf, dass die Familie zusammenbleibt. Der soziale Gedanke wurde Schmidt schon von ­seiner Mutter eingepflanzt. „Wir lebten in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Flüchtlingsheim. Da wurde mir deutlich vor Augen geführt, was familiäre Einbettung bedeutet und wie dringend Hilfe von allen Seiten nötig ist“, erzählt er. Im Flüchtlingslager gab es auch tolle Spielgeräte, da hat er als Bub viel Zeit verbracht. „Meine Mutter war sehr beeindruckt von SOS-Kinder­dörfern. Wenn sie keine eigenen Kinder bekommen hätte, wäre sie SOS-Kinderdorfmutter geworden“, erinnert sich Schmidt.

Alle Menschen sind gleich

Arm sein war aber nie ein Thema für den Manager. Für ihn waren alle Menschen gleich. Jeder hatte damals in der Lüneburger Heide einen kleinen Garten hinter dem Haus und versorgte sich selbst. Sein erstes Geld verdiente sich Schmidt als Junge bei der Kartoffelernte. Und weil er schon als Kind fleißig mit anpackte, war er der Erste in der Schule, der sich einen Motorroller leis­ten konnte. Seine soziale Ader hat sich Schmidt bewahrt. „Auch meine Töchter wurden nicht elitär erzogen, sondern sind gemeinsam mit Flüchtlingskindern in den Kindergarten gegangen und haben keine Privatschule besucht.“ Das sieht der Manager auch als Vorbereitung auf das Leben, denn in der Arbeitswelt gibt es auch keine sozialen ­Unterschiede, „außer man ist im Private Banking, aber wer will das schon“.

Gabriela Schnabel

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