Bank-Austria-Chef Willibald Cernko züchtet die Rasse Oldenburger Warmblut

Bank-Austria-Chef Cernko hat ein volles Freizeitprogramm: Er versorgt Kater „Moritz das Phantom“, züchtet Pferde, lebt mit seiner Frau Jasminka die Musik und freut sich, seine Kids zu treffen.

Willibald Cernko, 54, Vorstandsvorsitzender der UniCredit Bank Austria, wurde mit dem Pferdevirus infiziert. Angesteckt hat ihn Freund und Bankerkollege Johann Strobl. Das liegt allerdings schon ein paar Jahre zurück. Zu dieser Zeit war Cernko fest davon überzeugt, das Glück der Erde liege tatsächlich auf dem Rücken der Pferde. Allerdings nur so lange, bis er erkannte, dass das wahre Glück der Pferde der Reiter auf der Erde ist. „Ich wollte links, die Stute rechts. Das war nicht ausgemacht. So haben wir uns völlig unkoordiniert getrennt, ich bin unfreiwillig abgestiegen und unsanft gelandet“, beschreibt der Bank-Austria-Chef lachend seine kurze Reiterkarriere.

Die Brille lag im Dreck, war aber noch ganz. Das war für die Reitlehrerin Argument genug, den Anfänger sofort wieder aufs Pferd zu befehlen, damit der ja keine Mentalblockade produziere. „Also habe ich mich noch drei Runden wie ein Mehlsack tragen lassen, habe das Tier anschließend in den Stall gebracht und dann ein bisserl Kreuzweh gehabt.“ Langer Rede, kurzer Sinn: Cernko hatte sich eine Rückenfraktur eingehandelt. „Ich habe das als Hinweis von oben interpretiert und mich ab diesem Zeitpunkt für die bodennahen Tätigkeiten entschieden“, erzählt Cernko.

Die Leidenschaft ist dem Pferdeflüsterer trotzdem nicht abhanden gekommen. „Pferde faszinieren mich wahnsinnig. Das ist eine völlig andere Welt, hat zu tun mit Energie, Ästhetik und Emotionen.“ Cernko hat sich relativ bald auf das Züchten des Oldenburger Warmbluts verlegt. Diese gutmütige Pferderasse gilt als ausgezeichnetes Spring- und Dressurpferd. Eigenschaften, die Cernkos Frau, die bekannte Pianistin Jasminka Stancul, sehr schätzt, wenn sie die Pferde im Prater reitet. Für Ehemann Willibald sind die derzeit drei Zuchtstuten zu einem sehr intensiven Hobby geworden: „Wann immer am Wochenende Zeit ist, ist das meine Morgenbeschäftigung in der Freudenau.“ Die Betreuung teilt er sich freilich mit einem professionellem „Pferdemenschen“, wie er sagt. Denn alleine ist so ein Hobby viel zu zeitaufwendig. Und Zeit ist für den Banker von Montag bis Freitag ein teures Gut. Der gebürtige Knittelfelder, heute in Wien-Alsergrund ansässig, steht täglich um sechs Uhr morgens auf; duschen, Frühstück richten und – ganz wichtig – Kater „Moritz das Phantom“ versorgen. Den Vierbeiner holte das Ehepaar Cernko aus dem Tierheim in Bruck an der Leitha. Und es dauerte knapp eineinhalb Jahre, bis der Haustiger handzahm wurde. „Zuvor hatte er sich nur hinter dem Piano versteckt und kam nur nachts zum Fressen, Pissen und Kacken hervor“, schildert Cernko.

Spätestens um acht Uhr sitzt der Banker hinter dem Schreibtisch. Und er bleibt so lange, „wie es der Tag notwendig macht. Denn wenn man im Kundengeschäft steht, ist das Maß der Kunde“, so Cernkos Credo. Die Disziplin wurde dem Mann im Bischöflichen Knabengymnasium in Graz anerzogen, aber auch die Liebe zur Musik. Als Kind der Nachhippie-Ära war Musik für Jung Cernko Ausdruck eines latenten Protestverhaltens. „Wir hatten durchgesetzt, dass wir Jeans und längere Haare tragen durften, und haben höllisch laut Musik gehört.“ Er schaffte sich eine Gitarre an, gründete eine Band und gab „unprofessionelle Konzerte“. Als er mit seinem Taschengeld „short“ war, hat er die Gitarre in die Schlacht geworfen und so seine Musikerkarriere beendet. „Heute bin ich mit der Musik im wahrsten Sinne des Wortes verheiratet. Ich versuche, zumindest ein Stück Freizeit gemeinsam mit meiner Frau zu verbringen, sei es bei Konzerten oder wenn zuhause Kammermusik gespielt wird“, erzählt Cernko.

Die Freizeit des Bankers ist gut eingeteilt. Ein ganz großes Thema sind für ihn dabei seine vier Kinder. „Je älter sie werden und je weiter sie weggehen, desto näher sind sie einem“, beschreibt er. Sein Ältester, Leonhard, in Österreich bereits als Koch des Jahres ausgezeichnet, ist seit kurzem als oberster Gastro-Leiter im Hotel Adlon in Berlin tätig. Tochter Nastassja arbeitet bei der OMV. William, der Drittjüngste, tritt in die Fußstapfen des Vaters – er will als Fondsmanager in London Karriere machen. Und last, but not least wird Nesthäkchen Geraldine dieses Jahr in Krems ihren Bachelor und hernach den Master an der Tourismusfachhochschule machen. „Auf die Kids bin ich echt stolz. Alle haben Umwege gemacht, um ihre Berufung zu finden. Aber Umwege lohnen sich wirklich – denn wenn man bei der Lebenserwartung von heute ein, zwei Jahre später ins Arbeitsleben kommt, ist’s noch lange genug.“

– Gabriela Schnabel

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