Andi Lotz, Leibarzt der Skination, entpuppt sich als passionierter Pop-Art-Kunstsammler

Der langjährige ÖSV-Arzt Andi Lotz hat eine geheime Leidenschaft: Er ist passionierter Kunstsammler. Unter seinen 500 Exponaten sind viele wertvolle Pop-Art-Werke.

Andreas Lotz, 56, hält sich im Hintergrund. Bei Sportlern gilt der gebürtige Nieder­österreicher aber als Super-Doc. Insbesondere bei den Mitgliedern der heimischen Ski-, Bob- und Skeleton- und Rodel-Nationalmannschaft. Die Meisterleistung von Lotz war die Wiederherstellung von Hermann Maier nach seinem spektakulären Sturz bei den Spielen in Nagano 1998. Nur drei Tage später fuhr der Herminator beim Super-G Gold ein und wurde Olympiasieger. Richtige Wunder vollbringt der in Innsbruck ansässige Sport- und Allgemeinmediziner keine. Doch anstatt zum Skalpell zu greifen, vertraut Lotz auf die alternativmedizinische Manualtherapie, die vor allem zur Behandlung von Funktionsstörungen des Bewegungsapparats dient, und die konservative Therapie von Verletzungen. Und dabei hat er offenbar ein gutes Händchen. Er selbst legt ein für einen Arzt eher ­atypisches Verhalten an den Tag: Er raucht, frönt ausgiebig kulinarischen Genüssen, und anstatt sich dem Ausdauersport zu widmen, schlägt er lieber Golfbälle ab.

Grenzenlose Leidenschaft zu bunten Bildern
Die wirkliche Leidenschaft von Lotz blieb vielen Menschen jedoch bis heute verborgen. Der Mann mit den goldenen Händen ist seit mehr als drei Jahrzehnten ein Kunstsammler der besonderen Art. Von seinen 500 Werken zählen 100 zur Stilrichtung der Pop-Art. Eine Kunstrichtung, die Mitte der 1950er- Jahre in England und in den USA entstand und in den 1960ern zur herrschenden künstlerischen Ausdrucksform wurde. Die Motive sind hauptsächlich der Alltagskultur, der Welt des Konsums, den Massenmedien und der Werbung entnommen. Lotz besitzt viele Exponate der prominentesten Pop-Art-Vertreter, wie etwa eine Skizze von Robert Rauschenberg, Siebdrucke von Andy Warhol, Comic-Bilder von Roy Lichtenstein, die „brennende Zigarette“ von Tom Wesselmann, aber auch das Zirkus-Karussell von Keith Haring, einem späteren Vertreter der Pop-Art.

Mit 13 in Warhols Marilyn verliebt
Die erste bewusste Begegnung mit den bunten Bildern hatte Lotz im Alter von 13 Jahren. „Damals war ich in der Londoner Tate Gallery, um mir das Lebenswerk von Picasso anzusehen. Beim Verlassen der Ausstellung stach mir ein grelles Marilyn-Monroe-Poster von Andy Warhol im Museumsshop in die Augen“, erinnert sich der Sammler. „Damals hatte ich kein Geld. Erst vor 15 Jahren habe ich mir meinen Jugendtraum erfüllt und einen signierten Probedruck von Warhols Marilyn erworben.“ Ebenso besitzt er eine Originallithografie des Ausstellungsposters der weltbekannten Marilyn-10er-Serie. Warum er gerade an der Pop-Art so großen Gefallen findet? „Das ist für mich der Schnittpunkt zwischen handwerklicher und Ideen-Kunst“, erklärt Lotz. Seine Kunstschätze bewahrt der Mann ganz unorthodox auf: Teilweise hängen die wertvollen Blätter einfach ungeschützt an den Wänden, lagern hinter Schränken oder im Tresor einer Bank. Lotz ist Sammler aus Leidenschaft: „Eigentlich will ich nix verkaufen.“ Dabei könnte der Sportarzt schon einen Batzen Geld lukrieren. Warhols „Liz Taylor“-Litho aus 1964 erzielte zuletzt 50.000 Euro. Roy Lichtensteins „Shipboard Girl“ aus 1965 erzielte 35.000 Dollar. Ganz zu schweigen von den Originalen wie dem giftgrünen „brush-stroke“ von Lichtenstein, dem „Yellow Man“ von Haring und vielen anderen. „Ich habe aber für keines meiner Werke mehr als 5.000 Dollar investiert“, so Lotz.

Faible für Tiroler Künstler
Er ist ein Kenner, der zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort war. Viele Schätze erwarb der ­Mediziner in den USA, dem Mekka der Pop-Art. Bei seinen Einkaufstouren stehen nicht immer nur bekannte Werke auf seinem Wunschzettel: „Oft kaufe ich auch Kurio­sitäten: zum Beispiel die Einladungskarten mit den von Warhol gefertigten Porträts von Mick Jagger, die 1975 für die Vernissage des US-Kunsthändlers Leo Castelli versandt wurden.“ Lotz findet nicht nur Gefallen an der Pop-Art. Er besitzt auch eines der ältesten Zebra-Werke von Victor Vasarely, dem Begründer der Op-Art (optische Täuschung): „So was findest du heute nicht mehr.“ Der Sammler nennt außerdem eine Collage von Verpackungskünstler Christo, Lithografien der Surrealisten Joan Miró und Salvador Dalí sowie einen Picasso sein Eigen.
Schon als Kind wusste Lotz, dass er von Niederösterreich nach Innsbruck übersiedeln würde. Er fand dann auch an der lokalen Kunst großen Gefallen. Dazu zählen Franz Schwetz, Herbert Danler oder Luis Alton, die allesamt plakativ in seinem Tiroler Domizil zu bewundern sind. Lieblingsbild hat der Super-Doc keines. „Kunst ist nicht teilbar“, sagt er. „Wenn ich mir anschaue, wie hoch die alten Ägypter bereits entwickelt waren – siehe die vier Kanopenkrüge in der Grabkammer von Tut­anchamun –, da können alle, die danach ­kamen, einpacken.“

Gabriela Schnabel

Body & Soul

Raiffeisen-Holding Generaldirektor Klaus Buchleitner - der virtuose Problemlöser

Doris Felber gab nie klein bei. Jetzt feiert sie - und gleichzeitig die Bäckerei - ein Jubiläum.
 

Body & Soul

"Ich habe mein Leben selbst in die Hand genommen"

Zum Abschied gibts noch eine große Party im Wiener Odeon Theater.
 

body and soul

Hermann Becker, Grandseigneur der
Porsche-Holding, geht in Pension