Was Eva Dichand von Start-ups in den USA gelernt hat

Was Eva Dichand von Start-ups in den USA gelernt hat

In der aktuellen Ausgabe des neuen "trend" schreibt "Heute"-Herausgeberin Eva Dichand über ihre vier Monate "Studienzeit" in New York und dem Silicon Valley. Von den dortigen Start-ups können hiesige Verlage viel lernen, lautet ihr Conclusio.

"Bei den Medien sind die USA nach wie vor Avantgarde, der Elitegedanke ist nachahmenswert, doch die Infrastruktur des täglichen Lebens ist oft rückständig." Das ist die erste Zwischenbilanz der Verlegerin und "Heute"-Herausgeberin Eva Dichand nach vier Monaten "Studienzeit" zwischen New York und Silicon Valley.

"Unsere bisherige Erfahrung ist jedenfalls, dass man enorm viel lernen kann. Hier tut sich so viel, dass einem der Kopf saust", schreibt Dichand, die seit September mit ihren Kindern und ihrem Mann und "Kronen Zeitung"-Herausgeber Christoph Dichand in New York lebt, in einem "Essay" für die aktuelle Ausgabe des neu konzipierten Wirtschaftsmagazins "trend".

Inspiration für den eigenen Verlag

Die Dichands besuchten bisher traditionelle Verlagshäuser wie "New York Times", "Washington Post" oder "Los Angeles Times" sowie neue Internet-Konzerne und verfolgten "Pitching Events" mit Medien-Start-ups. Laut Dichand ging es dabei um Datenanalyse-Software, neue Redaktionssysteme und Trackinglösungen. "Das eine oder andere Start-up könnte auch für meine Verlagsgruppe interessant sein, zum Beispiel in den Bereichen User-generated Content oder Gesundheit. An anderen werden wir uns als Finanzinvestoren beteiligen."

Mit der Finanzpower der digitalen Giganten könnten althergebrachte Medienhäuser kaum mithalten, berichtete die "Heute"-Eigentümerin im "trend" weiter. Der klassische Qualitätsjournalismus werde dagegen "zum Luxusprodukt für eine kleine Elite, teuer gekauft und mit viel Geld gesponsert. Generell ist das eher frustrierend."

"Salonlinke Gutmenschen"

Die U-Bahn-Gratiszeitungen in New York seien journalistisch "nicht sonderlich ergiebig", so Dichands Eindruck. Ihre Zeitung "Heute" liege da näher bei Rupert Murdochs "New York Post". Deren Kampagnen - etwa gegen den New Yorker Bürgermeister - wären in Österreich allerdings nicht vorstellbar. "Unsere salonlinken Gutmenschen, die sich schon so dauernd über den sogenannten Boulevard - direkt oder via Presserat - aufregen, würden wohl einem Herzinfarkt erliegen, wenn sie so etwas lesen würden."

Kaum jemand mache mit Nachrichten im klassischen Sinn Geld. Die großen Mediengruppen generierten ihr Wachstum aus Digitalbereichen, die null mit ihrem ursprünglichen Geschäft zu tun haben. "Dass sich da jemals ein Bezahlmodell für journalistische Inhalte durchsetzen wird, mit dem ein Verleger Hunderte Journalisten bezahlen wird können, bezweifle ich", schreibt die "Heute"-Chefin.

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