Auf leisen Sohlen: Erwin Klissenbauer, Chef der Spanischen Hofreitschule, auf der Pirsch

Jagen ist für den kaufmännischen Chef der Spanischen Hofreitschule totale Konzentration und völlige Entspannung. Das Sympathische: Bambis verschont er.

Im richtigen Moment drückt er den Abzug. Mit einem Blattschuss in Herz und Lunge fällt das Tier zu Boden und haucht den letzten Atem aus. Beim Abstieg wird die Kon­dition von Erwin Klis­senbauer, 44, kaufmännischer Direktor und Kogeschäftsführer von Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler in der Spanischen Hofreitschule, zum zweiten Mal auf die Probe gestellt. Rucksack und Gams wiegen rund 40 Kilo.

Dem Alltag entfliehen
Der Mann hat eben ein patentes Rezept, um dem Alltagsstress zu entfliehen: Er klettert den Gämsen im rauen Gebirge hinterher, stellt das Rotwild und geht auch ganz gerne zur Riegeljagd (Gesellschaftsjagd). „Draußen im Karst verlangsame ich den Takt meines Lebens. Beim Ansitzen (Anm.: auf dem Hochstand auf Wild warten) entspanne ich total und konzentriere mich auf die Wildbeobachtung und letztlich den Schuss“, beschreibt der Manager seine Passion. Seine Ehefrau teilt Klissenbauers bluti­ge Leidenschaft nicht, obwohl die Hobbybiathletin eine hervorragende Schützin ist. Sie begleitet ihn dafür mit den drei gemeinsamen Kindern bei seinem zweiten Hobby, dem Holzmachen.

Naturverbunden
Klissenbauer ist ein echter Naturfreak. Klar, dass er nicht nur Essbares selbst erlegt, sondern auch das Holz für die kalte Jahreszeit selbst aus dem Wald holt. Damit die Baumstämme zu ofengerechten Stücken werden, bearbeitet sie Klissenbauer mit seinen Geräten. Darunter: Motorsäge, Traktor, Seilwinde, Spalter und Kreissäge. „Meine drei Söhne sind immer dabei. Der Kleinste hilft zwar nur mit der Plastik­motorsäge mit, die zwei Älteren packen ­jedoch schon kräftig an.“ Für die Jagd haben sich die drei ­Rangen noch nicht begeistert, das ewige Warten ist den Kids einfach zu langweilig.

Gämsen jagen
Meist geht er also mit Gleichgesinnten zur Jagd. Nur kein Lärm und immer im Windschatten der zur Gattung der Ziegen gehörenden Tiere, „denn die Gämsen sind hochintelligent, wenn sie mal zur Flucht ansetzen, sind sie dahin“. Die Tiere reagieren be­sonders sensibel auf Bewegungen, die ihnen nicht vertraut sind. „Bei Bergsteigern laufen sie oft nur ein Stück auf die Seite und bleiben dann wieder stehen, haben sie uns Jäger einmal entdeckt, fliegen sie über die senkrechten Wände, niemand kommt ihnen mehr nach. Die Chance ist vertan“, ärgert sich Klissenbauer. Ein- bis zweimal jährlich rüstet er sich, um den schnellen Tieren am Grimming und im Mariazeller Land nachzustellen. Seine Leidenschaft ist gar nicht ungefährlich, weil sich das flinke Wild im felsigen Hochgebirge aufhält. Aber der Familienvater kennt sein Terrain. „Das Gelände ist unwegsam, besonders im Frühwinter, wenn der Boden gefroren ist. Ich kehre auch um, wenn es zu riskant ist. Außerdem gehe ich nie alleine zur Jagd.“

Der Teamarbeiter
Klissenbauer schätzt die Teamarbeit nicht nur am Berg, sondern auch in seinem Beruf. Als er vor einem Jahr von den Bundesforsten in die Chef­etage der Spanischen Hofreitschule wechselte, war von Anfang an klar: Entscheidungen werden gemeinsam mit Direktorin Elisabeth Gürtler getroffen. Beim tägli­chen Plausch „wird alles besprochen, egal, ob es um Finanzen oder die Integration der Mädels (erstmals werden Mädchen zu Bereiterinnen ausgebildet) in den Reit­betrieb geht. Dafür muss einfach Zeit sein“, so ­Klissenbauer. Während Gürtler, Vizestaatsmeisterin im Dressurreiten, sich eher um die sportlichen Belange in der Hofreitschule kümmert, konzentriert sich der Jurist um das finanzielle Wohl der Pferdeschule. Bis der Betrieb wieder in den schwarzen Zahlen ist, bedarf es allerdings noch einiger Anstrengungen.

Kräfte einteilen
Während Klissenbauer im Job seine ganze Kraft aufwendet, geht er beim Jagen sparsam damit um. Soweit es das Gelände erlaubt, fährt er lieber mit seinem Auto den Berg hoch, erst dann geht es zu Fuß weiter. „Nach zwei bis drei Stunden erreiche ich meist die Waldgrenze. Mit dem 20 Kilo schweren Rucksack ersetzt der Bergaufstieg jedes Fitnesscenter“, schildert der Jäger. Was das Gepäck so schwer macht, sind das Gewand zum Umziehen, diverse Ferngläser, Munition und ein scharfes Messer zum „Aufbrechen“ (Entnehmen der Eingeweide) der Gams. Bevor er zum Schuss kommt, muss sich Klissenbauer auf 250 bis 100 Meter heranpirschen – eine echte ­Geduldsprobe.

Wildtiere im Wienerwald
Am häufigsten ist Klissenbauer im Jagdrevier im Wienerwald anzutreffen. Da gibt es zwar keine Gämsen, dafür kann er Schwarzwild (Wildsau) jagen, so viel er will. Das Rehwild hin­gegen ist kontingentiert. Stolze 200 Hektar umfasst das Revier in Laab im Walde, wo es ihn bis zu zweimal in der Woche hinzieht. Tagwache ist um 4.30 Uhr. Schließlich will der Jäger ja auf dem Hochstand sitzen, bevor die Tiere aktiv werden. Sein Zauberwort ist dann ­„Geduld“: „Oft verharre ich bis zu drei Stunden auf meinem Sitz, und obwohl ich eigentlich jeden Winkel bereits abgesucht habe, taucht plötzlich ein Reh mit Kitz auf und spaziert über die Lichtung“, erzählt der ­Jäger.

Jagen mit Herz
Und dann von seinem Gemüt: Klis­senbauer greift in solchen Fällen eher selten zum Gewehr. Gerade einmal vier Rehe mussten in diesem Jahr dran glauben. Weil Klissenbauer auch einen ­eigenen Hund hat, würde er nie auf frei laufende Haustiere schießen. Und auch Bambis bleiben prinzipiell verschont: „Wenn ich durch den Sucher meines Gewehres in ihre ­großen Kulleraugen schaue, bringe ich es nicht übers Herz, die kleinen Wesen zu töten, obwohl sie eigentlich gut schmecken würden.“

Von Carolina Burger

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